Blattgold, das im Sonnenlicht schimmert, Materialien aus 1000 Jahren britischer Geschichte, sechs Windsor-Grey-Pferde, die eine Kutsche durch die Straßen Londons ziehen, und mittendrin ein bescheidener Handwerker aus einem Vorort von Sydney: Jim Frecklington. Der australische Kutschenbauer, der als Letzter seines Fachs weltweit galt, hat sein Lebenswerk nicht mehr vollenden können. Er starb am 11. September im Alter von 76 Jahren nach einer langen Krebserkrankung in einer Pflegeeinrichtung im Sydneyer Strandvorort Manly.

Sein letztes Projekt, die für König Charles III. bestimmte Commonwealth Royal Coach, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt – sie wird nun aber von seinem Team vollendet. Fast fünf Jahrzehnte lang widmete sich Frecklington einem Handwerk, das in Großbritannien selbst praktisch ausgestorben war: dem Bau repräsentativer Pferdekutschen für das britische Königshaus. Insgesamt drei solcher Prunkkutschen hat er im Laufe seines Lebens gefertigt – in einer Werkstatt nördlich von Sydney, Tausende Kilometer von London entfernt.

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Vom Shetlandpony zum Königshaus: Frecklingtons ungewöhnlicher Weg

Seine Leidenschaft für Kutschen entdeckte Frecklington bereits als Achtjähriger, als sich sein Shetlandpony partout nicht reiten lassen wollte. Statt aufzugeben, baute er kurzerhand einen kleinen Wagen, den das Pony ziehen konnte. Nach der Schulzeit am renommierten Scots College in Sydney zog es ihn zunächst in die Arktis, wo er beim Bau von Landebahnen schwere Maschinen bediente.

1972 wechselte er nach England, arbeitete zunächst auf Schloss Windsor für den Herzog von Edinburgh und später für die königlichen Ställe, die Royal Mews, in London. Dort betreute er die Zeremonienpferde von Königin Elizabeth II. und ritt nach Aussagen von Freunden gelegentlich sogar an der Seite der Monarchin selbst.

Kutsche King Charles
Historische Elemente zieren die außergewöhnliche Kutsche für das britische Königshaus.© The Office of the Official Secretary to the Governor-General of the Commonwealth of Australia | The Office of the Official Secretary to the Governor-General of the Commonwealth of Australia

1977 leitete er im Rahmen des Silberjubiläums der Königin während deren Australienreise eine Ausstellung, die durchs Land tourte. Der große öffentliche Zuspruch brachte ihn auf eine Idee: Mit niemandem mehr, der noch royale Kutschen herstellte, drohte ein Stück Handwerkskunst verloren zu gehen. Er wandte sich an den Buckingham Palace und erhielt grünes Licht, selbst solche Kutschen herzustellen.

Historische Fragmente: Frecklington baut Zeitkapseln auf Rädern

1988 vollendete Frecklington die Australian State Coach als Geschenk Australiens an Elizabeth II. 2006 folgte die Diamond Jubilee State Coach, die 2023 bei der Krönung von König Charles III. zum Einsatz kam. Die Kutschen sind aufwendige Konstruktionen: Sie sind mehr als drei Tonnen schwer und mit hydraulischer Federung, Heizung und Klimaanlage ausgestattet. Zugleich betrachtete Frecklington sie als eine Art Zeitkapsel britischer Geschichte.

In ihre goldverzierten Karosserien ließ er mehr als hundert historische Fragmente einarbeiten: Holz aus der Westminster Abbey, Planken der HMS Victory von Admiral Nelson, eine Musketenkugel von Waterloo, einen Splitter von Isaac Newtons Apfelbaum sowie ein Stück Stoff aus dem Kleid der berühmten britischen Krankenschwester Florence Nightingale.

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Das notwendige Material bezog Frecklington über Jahrzehnte von einem lokalen Zulieferer: dem Sydneyer Unternehmen Edcon Steel. Ursprünglich habe er dort nach speziellen Schrauben und Muttern sowie größeren Mengen Stahl für das Fahrgestell seiner Kutschen gesucht, berichtete er dem Unternehmen. Angesichts der Qualität und Auswahl sei die Firma über all die Jahre sein einziger Lieferant geblieben. Die Kutschen begriff er dabei als „mobile Kunstwerke“. Anders als Gemälde oder Skulpturen im Museum würden sie benutzt, weswegen erstklassige Handwerkskunst ausgesprochen wichtig sei.

Herzstück bleibt unvollendet: Weggefährte will Kutsche fertigstellen

Sein letztes Projekt, die Commonwealth Royal Coach, finanzierte Frecklington unter anderem über eine erneute Hypothek auf sein eigenes Haus. Trotz seiner Krebsdiagnose hoffte der Handwerker bis zuletzt, sie noch persönlich fertigstellen zu können. Gegenüber dem australischen Sender ABC hatte er die Kutsche einst als künftiges „nationales Wahrzeichen Großbritanniens“ beschrieben.

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Sein langjähriger Weggefährte Owen Webb, Karosseriemaler und an allen drei Kutschenprojekten beteiligt, will die Arbeit nun in Frecklingtons Sinne abschließen. Laut ABC sagte Webb, sein Freund sei in dem Wissen gestorben, dass das Projekt „in guten Händen“ sei und vollendet werde. Weggefährten beschreiben Frecklington als Perfektionisten, der nie Baupläne zeichnete, sondern jedes Detail im Kopf hatte und an sein Team weitergab. Die konservative Organisation Australians for Constitutional Monarchy würdigte ihn mit den Worten, nur wenigen Handwerkern gelinge es, „den Prunk einer gesamten Monarchie zu prägen“.

Die Generalgouverneurin von Australien, Sam Mostyn, schrieb, Australien habe „einen außergewöhnlichen Kunsthandwerker verloren, dessen Werk eine dauerhafte Verbindung zwischen Australien und der Krone schuf“. Durch sein handwerkliches Können, sein Engagement und seine Vision habe er dazu beigetragen, traditionelle Fertigkeiten zu bewahren und zugleich bleibende Symbole von königlicher und nationaler Bedeutung zu schaffen.