Ein 16 Jahre altes Mädchen aus den Northern Beaches von Sydney ist gestorben, weil es während eines mutmaßlich einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs bewusstlos wurde und durch den Sauerstoffmangel einen Krampfanfall erlitt. Die Polizei im Bundesstaat New South Wales ermittelt. Der Fall hat eine Diskussion neu belebt, die seit Jahren schwelt: Wie gefährlich ist Würgen beim Sex wirklich? Und warum halten so viele junge Menschen es für eine risikolose Praktik?

Eine 2024 veröffentlichte Studie zeigt, wie weitverbreitet sie ist: Von etwa 4700 Australierinnen und Australiern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren gaben 57 Prozent an, selbst schon beim Sex gewürgt worden zu sein. 51 Prozent haben einen Partner gewürgt. Bei Frauen lag die Quote der Betroffenen bei 61 Prozent, bei trans und nonbinären jungen Menschen sogar bei 79 Prozent.

Ähnliche Ergebnisse erhob auch die US-amerikanische Forscherin Debby Herbenick von der Indiana University, die das Thema „sexuelles Würgen“ schon seit gut zehn Jahren untersucht: Bei Menschen zwischen 18 und 39 Jahren hat demnach mehr als ein Drittel schon einmal beim Sex gewürgt oder war selbst Opfer davon geworden. Vielen ist die Gefahr dabei ganz offensichtlich nicht bewusst: „Ich glaube nicht, dass viele junge Menschen wissen, wie gefährlich es ist“, sagte Heather Douglas dem „Guardian“.

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Ärzte und Experten aus dem Gesundheitswesen warnen davor, dass bereits das Zudrücken der Kehle ausreichen kann, um Bewusstlosigkeit, Hirnverletzungen oder sogar den Tod zu verursachen – manchmal erst Tage oder Wochen später. Der Dachverband für Frauengesundheit, Women‘s Health NSW, meldet, dass seit dem Start eines Informationsprogramms 2023 die Zahl der Frauen, die sich wegen des Verdachts auf Hirnschäden durch Strangulation behandeln lassen, um 123 Prozent gestiegen ist.

Die Geschäftsführerin des Verbands, Denele Crozier, warnt vor einem kritischen Punkt, ab dem Schäden irreversibel werden: „Es reicht aus, dass das Gehirn fünfmal verletzt wird, damit bleibende Schäden entstehen“, erklärte sie gegenüber dem australischen Sender ABC.

Sozialministerin Tanya Plibersek will nach der Tragödie nun dem britischen Vorbild nacheifern. Australien sollte „sehr ernsthaft“ in Betracht ziehen, die Darstellung von Würgen und Ersticken in Pornofilmen zu untersagen, sagte sie dem Sender ABC. Großbritannien hat den Besitz und die Verbreitung solcher Inhalte strafbar gemacht.

Auch Kellie Sloane, Fraktionsvorsitzende der Opposition der Liberalen in New South Wales, forderte Premierminister Anthony Albanese in einem Schreiben auf, ein Verbot schnell einzuführen. Chanel Contos, die hinter der Aufklärungsinitiative „Teach Us Consent“ steht, verwies außerdem auf eine Befragung, bei der 71 Prozent der Australierinnen und Australier ein solches Verbot befürworten würden.

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International gesehen wäre ein Verbot, so wie es Plibersek vorschwebt, die Ausnahme. Im Vereinigten Königreich ist seit diesem Jahr der Besitz und die Verbreitung von Strangulationspornografie illegal. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es kein vergleichbares explizites Verbot. In allen drei Ländern ist Pornografie zwischen einwilligungsfähigen Erwachsenen grundsätzlich erlaubt und dementsprechend nur jugendschutzrechtlichen sowie bestimmten Verbreitungsauflagen unterworfen.

Erst wenn es um Gewaltpornografie geht, wird es enger: In Deutschland könnte zum Beispiel Paragraf 184a des Strafgesetzbuchs Anwendung finden, wenn sexuelle Darstellungen den Anschein erwecken, dass eine reale, nicht gespielte Gewalt ausgeübt wird. Bei einvernehmlich gestellten Pornografieszenen ist die rechtliche Lage jedoch nicht eindeutig geklärt. Auch die von der EU 2024 verabschiedete Richtlinie gegen digitale Gewalt hat zwar Sex ohne Zustimmung oder gefälschte Pornografieclips (sogenannte Deepfake-Videos) im Visier, sagt aber nichts über ein mögliches Verbot von Strangulationsdarstellungen aus. Mit dem „Crime and Policing Act 2026“ ist Großbritannien hier weiter gegangen als seine europäischen Nachbarn.

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Einigkeit herrscht unter Fachleuten in Australien aber darin, dass ein Verbot allein nicht helfen wird. Nötig sei vielmehr eine offene und wertfreie Sexualaufklärung, die das Thema Würgen einbezieht. Denn wie mehrere Expertinnen berichten, würden Schulen und Eltern zum Thema oft schweigen. Pornos und auch soziale Medien normalisierten die Praxis jedoch schnell und früh. Laut der US-amerikanischen Sexologin Herbenick erfahren Jugendliche im Durchschnitt bereits im Alter von 15 Jahren das erste Mal von der Praktik.

Sexuelles Würgen werde in all diesen verschiedenen Medien „erotisiert“, sagte auch die neuseeländische Kriminologin Samantha Keene gegenüber dem „Guardian“. In der Sexual- und Beziehungserziehung komme es dagegen überhaupt nicht vor. Diese Lücke müsse geschlossen werden, bevor über Verbote allein entschieden werde.