Es sind grauenhafte Bilder, die derzeit vom Süden Spaniens um die Welt gehen: Trümmerteile inmitten von weißen Leichensäcken liegen am Gleis, hunderte Retter suchen nach Überlebenden. Das tragische Zugunglück in der Region Toledo hat mindestens 64 Menschen das Leben gekostet. Es gibt Dutzende Verletzte und womöglich mindestens ebenso viele Angehörige, für die das Leben nach diesem Mittwoch ein anderes ist. Das Unglück weckt zudem Erinnerungen an schwere europäische Zugunglücke in der Vergangenheit – auch in Deutschland.

Erst im Januar ereignete sich, ebenfalls in Spanien, ein anderes schweres Zugunglück. In Adamuz in Andalusien war ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug entgleist und mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammengestoßen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.

Tragisches Zugunglück in Spanien: Die Zugkollision bei Toledo in Bildern

Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz.
Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz.© AFP | Oscar Del Pozo
Rettungskräfte inspizieren den Unfallort nach dem tragischen Zugunglück.
Rettungskräfte inspizieren den Unfallort nach dem tragischen Zugunglück.© AFP | Oscar Del Pozo
Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Zwei Schnellzüge kollidierten am Mittwochmorgen in der spanischen Region Toledo. Dutzende Menschen kamen ums Leben.© Juanma Jiménez/EUROPA PRESS/dpa | Juanma Jiménez
Einsatzkräfte des Zivilschutzes suchen in den Trümmern nach Überlebenden.
Einsatzkräfte des Zivilschutzes suchen in den Trümmern nach Überlebenden.© AFP | Handout
Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Polizisten stehen vor der Informationsanzeige am Bahnhof Santa Justa, auf dem die Unterbrechung des Zugverkehrs zwischen Madrid und Andalusien nach dem Zugunglück angezeigt wird.© Francisco J. Olmo/EUROPA PRESS/d | Francisco J. Olmo
Schweres Zugunglück in Spanien: Zusammenprall zweier Züge in der Provinz Toledo
Ein Überlebender wird von einer Rettungskraft betreut.© action press | Cordon Press
Aus der Luft sind die beiden Züge gut zu erkennen.
Aus der Luft sind die beiden Züge gut zu erkennen.© AFP | Handout
Schweres Zugunglück in Spanien: Zusammenprall zweier Züge in der Provinz Toledo
Waggons liegen nach dem Unglück neben der Strecke.© action press | Cordon Press
Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Blick auf einen der beiden Züge, der an einem Zusammenstoß beteiligt war.© Juanma Jiménez/EUROPA PRESS/dpa | Juanma Jiménez
Ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreute, sagte im Fernsehen: „Es ist wie in einem Horrorfilm.“
Ein Psychologe, der in Madrid Angehörige möglicher Opfer betreute, sagte im Fernsehen: „Es ist wie in einem Horrorfilm.“© AFP | Oscar Del Pozo
Schweres Zugunglück in Spanien: Zusammenprall zweier Züge in der Provinz Toledo
Trümmerteile eines entgleisten Schnellzuges liegen neben der Strecke.© action press | Cordon Press
NEWS -  - Another train accident: An Iryo and an AVE collide near Urda (Toledo)
Nahe Toledo ist ein Zug der staatlichen Renfe auf einen Zug des privaten Unternehmens Iryo aufgefahren.© IMAGO | Cordon Press/LiveMedia
Schweres Zugunglück in Spanien: Zusammenprall zweier Züge in der Provinz Toledo
Trümmerteile liegen nach dem Zugunglück am Streckenrand.© action press | Cordon Press
Zusammenstoß zweier Züge in Spanien
Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz. Zwei Züge stießen am Bahnhof der Stadt Urda in zusammen.© Juanma Jiménez/EUROPA PRESS/dpa | Juanma Jiménez

Zugunglück in Spanien weckt dunkle Erinnerungen in Griechenland

Das schwere Unglück erschütterte Spanien und löste eine Debatte über die Wartung der Infrastruktur aus. Kritik wurde auch an der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez laut. Mit rund 4000 Kilometern Strecke hat Spanien das zweitgrößte Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz der Welt nach China.

Auch bei den Menschen in Griechenland dürfte das Unglück von Toledo dunkle Erinnerungen wecken. In der Nacht zum 1. März 2023 stießen ein Personenzug, der in der Hauptstadt Athen gestartet war, frontal mit einem Güterzug zusammen. Dabei geriet der Speisewagen in Brand. Rund 350 Menschen waren an Bord, für 57 kam jede Hilfe zu spät. Der Zug war wegen einer falschen Weichenstellung auf ein Gleis geraten, auf dem ein Güterzug fuhr. Weil das elektrische Leitsystem nicht funktionierte, war ein Bahnhofsvorsteher für die korrekte Weiterleitung der Züge verantwortlich. Der Hauptprozess gegen 36 Angeklagte, darunter Bahnmitarbeiter, ist noch nicht abgeschlossen.

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Das Zugunglück von Eschede: Ein gebrochener Reifen als Ursache

Weil das komplette Bremssystem versagte, bezahlten 2006 in Montenegro 44 Menschen mit ihrem Tod. Am 23. Januar 2006 entgleiste ein Regionalzug circa zehn Kilometer nördlich der Hauptstadt Podgorica und stürzte einen Abhang hinunter. Der Zug beschleunigte wegen des technischen Versagens auf rund 139 km/h, obwohl auf der Strecke nur 60 km/h erlaubt waren.

Aus deutscher Sicht ging der 3. Juni 1998 als Tag des schwersten Zugunglücks in der Bundesrepublik in die Geschichte ein. Auf der Bahnstrecke von Hannover nach Hamburg entgleiste ein ICE wegen eines gebrochenen Reifens. Der Zug prallte gegen eine Brücke und riss 101 Menschen in den Tod, fast ebenso viele wurden zudem verletzt, 70 davon schwer.

Kroatien im August 1974: Schnellzug entgleist bei Einfahrt in Bahnhof

Das Zugunglück von Eschede ereignete sich auch wegen der Verkettung zahlreicher tragischer Umstände. So durchschlug der Reifen den Boden des Wagens, woraufhin sich ein Radlenker in der Weiche verfing und die übrigen Waggons entgleisten. Vier Jahre nach dem Zugunglück begann in Celle der Prozess gegen zwei Ingenieure und einen Abteilungsleiter. Ihnen wurde vorgeworfen, die Radreifen nicht ausreichend kontrolliert zu haben. 2003 wurde der Prozess eingestellt und die Angeklagten freigesprochen, weil keine Schuld festgestellt werden konnte.

Im August 1974 erschütterte Kroatien das schwerste Zugunglück im damaligen Jugoslawien. Ein Schnellzug auf dem Weg von Belgrad nach Dortmund entgleiste bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof von Zagreb, weil er mehr als 50 km/h zu schnell fuhr. Der Lokführer wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er und sein Assistent waren mehr als 40 Stunden im Dienst und fielen in einen Sekundenschlaf – mit fatalen Folgen.