Eigentlich wäre unser Familienurlaub am Samstag vorbei gewesen. Ich hätte längst wieder in Berlin sein und an meinem Schreibtisch in der Redaktion sitzen müssen. Stattdessen sind wir immer noch auf Sizilien – und kommen hier erst mal auch nicht weg. Der Grund dafür ist der Ätna: Der aktivste Vulkan Europas ist am Samstag, 26. September, ausgebrochen und hat mit seinen Aschewolken den Flugverkehr auf der Insel lahmgelegt. Seitdem ist der Flughafen von Catania komplett gesperrt. Zehntausende Passagiere sitzen nun, so wie wir, auf Sizilien fest.
Dabei sah am Samstag zunächst alles nach einem ganz normalen Abreisetag aus. Wir hatten unsere Unterkunft bereits verlassen, die Koffer waren gepackt, unser Taxi zum Flughafen wartete unten auf der Straße. Wir wollten nur noch zum Flughafen fahren und nach Berlin fliegen.
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Vulkanausbruch in Italien: Asche in der Luft gefährdet Flüge
Dann kam plötzlich die Nachricht: Der Flughafen wird gesperrt, unser Flug nach Berlin annulliert. Denn aus dem Nordostkrater des Vulkans tritt kontinuierlich Asche aus. Über dem Ätna bildete sich eine graubraune Wolke, die mehrere Kilometer in den Himmel reicht und vom Wind weit nach Süden und Südosten getragen wird. Für den Flugverkehr ist diese Vulkanasche besonders gefährlich. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) kann sie in die Turbinen von Flugzeugen geraten, dort schmelzen und die Triebwerke zerstören.
Dass der Flughafen geschlossen wird, ist angesichts der Vulkanasche in der Luft natürlich richtig und notwendig. Das Chaos, das die Sperrungen für die Passagiere bedeuten, ist trotzdem nervenaufreibend, vor allem, wenn man wie wir mit einem Kleinkind unterwegs ist. Denn Informationen bekommt man derzeit nur schwer. Die Airlines verweisen auf ihre Apps und bitten die Passagiere, Umbuchungen und weitere Schritte dort selbst zu regeln. Das funktioniert zwar grundsätzlich – nur hilft es wenig, wenn kaum noch freie Plätze verfügbar sind. Es gibt zwar noch einen anderen Flughafen auf Sizilien, in Palermo, doch dort ist der Betrieb total überlastet. Die meisten Flüge nach Deutschland sind längst ausgebucht. Man klickt sich durch die verfügbaren Verbindungen und findet immer wieder dasselbe: keine Plätze, keine Alternative, kein Weiterkommen.

Wir haben natürlich auch andere Möglichkeiten in Betracht gezogen, Sizilien zu verlassen. Eine Zeit lang haben wir überlegt, aufs italienische Festland zu fahren und von dort aus irgendwie weiterzukommen. Doch auch die Fähren, die Sizilien mit dem italienischen Festland verbinden, sind ausgebucht. Und selbst wenn wir eine Überfahrt bekommen hätten, wäre die Reise damit noch lange nicht vorbei. Denn der nächste Flughafen mit einer Verbindung nach Deutschland wäre Bari in Apulien. Von Sizilien aus wären das mit dem Auto fast zehn Stunden Fahrt. Und der nächste passende Flug nach Deutschland hätte dort erst am Donnerstag gestartet. Mit einem Kleinkind eine solche Odyssee auf sich zu nehmen, erschien uns schlicht utopisch.
Und auch finanziell ist die Situation kompliziert. Weil der Grund für die Flugausfälle ein Vulkanausbruch und damit höhere Gewalt ist, besteht nicht automatisch ein Anspruch auf eine pauschale Entschädigung wegen der Annullierung. Zum Glück haben wir Freunde auf Sizilien. Wir dürfen in ihrer Wohnung in Giardini-Naxos bleiben, rund 50 Kilometer von Catania entfernt. Für uns ist das ein großes Glück. Denn viele Hotels in und rund um Catania sind inzwischen ausgebucht. Die wenigen Unterkünfte, die noch verfügbar sind, sind teuer und verlangen teilweise rund 200 Euro pro Nacht.
Ätna spuckt immer noch Asche: Sizilien-Urlauber sind frustriert
In der Nacht auf Dienstag gab es plötzlich Hoffnung: Der Flughafen sollte wieder öffnen und den regulären Betrieb aufnehmen. Doch die Freude währte nicht lange. Nur wenige Stunden später musste der Flughafen erneut geschlossen werden. Während der Nacht hatten sich die Bedingungen wieder verschlechtert, am Dienstagmorgen wurde deshalb eine weitere Sperrung notwendig. Die Lage soll in den kommenden Stunden erneut bewertet werden. Doch selbst wenn der Flughafen am Dienstag oder Mittwoch öffnet, bleibt die Lage chaotisch, denn es gibt zu wenige Flüge für zu viele Passagiere.
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Von unserem Balkon in Giardini-Naxos können wir den Grund für unsere unfreiwillige Urlaubsverlängerung sogar beobachten. Der Ätna am Horizont spuckt immer wieder Asche aus. Graue Wolken ziehen über den Himmel. Es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel – solange man nicht gerade versucht, von der Insel herunterzukommen. Denn die Stimmung unter den Urlaubern, die wir hier treffen, ist gekippt. Viele sind frustriert, erschöpft und wissen nicht, wie sie nach Hause kommen sollen. Wer einen annullierten Flug umbuchen muss, findet kaum Alternativen.
Gestern Abend hatten wir schließlich Glück und konnten noch drei Plätze im Flugzeug ergattern. Doch wir müssen noch tagelang hier ausharren. Denn der nächste verfügbare Flug geht erst am Freitag – von Palermo aus. Bis dahin bleiben uns vor allem zwei Dinge: Geduld und Hoffnung. Denn nach drei annullierten Flügen hoffe ich vor allem, dass es diesmal tatsächlich klappt. Dass der Ätna Ruhe gibt, die Aschewolke sich verzieht und wir am Freitag endlich in ein Flugzeug zurück nach Hause steigen können.






