Immer wieder spricht US-Präsident Donald Trump von einem Schwindel – einem „Hoax“ – der Demokraten. Doch einen Skandal, nämlich um seine Beziehung zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, der sich im Gefängnis das Leben nahm, kann Trump nicht abschütteln. Nun haben demokratische Kongressmitglieder ein Buch veröffentlicht, das Freunde vor 22 Jahren zu Epsteins 50. Geburtstag zusammengestellt hatten. Darin ist auch eine Zeichnung zu sehen, die Umrisse eines nackten Frauenkörpers darstellt und angeblich von Epsteins langjährigem Freund Donald Trump stammt. Der Präsident bestreitet zwar, der Urheber der Zeichnung und der zweideutigen Geburtstagsglückwünsche zu sein. Gleichwohl ist für Trump die Blamage perfekt, und Rufe nach der Veröffentlichung der vollständigen „Epstein-Akte“ werden immer lauter.
Nachdem sich Mike Johnson, der Trump-hörige Sprecher des Repräsentantenhauses, geweigert hatte, die Akte freizugeben, bewiesen Demokraten Einfallsreichtum. Über eine gerichtliche Vorladung zwangen sie die Nachlassverwalter Epsteins, der 2019 im Gefängnis Selbstmord begangen hatte, die Dokumente zu übergeben. Belastend und peinlich für den Präsidenten ist insbesondere Epsteins berühmtes „Geburtstagsbuch“. Diese enthält nämlich ein „Inhaltsverzeichnis“ von jenen Freunden, die Glückwünsche und andere Beiträge verfasst hatten. Unter ihnen kein geringerer als Donald J. Trump.
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Donald Trump: „Jeder Tag ein neues, wunderbares Geheimnis“
Von dem Frauenkörper umrahmt steht auf der weißen Seite ein vermutlich fiktiver Dialog zwischen Trump und Epstein, mit dem der Immobilienunternehmer seinen Humor unter Beweis stellen wollte. Unter anderem die verfängliche Aussage „Wir haben bestimmte Dinge gemeinsam, Jeffrey“ und das Schlusswort „Möge jeder Tag ein neues, wunderbares Geheimnis sein“. Das Bild trägt eine Unterschrift, die exakt nach dem Autogramm aussieht, das der Öffentlichkeit von den zahlreichen Dekreten bekannt ist, die der Präsident vor laufenden Kameras unterschreibt.

In einem Post auf der Plattform „X“ schreiben demokratische Mitglieder des „Aufsichtsausschusses“ im Repräsentantenhaus: „Was hat er zu verbergen?“ und „Gebt endlich die Akte frei!“ Sie spielen an auf Epsteins Vorliebe für minderjährige Mädchen, die ihm seine langjährige Komplizin Ghislaine Maxwell vermittelt hatte. Maxwell sitzt derzeit eine 20-jährige Gefängnisstrafe ab. Das Justizministerium ließ sie von New York in einen Luxusknast nach Texas bringen, nachdem sie bei einer Vernehmung, die Trumps Justizministerin Pam Bondi veranlasst hatte, den Präsidenten weitgehend entlastet hatte.

Trump: „Ich zeichne keine Frauen“
Trump bestreitet das Schreiben. „Ich zeichne keine Frauen“, sagte er nun. Und sprach abermals von einer Verschwörung „linksradikaler Demokraten“, die ihn diskreditieren wollen. Energisch meldete sich auch Regierungssprecherin Karoline Leavitt zu Wort. „Der Präsident hat diese Zeichnung weder gemalt noch sie unterschrieben“, so das offizielle Statement des Weißen Hauses. Bereits im Juli hatte allerdings das Wall Street Journal in einem Artikel über das „Geburtstagsbuch“ und Trumps Beitrag berichtet. Der Präsident reichte gegen die Zeitung und ihren Eigentümer Rupert Murdoch Klage für 10 Milliarden Dollar Schadenersatz ein. Bisher ohne Erfolg.
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Trumps Dementis zum Trotz wird für ihn das Debakel um seine Beziehung zu Epstein zu einer politischen Hypothek. Denn der Skandal spaltet auch seine politische Basis. Selbst führende Vertreter der Make America Great Again (MAGA)-Bewegung fordern nun die Veröffentlichung sämtlicher Dokumente und wollen genau wissen, wie es um die Rolle des Präsidenten bestellt war. Unter ihnen die Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene aus Georgia. Sie war bisher eine glühende Anhängerin des Präsidenten, fordert nun aber wie zahlreiche andere Republikaner Transparenz.
Republikaner kehren Trump zögerlich den Rücken
Dass Trump Probleme in den eigenen Reihen bekommt, zeigt sich auch an der Tatsache, dass es Demokraten im sogenannten Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses gelingen konnte, Epsteins Nachlassverwalter unter Druck zu setzen. Sie brauchten nämlich die Zustimmung einiger Republikaner, um für den einschlägigen Beschluss die notwendige Mehrheit zu erreichen.

Bisher war es Johnson, dem ranghöchsten Vertreter der Parlamentskammer, gelungen, einen Beschluss zu blockieren, der das Justizministerium zur Freigabe der gesamten Akte gezwungen hätte. Johnsons Begründung: Es wäre „verantwortungslos gegenüber den Epstein-Opfern“. Die Ironie darin: Dass zahlreiche der Opfer selbst auf den Stufen des US-Kapitols protestierten und die Veröffentlichung sämtlicher Dokumente forderten.
Demokraten verstärken Druck auf US-Präsidenten und Republikaner
Auch Demokraten drehen nun die politische Schraube an. „Der Aufsichtsausschuss hat das berüchtigte Geburtstagsbuch mit einem Brief von Präsident Trump sichergestellt, von dem er behauptet, dass es nicht existiert“, schrieb der demokratische Abgeordnete Robert Garcia. „Es ist höchste Zeit, dass der Präsident uns die Wahrheit sagt über alles, was er weiß, und er die gesamte Epstein Akte veröffentlicht“, fuhr Garcia fort.
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Die Opposition setzt offenkundig darauf, dass immer mehr Republikaner dem öffentlichen Druck nachgeben werden und Trump den Rücken kehren. Mit Blick auf die Kongresswahlen im November 2026 könnten einige von ihnen keine Alternative haben, als sich den Forderungen der Demokraten anzuschließen. Denn die republikanischen Mehrheiten in beiden Kongresskammern sind hauchdünn, und jeder verlorene Sitz könnte den Demokraten wieder die Mehrheit bescheren.








