Es war ein Tag der Andacht, der Emotionen und der liebevollen Erinnerungen an ein großes Leben: Angeführt vom neuen König Haakon VIII. und begleitet von hochrangigen internationalen Gästen wie dem britischen Thronfolger Prinz William und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat das Königreich Norwegen Abschied von seinem langjährigen Staatsoberhaupt König Harald V. genommen.
Nach einem Trauerzug im Schritttempo traf Harald am Mittwochnachmittag an seiner letzten Ruhestätte in der Schlosskirche der Festung Akershus ein. Im königlichen Mausoleum sollte Harald kurz darauf beigesetzt werden. Die eigentliche Beisetzung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – in einer privaten Zeremonie für die Königsfamilie sowie royale Gäste und andere staatliche Würdenträger.

Haralds Beerdigung: Rund 53.000 Menschen an den Straßen
Nach Angaben der Nachrichtenagentur NTB standen zuvor rund 53.000 Menschen an den Straßen, als der Sarg mit dem Monarchen in den Mittagsstunden zunächst vom Königsschloss zu einem Trauergottesdienst im Dom der norwegischen Hauptstadt gefahren wurde. Bei der Prozession folgten hinter der norwegischen Königsfamilie einige der höchsten Vertreter anderer Monarchien sowie mehrere Staats- und Regierungschefs, darunter Steinmeier und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Abschied von König Harald V.: Die Bilder der Beerdigung in Oslo
Immer wieder wurde es ganz still im Dom. Die dezenten Worte, die dann folgten, über Liebe und Dankbarkeit, gingen direkt ans Herz. Auch Mette-Marit, die neue Königin, kämpfte mit den Tränen. Als die Gefühle zu stark zu werden schienen, senkte sie den Kopf und der übergroße Hut bedeckte ihr Gesicht. Lange war sie öffentlich nicht gesichtet worden. Noch am Tag des Amtsseids, am 1. September, war sie zu krank, um ihren Ehemann, König Haakon, an diesem historischen Tag zu begleiten.

Trauer um König Harald: Norweger erweisen ihm letzte Ehre
Bis zum Tag der Trauerfeier von Harald war noch nicht wirklich klar, ob sie nach der Lungentransplantation im Juni nun wirklich stark genug ist, um an der Zeremonie teilzunehmen. Zwar konnte sie nicht an der Prozession der Familie teilnehmen, die den Sarg vom Schloss zum Dom begleitete. Sie fuhr zusammen mit Königin Sonja in der Limousine. Auf dem Weg vom Wagen in den Dom fing die Kamera die neue Königin ein, der man nicht ansah, dass sie so eine schwere Operation hinter sich hat.
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Bevor der Sarg im Dom von Oslo ankam, wurde er auf einer sogenannten Artillerielafette, einem fahrbaren Gestell des Militärs, durch die Innenstadt gezogen. Zahlreiche Soldaten in Gardeuniformen begleiteten den Zug, zu Fuß und zu Pferde. Die rund 1,2 Kilometer lange Strecke zum Dom war von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern gesäumt.
Direkt hinter dem Sarg gingen Haralds Sohn und Nachfolger, König Haakon VIII., sowie dessen Kinder Kronprinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus. Auch Prinzessin Märtha Louise schritt mit der Familie hinter dem Sarg ihres Vaters. Ebenso durfte Haralds 29-jähriger Stiefenkel Marius Borg Høiby trotz seiner aktuellen Untersuchungshaft mit Fußfessel auf Gut Skaugum an der Beisetzung teilnehmen. Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung war wegen Vergewaltigung verurteilt worden, bekam jedoch die Erlaubnis, an der Trauerfeier teilzunehmen.

„Man sieht, wie sehr die Leute ihn gemocht haben“
Wie eng die norwegische Bevölkerung ihrem verstorbenen König verbunden war, erlebte auch eine deutsche Touristin in Oslo. Julia Knoll aus Kleve am Niederrhein war eigentlich gemeinsam mit ihrer Familie auf einer Skandinavienreise unterwegs. Nach Haralds Tod entschied sich die 38-Jährige für einen Zwischenstopp in Oslo.

„Man sieht einfach, wie sehr die Leute ihn gemocht haben, geschätzt haben, und wie greifbar die ganze Monarchie einfach ist“, sagte Knoll der Deutschen Presse-Agentur. Sie bezeichnet sich selbst als kleinen Adelsfan. Überall in der Stadt habe sie Zeichen der Trauer gesehen: Fotos des Königs, Blumen und von Kindern gemalte Bilder. „Das ist einfach total aufregend“, berichtete die Touristin.
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Harald V. wird im Mausoleum beigesetzt
Harald V. war am 28. August im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hatte Norwegen seit 1991 regiert und war zuletzt der dienstälteste Monarch Europas. In den vergangenen Jahren hatte er immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Mit seinem Tod ging der Thron automatisch auf seinen Sohn Haakon über. Der 53-Jährige legte wenige Tage später im norwegischen Parlament den Eid auf die Verfassung ab und ist seither König von Norwegen.
mit dpa




















