Wer ist Tyler Robinson? Der 22-Jährige soll für den Tod des rechtskonservativen Influencers Charlie Kirk verantwortlich sein. Mit einem Jagdgewehr Kaliber .30 soll er Kirk von einem Dach aus auf dem Campus der Utah Valley University erschossen haben. Ein Treffer in den Hals: Die Chancen, das zu überleben, sind sehr gering.
Die Anklage lautet auf „aggravated murder“, Mord unter erschwerenden Umständen – im Bundesstaat Utah droht darauf die Todesstrafe. Noch muss Robinson als unschuldig gelten, auch wenn auf dem Handtuch, in dem die Tatwaffe eingewickelt worden war, mittlerweile seine Fingerabdrücke nachgewiesen wurden. Er sitzt derzeit im Utah County Jail, unter besonderer Beobachtung. Die Behörden wollen ausschließen, dass er sich oder anderen etwas antut. Sein Vater Matt soll gewarnt haben, der Sohn wolle sich lieber das Leben nehmen als der Polizei stellen. Laut Utah-Governeur Spencer Cox habe Robinson in den Vernehmungen bislang „nicht kooperiert“. Jedoch könnte er vor seiner Festnahme ein Geständnis abgelegt haben.
Mormonen und Trump-Anhänger: In diesem Elternhaus wuchs der mutmaßliche Kirk-Attentäter auf
Der junge Mensch stammt aus konservativem Elternhaus, die Eltern sind Mormonen und als Republikaner registriert, sollen eine Jagdlizenz besitzen. Der Vater sei ein Trumpist, sagt die Großmutter. Tyler hingegen habe nie über Politik gesprochen. Aufgewachsen ist er in der Vorstadt von St. George, einer Stadt im Südwesten Utahs mit 100.000 Einwohnern. Fotos aus früheren Tagen zeigen Robinson auf Familienausflügen, hier und da auch mal mit einem Gewehr. Zumindest für US-Verhältnisse: eine normale Kindheit.
Er galt Weggefährten als Einserschüler, hochintelligent, ein Gamer, sehr ruhig und ein bisschen schüchtern, aber kein Außenseiter. Die Pausen habe er mit Freunden beim Kartenspielen verbracht, erinnert sich einer bei CNN. Er sei ein angenehmer Zeitgenosse gewesen.
Robinson war auch Stipendiat der Utah Valley. Ein Video, das die Mutter bei Facebook hochgeladen hat, zeigt ihn, wie er stolz aus dem Schreiben der Universität vorliest. An der Universität war er nur ein Semester eingeschrieben, dann brach er das Studium ab. Stattdessen aber geht er ans Dixie Technical College in St. George und beginnt eine Ausbildung zum Elektriker. 2022 bekommt er eine Lizenz für Auszubildende, darf damit unter Aufsicht arbeiten. Ein Zwischenschritt.

In St. George lebt Robinson in einem kleinen Apartment, nicht weit weg vom Elternhaus. Offenbar nicht alleine, mehrere US-Medien berichten von einem Mitbewohner. Der soll sich als trans identifizieren und „entsetzt“ von der Tat sein, schreibt etwa Axios unter Berufung auf Ermittlungskreise. Die Person sei „extrem kooperativ“ und habe Textnachrichten von einem Tyler mit den Behörden geteilt. Darin geht es unter anderem um ein Gewehr.
Nachbarn im Apartmentkomplex beschreiben Tyler Robinson als „sehr zurückgezogen“. Er scheint viel Zeit online verbracht zu haben, mit Videospielen und bei Discord, einer Chatplattform, die besonders in der Gaming-Szene beliebt ist. Beides scheint ihn sehr geprägt zu haben.

Gaming-Chats von Tyler Robinson: Tatgeständnis auf Discord-Server?
Noch kurz nach dem Attentat kommunizierte Tyler Robinson offenbar mit der Chatgruppe. Entsprechende Screenshots liegen der „New York Times“ vor: Die Polizei hatte gerade Fotos vom mutmaßlichen Täter veröffentlicht, da wird Robinson im Chat scherzhaft gefragt, wo Tyler denn stecke, die Ähnlichkeit sei ja gewissermaßen auffällig. Die Antwort: Sein „Doppelgänger“ versuche ihn „in Schwierigkeiten zu bringen“. Ein anderer schlägt im Chat vor, man solle Tyler an die Behörden ausliefern für die 100.000 US-Dollar Belohnung, die das FBI ausgelobt hat. „Nur, wenn ich einen Anteil bekomme“, schreibt Robinson darauf.
