Der Anschlag in Solingen, das Attentat vom Berliner Breitscheidplatz, die Messerattacke von Aschaffenburg, der Angriff auf einen Polizisten in Mannheim – es sind mehrere terroristische Angriffe oder Gewalttaten, die Deutschland seit 2015 erschüttert haben. Zugleich gilt: Weniger als ein Prozent der Ausländer in Deutschland begehen schwere Gewalttaten. Und: Geflüchtete selbst sind überproportional oft betroffen von Übergriffen.
Die Kriminologin Susann Prätor von der Polizeiakademie Niedersachsen sagt: „Es gibt schwere Gewalttaten durch Geflüchtete, es passieren einzelne Terroranschläge wie der in Solingen vor einem Jahr, begangen durch einen jungen Syrer. Das verschweigt niemand, diese Taten sind ein Risiko für die Sicherheit in Deutschland.“ Zugleich hebt Prätor hervor: „Wir dürfen die Debatte um Migration und Flucht nicht auf Kriminalität verengen.“
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Zehn Jahre ist es her, da sagte die damalige Kanzlerin Angela Merkel ihren berühmten Satz: „Wir schaffen das.“ Damals kamen in wenigen Monaten Hunderttausende Schutzsuchende vor allem aus Syrien, Irak und Afghanistan nach Deutschland. Was hat Deutschland in zehn Jahren tatsächlich geschafft? Und was nicht? In einer Serie in Gesprächen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehen wir den wichtigsten Fragen auf die Spur.
Zehn Jahre nach Merkels berühmten Satz „Wir schaffen das“ – ist Deutschland unsicherer geworden?
Susann Prätor: Das Land ist im Vergleich über die Jahrzehnte nicht unsicherer geworden. Im Gegenteil, vor etwa 20 Jahren lag die Kriminalität laut Polizeistatistik noch deutlich über den Deliktszahlen heute. Viele Jahre wurde Deutschland sicherer. Erst in den vergangenen Jahren, vor allem nach der Pandemie, hat sich das gewandelt. Vor allem die Zahl der Gewalttaten unter jungen Menschen steigt laut Polizei. Das zeigt sich bei Geflüchteten wie auch bei deutschen Jugendlichen. Zugleich sehen wir in Dunkelfeldstudien gegenläufige Trends, die jungen Menschen keine höhere Gewaltaffinität zuschreiben. Die Lage ist undurchsichtig. Wir müssen das weiter beobachten.

Und doch gibt es ein Gefühl vieler Menschen in Deutschland, dass einzelne Asylsuchende mit schweren Straftaten bis hin zu Terroranschlägen das Land verunsichern.
Prätor: Es gibt schwere Gewalttaten durch Geflüchtete, es passieren einzelne Terroranschläge wie der in Solingen vor einem Jahr, begangen durch einen jungen Syrer. Das verschweigt niemand, diese Taten sind ein Risiko für die Sicherheit in Deutschland. Zugleich dürfen wir die Debatte um Migration und Flucht nicht auf Kriminalität verengen. Weniger als ein Prozent der in Deutschland lebenden Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit begehen laut Polizeilicher Kriminalstatistik schwere Gewalttaten, weniger als drei Prozent bei den Jugendlichen. Und doch fokussieren sich politische und mediale Debatten stark auf das Phänomen des „kriminellen Ausländers“.
Sie sehen die Herausforderungen mit straffälligen Geflüchteten vor allem als verzerrte mediale und politische Debatte?
Prätor: Sicher nicht. Es gibt Faktoren, die tragen dazu bei, dass Menschen mit Fluchtgeschichte eher kriminelles Verhalten zeigen. Da ist häufig eine schwierige soziale Lage, fehlende Möglichkeiten zu arbeiten, kein gesichertes Einkommen und traumatische Erfahrungen während der Flucht. Zugleich leben viele in engen sozialen Räumen wie Asylunterkünften. Dort passieren viele der Straftaten – und nicht nur bei den Tätern, sondern auch bei den Opfern von Gewalt sind Geflüchtete überrepräsentiert. Hinzukommt, dass gerade Migranten aus Staaten als Täter auffallen, die einen unsicheren Asylstatus in Deutschland haben.

Wir sehen, dass Geflüchtete aus Tunesien und Algerien immer wieder mit Körperverletzungen oder Drogendelikten auffallen.
Prätor: Studien zeigen, dass Asylsuchende umso stärker kriminell werden, desto weniger sicher ihr Aufenthalt in Deutschland ist. Ein Mensch, der Asyl genießt oder Aussicht darauf hat, hat viel zu verlieren. Ein Mensch, der abgeschoben werden soll, nicht. Egal in welcher Phase des Asylverfahrens – die Integrationsbemühung kann ein Schutz für einen Menschen sein, nicht in die Kriminalität abzudriften. Der Staat muss helfen, dass Menschen Wohnungen finden, eine Arbeit aufnehmen können, ein soziales Umfeld finden.






