Früher entschied vor allem der Wetterbericht darüber, ob die Skier angeschnallt werden konnten. Heute geht es für viele Wintersportorte um eine viel grundlegendere Frage: Wie lange lässt sich Skifahren in Zeiten des Klimawandels noch wirtschaftlich betreiben? In Norditalien beginnt die Wintersaison 2026/27 mit steigenden Kosten, unsicheren Schneeverhältnissen und einem Wettlauf um neue Gäste. Während große Skiverbünde weiter Milliarden in Lifte, Pisten und Beschneiung investieren, sind andernorts viele Anlagen längst stillgelegt.

Besonders deutlich zeigt sich der Kostendruck bei den Skipässen. Dolomiti Superski, der Zusammenschluss von zwölf Skigebieten in den Dolomiten, darunter Cortina d’Ampezzo, Kronplatz und Marmolada, hat seine Preise für die Saison 2026/27 angehoben. Begründet wird die Anpassung mit der Inflation und gestiegenen Kosten für Energie, Rohstoffe, Dienstleistungen sowie die Wartung der Infrastruktur. „Die Tarifanpassung berücksichtigt die Inflationsentwicklung und zentrale Kostenfaktoren der Seilbahngesellschaften“, sagt Präsident Andy Varallo. Vor allem die Energiepreise seien für den energieintensiven Seilbahnsektor weiterhin von großer Bedeutung.

Experten: Skigebiete in 1000 und 1500 Metern Höhe besonders gefährdet

Trotz der höheren Preise setzt Dolomiti Superski seine Investitionen fort. Neue Aufstiegsanlagen, Pisten und Verbindungen sollen entstehen, hinzu kommen weitere Investitionen in Beschneiung und Infrastruktur. Auch beim Ticketangebot gibt es Neuerungen: Die Dolomiti Superski Family Card kann erstmals online erworben werden. Doch hinter den Investitionen steht ein wachsendes Problem: Der natürliche Schnee wird unzuverlässiger. Besonders Skigebiete in niedrigeren Lagen bekommen die Folgen zu spüren. Wo der Schnee ausbleibt, müssen Beschneiungsanlagen einspringen. Das bedeutet zusätzliche Ausgaben für Energie, Wasser und technische Anlagen.

Experten rechnen damit, dass Skigebiete in Höhenlagen zwischen etwa 1000 und 1500 Metern langfristig teilweise ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren könnten. Für die Betreiber wird damit die Rechnung schwieriger: Sie müssen immer mehr investieren, um den Skibetrieb sicherzustellen, während gleichzeitig die natürlichen Voraussetzungen unsicherer werden.

Mit einem anderen Ansatz experimentiert das Südtiroler Skigebiet Reinswald. Dort wurde erstmals ein dynamisches Preissystem eingeführt. Der Preis einer Tageskarte wird abhängig von Angebot und Nachfrage innerhalb einer festgelegten Spanne berechnet. Zwischen 37,50 und 54 Euro kostet die Tageskarte. Ein Algorithmus berücksichtigt dabei unter anderem Daten aus den vergangenen sieben Skisaisons.

Auch hier gibt es finanzielle Probleme

Urlaub in Norditalien: Skigebiete lösen sich auf

Der neue Präsident der Betreibergesellschaft, Julian Thaler, berichtet von einer ermutigenden Zwischenbilanz. Der Online-Verkauf werde sowohl von Einheimischen als auch von Urlaubern gut angenommen. Touristen kauften online teilweise sogar mehr als an der Tageskasse. Einige würden ihren Aufenthalt spontan um einen halben Skitag verlängern. Einheimische wiederum beobachteten vor allem die Wetterentwicklung. Sei die Prognose gut und der Preis attraktiv, werde häufig erst am Vorabend gebucht. Nach Angaben Thalers hat das Modell zudem neue Gäste aus anderen Regionen angelockt.

Wie groß der Anpassungsdruck inzwischen ist, zeigt der aktuelle Bericht „Nevediversa 2026“ der Umweltorganisation Legambiente. Demnach gibt es in den italienischen Alpen und im Apennin inzwischen 273 aufgegebene Skilifte und Skianlagen. Hinzu kommen 247 aufgegebene oder nur noch teilweise genutzte Gebäude – darunter Hotels, Ferienanlagen, touristische Unterkünfte sowie ehemalige militärische und industrielle Einrichtungen.

Besonders betroffen ist die nord-westliche Region Piemont mit 76 aufgegebenen Skianlagen, gefolgt von der Lombardei mit 51. Legambiente zählt zudem 231 Anlagen, die nach Einschätzung der Organisation nur dank finanzieller Unterstützung weiterbetrieben werden können. Parallel dazu wächst die Infrastruktur für künstlichen Schnee. Italienweit wurden in der vergangenen Wintersaison 169 Speicherbecken für die Beschneiung erfasst. Ein großer Teil davon liegt in Trentino-Südtirol, der Lombardei und im Piemont.

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Damit gerät die Branche in einen schwierigen Kreislauf: Weniger Naturschnee bedeutet mehr künstliche Beschneiung. Mehr Beschneiung bedeutet höhere Kosten und einen größeren Bedarf an Energie und Wasser. Und je niedriger ein Skigebiet liegt, desto schwieriger wird die langfristige Planung.

Viele Betreiber versuchen deshalb, sich vom klassischen Wintersport unabhängiger zu machen. Legambiente hat erstmals 28 sogenannte „Luna Parks der Berge“ erfasst. Dazu zählen unter anderem Tubingbahnen, Sommerrodelbahnen und andere Freizeitangebote, die in Skigebiete integriert werden. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn der Schnee nicht mehr zuverlässig kommt, sollen andere Attraktionen Gäste in die Berge locken. Die Umweltorganisation sieht diese Entwicklung allerdings kritisch und warnt vor einer zunehmenden künstlichen Umgestaltung der Berglandschaft. Der Kampf um den Schnee ist damit auch ein Kampf um die Zukunft der Bergregionen.