Das Gespräch geht da noch eine Weile weiter, mit Anspielungen unter anderem auf Luigi Mangione, dem die Ermordung eines Krankenversicherungs-CEO vorgeworfen wird und der deswegen Millionen Fans hat. Tyler solle mal „besser nicht in einen McDonalds“ gehen in der nächsten Zeit – Mangione war in einem Restaurant der Fastfood-Kette verhaftet worden. Robinson antwortet, er müsse unbedingt noch „dieses Manifest und die exakte Kopie des Gewehrs, die da bei mir rumliegen, vernichten“. Auch das, wohl als Scherz zu verstehen, mit mindestens doppeltem Boden.
Doch laut „Washington Post“ teilte er seinen Online-Bekanntschaften auf Discord etwa zwei Stunden vor seiner Verhaftung dann doch mit: „Hey Leute, schlechte Nachrichten. Das war ich gestern an der UVU (Utah Valley University, Anmerkung der Redaktion).“ Wie das US-Medium berichtet, bestätigten zwei Mitglieder der Chatgruppe die Echtheit der dort veröffentlichten Nachricht. Robinson soll sich demnach bei der Online-Community für die „gute Zeit“ bedankt haben. „Ihr wart alle großartig – danke für alles“, schloss er seinen Post ab. Der Beitrag wurde anschließend den Behörden gemeldet.
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Was Nachbarn und Trump über Tyler Robinson sagen
Die Nachbarn daheim im beschaulichen Vorort beschreiben Tyler Robinson aber auch als „eine normale Person“ und politisch unauffällig. Als Wähler ist Robinson zwar registriert, gewählt hat er aber wohl noch nie.
Ein Familienmitglied zeichnet hier laut dem Gouverneur von Utah, Spencer Cox, ein anderes Bild: Tyler Robinson sei „politischer geworden in den letzten Jahren“, habe jüngst bei einem Abendessen im Familienkreis über Charlie Kirk gesprochen, seinen bevorstehenden Auftritt an der Utah Valley und dass er ihn und seine Ansichten nicht möge. Aber ein Mörder? Zumindest die Nachbarn tun sich schwer mit dieser Vorstellung.
Und ein Linksextremer, wie der US-Präsident Donald Trump es wissen will und mit ihm Teile der US-Öffentlichkeit? Ein Motiv für die Tat haben die US-Behörden noch nicht ermitteln können. Bislang ist nicht bekannt, ob Robinsons bereits befragt wurde und ob er sich zu den Vorwürfen geäußert hat. Auch gibt es bislang kein Bekennerschreiben, kein Manifest oder Video, das Hinweise liefern könnte, aus welcher politischen Richtung, wenn überhaupt, da geschossen wurde.
Anmerkung der Redaktion
Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.
Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.
Was die Patronenhülsen über Tyler Robinson sagen
Bekannt ist, dass bei der mutmaßlichen Tatwaffe einige Patronen und Patronenhülsen gefunden wurden. Die weisen wohl Gravuren auf oder Aufschriften, auch auf dem Magazin der Waffe war etwas eingraviert oder beschrieben. Der Inhalt scheint politisch: „Bella Ciao“ ist da zu lesen, der Titel eines antifaschistischen Kampflieds aus Italien. Der Song stammt aus dem Zweiten Weltkrieg, ist wieder populär geworden, weil er in der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ vorkommt. Darin rauben anarchistische Gangster in roten Kostümen den spanischen Staat aus, die Serie ist ein Hit.
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Das Lied findet auch am rechten Rand Anklang, taucht auf einer Playlist aus der Groyper-Szene um den rechtsextremen Influencer Nick Fuentes auf, schreibt die „New York Times“. War Robinson deswegen Anhänger einer politischen Glaubensgemeinde, die die sogenannte Weiße Rasse als von Einwanderern bedroht ansieht und oft über Kreuz lag mit Charlie Kirk? Hat ein Rechtsextremer einen Rechtsextremen erschossen?
Fuentes gab sich am Samstag große Mühe, das zu dementieren. Bei X schrieb er, es gebe keine Beweise, die Medien dichteten ihm und seinen Anhänger Zusammenhänge an. In einem Video rief er seine Fans zur Gewaltlosigkeit auf. Also, doch kein Mord aus der rechtsextremen Ecke?
Vielleicht nicht. Auf einer gefundenen Hülse steht: „Hey Faschist! Fang“, gefolgt von einer Reihe Pfeilsymbolen. Auch diese: Anlehnung an die Pop- und insbesondere Gamingkultur. Die Pfeilsymbole stammen aus dem Spiel „Helldivers 2“, das wiederum inspiriert ist von der Faschismus-Satire „Starship Troopers“. Werden die Pfeile im Spiel in der richtigen Reihenfolge eingegeben, fällt im Spiel eine mächtige Bombe vom Himmel.
Die Symbolreihe ist in der Helldivers-Fangemeinde zu einer Art geflügeltem Wort geworden, mit dem Online-Debatten beendet werden. Wer sie eingibt, sagt: Gespräch beendet.





