- Die Dolomiten zählen zu den beliebtesten Urlaubsregionen in Italien
- Der Ansturm von Touristen bereitet den Betreibern von Berghütten ernste Probleme
- Viele Hütten erwägen, weniger Reservierungen anzunehmen
- Wassermangel könnte sogar zur Schließung von Berghütten führen
Volle Berghütten, überfüllte Wege und Wasser, das knapp wird: Der Touristenboom in den Dolomiten hat seine Schattenseiten und wird für die Betreiber der Berghütten zunehmend zur Belastungsprobe. „Wir haben nicht die Ressourcen, um so viele Gäste zu bewältigen“, sagte Francesco Abbruscato, Präsident des italienischen Alpenvereins CAI in Venetien. Die Saison sei für viele Hüttenwirte außergewöhnlich anstrengend gewesen. Einige erwägen bereits, künftig weniger Reservierungen anzunehmen.
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Wegen Wassermangels: Berghütten müssen eventuell schließen
Besonders angespannt ist die Lage bei der Wasserversorgung. Während in den vergangenen Jahren Schneefälle im Winter und ausreichende Niederschläge im Frühjahr und Sommer meist für genügend Reserven sorgten, fielen beide Faktoren in diesem Sommer schwächer aus. Gleichzeitig stieg der Verbrauch durch die hohe Zahl an Besuchern. In einzelnen Fällen wurde Wasser sogar per Hubschrauber herangeschafft.

Für manche Betreiber habe zeitweise die Gefahr bestanden, den Hüttenbetrieb einstellen zu müssen. „Wir haben mit der ständigen Sorge gearbeitet, wegen Wassermangels schließen zu müssen. Ohne Wasser kann eine Schutzhütte nicht geöffnet bleiben“, so Abbruscato in den sozialen Netzwerken. Schutzhütten sind traditionell wichtige Anlaufstellen für Wanderer und Bergsteiger. Die Betreiber kennen die Wege, Felswände und örtlichen Bedingungen und können Gästen Hinweise zur Sicherheit geben.
Vulkanausbruch in Italien
Die CAI-Sektionen in Venetien besitzen rund 30 Schutzhütten in der Provinz Belluno. Doch mit dem wachsenden Besucherandrang steigt auch die Belastung für die Hüttenwirte. Eine voll belegte Hütte sei zwar erfreulich und wirtschaftlich wichtig. „Aber alles hat seine Grenze“, betont Abbruscato.
Tödlicher Unfall am Berg: Foto-Jagd kann fatale Folgen haben
Neben dem Wassermangel sorgt auch das Verhalten der Gäste für Probleme. Am 3220 Meter hohen Civetta-Berg kam zuletzt ein 43 Jahre alter tschechischer Fotograf ums Leben, der nachts rund 160 Meter in die Tiefe stürzte. Der Mann hatte mit Freunden in der nahe gelegenen Schutzhütte Coldai übernachtet und war beim Versuch, ein Foto zu schießen, abgestürzt.
Italien
Die genauen Umstände des Unglücks sind noch nicht abschließend geklärt. „Die Berge sind eine unwirtliche Umgebung, in der man sich auskennen muss. Die Jagd nach möglichst spektakulären Bildern verleitet oft zu riskantem Verhalten“, warnt Abbruscato. Gerade bei Dunkelheit verändere sich die Wahrnehmung der Umgebung erheblich und die Gefahr von Fehltritten steige.
Urlaubsregion Dolomiten: An Lösungen wird gefeilt
Der Alpenverein CAI will die Entwicklung nun gemeinsam mit der Region Venetien und der Dolomitenprovinz Belluno genauer analysieren. Geplant sind Gespräche über Strategien für die kommenden Jahre. Nach Einschätzung des Alpenvereins dürfte die hohe Nachfrage nach Bergurlauben nicht kurzfristig nachlassen. Auch im September sind die Dolomiten bei sonnigem Wetter und milden Temperaturen stark besucht. Vor allem viele Gäste über 60 Jahre, die über mehr Zeit für längere Aufenthalte in den Bergen verfügen, suchen im September die Dolomiten auf.
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Außerhalb der Hauptsaison entstehen weiterhin Kosten für Personal, Versorgung und Instandhaltung, während an manchen Wochentagen nur wenige Gäste kommen. Für die Hüttenbetreiber stellt sich damit eine grundlegende Frage: wie viel Tourismus die Dolomiten verkraften können, ohne dass die alpine Infrastruktur an ihre Grenzen stößt. Laut Abbruscato ist dies eine Frage, mit der sich nicht nur Berghüttenbetreiber, sondern auch die Behörden und die Lokalpolitik aktiv beschäftigen müssen.
Hinweis der Redaktion: In einer ursprünglichen Variante des Textes stand, dass sich die Hütten in Südtirol befinden. Wir haben den Fehler korrigiert.


