Über drei Jahre ist es her, dass das Tauchboot „Titan“ am 18. Juni 2023 im Nordatlantik implodierte. Die fünf Insassen wollten eigentlich darin zum Wrack der legendären „Titanic“ hinabtauchen, in eine Tiefe von etwa 3800 Metern. Unter den Opfern waren auch der britische Unternehmensberater Shahzada Dawood (48) und sein 19-jähriger Sohn Suleman. Ehefrau und Mutter Christine Dawood sprach nun mit dem Sender CNN darüber, wie sie die Zeit der Ungewissheit wahrgenommen hat und in welchem Zustand die Überreste ihrer Angehörigen an sie übergeben wurden.
Dawood wurde im bayerischen Rosenheim geboren, lebt aber seit mehr als einem Jahrzehnt in England. In ihrem Buch „Ninety-Six Hours: A Wife and Mother’s Desperate Search for the Lost Titan Sub“, erschienen im Mai, beschreibt sie nicht nur die Tage der Tragödie, sondern erzählt auch von ihrem Familienleben und wie sie ihren Mann Shahzada kennenlernte.
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Eigentlich wollte Dawood im Sommer 2023 gemeinsam mit ihrem Mann zum Schiffswrack der „Titanic“ tauchen, gab ihren Platz dann aber ihrem Sohn Suleman. Dawood blieb mit ihrer Tochter auf dem Mutterschiff „Polar Prince“ zurück. Bevor die „Titan“ abtauchte, habe sie ihrem Mann noch einen Luftkuss zugeworfen.
Die 1912 gesunkene „Titanic“ liegt in rund 3800 Meter Tiefe. Mit an Bord der „Titan“ waren der französische Wissenschaftler Paul-Henri Nargeolet (77), der britische Abenteurer Hamish Harding (58) sowie der Chef der Betreiberfirma Oceangate, Stockton Rush (61), der das Boot steuerte.

Etwa eine Stunde und 45 Minuten nach Beginn des Tauchgangs brach der Kontakt zwischen der „Titan“ und der „Polar Prince“ ab. Das Tauchboot galt tagelang als verschollen. Zunächst stand die begrenzte Sauerstoffversorgung als lebensbedrohliches Problem im Vordergrund. Mitarbeiter von Oceangate hätten Dawood zu dem Zeitpunkt versichert, ein Kontaktabbruch sei normal. Anfangs habe sie nicht daran gedacht, dass Shahzada und Suleman tot sein könnten.
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Erst vier Tage nach dem Unglück entdeckte ein Tauchroboter Trümmerteile im Wasser. Die US-Küstenwache hatte mit Hilfe vor allem kanadischer Kräfte rund 700 Kilometer südlich von Neufundland eine groß angelegte Suche nach der „Titan“ gestartet. Ab da war es traurige Gewissheit: Das Tauchboot war implodiert. Alle fünf Insassen kamen dabei ums Leben.
Experten zufolge sei der Druck in einer derartigen Tiefe so massiv, dass die „Titan“ wahrscheinlich im Bruchteil einer Millisekunde kollabiert ist. Nicht genug Zeit für ein menschliches Gehirn, um das Geschehen zu realisieren. „Das ist die beste Variante des Schlimmsten, was passieren konnte“, sagt Dawood.
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Dawood wollte die Überreste ihrer Familie zurück nach England überführen. Damit begann für sie ein „bürokratischer Albtraum“. Erst im Oktober 2023 konnten die letzten Wrackteile und Überreste geborgen und zur Untersuchung nach Kanada gebracht werden. Insgesamt neun Monate dauerte es, bis sie die Leichname von Ehemann und Sohn nach England überführen konnte. Denn die Witwe wollte sicherstellen, dass es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste von Shahzada und Suleman handelte. Alles, was ankam, sei „ein Schuhkarton voll Matsch“ gewesen.
Neue Untersuchungen zeigen: Unglück wäre wohl vermeidbar gewesen
Untersuchungen von US-Küstenwache und der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB kommen zu dem Schluss, dass das Unglück vermutlich vermeidbar gewesen wäre. Die Behörden stellten gravierende Mängel bei Konstruktion, Prüfung und Betrieb des Tauchboots fest. Auch die Sicherheitskultur des Unternehmens wurde kritisiert: Warnungen seien nicht ausreichend beachtet und Risiken nicht konsequent kontrolliert worden.
Im Juni 2026 legte die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde TSB einen 135 Seiten langen Bericht vor. Den Ausführungen zufolge wurden Design und Konstruktion des Bootes nicht ausreichend getestet. Die Behörde fordert nun eine bessere internationale Regulierung und Überwachung solcher Tauchboote. In Kanada und weltweit gebe es keine ausreichende Zusammenarbeit.
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Klage gegen Oceangate: Was die Familie Nargeolets fordert
Christine Dawood spricht mittlerweile offen über ihre Trauer, ihre Panikattacken und ihr mentales Trauma. Einige Monate nach dem Unglück ließ sie sich in eine Spezialklinik für Psychosomatik in Deutschland einweisen. Zwei Monate sei sie dort geblieben. Ihre Erfahrungen hätten sie dazu motiviert, ein ähnliches Zentrum in Großbritannien zu gründen – das erste dieser Art im Land. Anfang 2028 soll es eröffnet werden.
Die Familie des „Titanic“-Forschers Paul-Henri Nargeolet reichte 2024 Klage gegen den „Titan“-Betreiber Oceangate ein. Laut „New York Post“ klagen die Angehörigen auf 50 Millionen Dollar Schmerzensgeld und werfen dem Unternehmen grobe Fahrlässigkeit vor. Auch Dawood sei gefragt worden, sich der Klage anzuschließen, entschied sich aber dagegen. „Ich möchte mich nicht von meiner Wut überwältigen lassen“, sagt sie gegenüber CNN. „Ich möchte mir ihre Fotos ansehen und dabei lächeln können.“ Von Oceangate habe sie bis heute übrigens nichts gehört – nicht mal eine Beileidsbekundung.















