Die 15.000 Tickets für das Konzert in der Hamburger Barclays-Arena waren innerhalb von 76 Minuten weg. Beim Vorverkauf für die Elbphilharmonie ging der Server des Konzerthauses in die Knie, nie war ein Auftritt in der fast zehnjährigen Geschichte des Hamburger Konzerthauses schneller ausverkauft. Und beim Auftritt am 26. September im Volksparkstadion, der Heimat des HSV, werden 52.000 Zuschauer erwartet – und als Vorgruppe unter anderem die Sportfreunde Stiller.
Die Goldkehlchen sind auf Augenhöhe mit Weltstars wie Taylor Swift
Nein, es geht nicht um Taylor Swift oder Ed Sheeran. Es geht um einen Chor von 110 Männern, die eines gemeinsam haben: Sie können nicht singen – und sind damit unglaublich erfolgreich. Die Hamburger Goldkehlchen bekommen bis zu 700 Konzertanfragen pro Jahr und erreichen ein Publikum wie sonst nur die wirklich großen Superstars.
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„Dabei hört sich unser Gesang immer noch ziemlich schräg an“, sagt Max Michel, der den Chor vor zehn Jahren zusammen mit seinem besten Freund Flemming Pinck nach einem Abend in einer Karaoke-Bar gegründet hat. Mit einem Post auf Facebook, der sich so las: „Wir sind ein Haufen wilder Jungs, die es lieben, zu singen, und wir wollen unbedingt einen Männerchor gründen, die Hamburger Goldkehlchen. Von Pop über Rock über Kinderlieder bis hin zum klassischen Gospel soll alles dabei sein. Wir wollen uns gern alle zwei Wochen treffen, um zu singen und Spaß zu haben. Jetzt fehlt uns noch der passende, perfekte Chorleiter, der Lust auf so ein Projekt hat. Wir haben ein paar Talente dabei, einige sind weniger begabt und stellen sich besser in die letzte Reihe. Kennt ihr den richtigen Chorleiter für uns oder seid ihr es vielleicht sogar selber? Wir freuen uns über jede Empfehlung und jeden, der Bock hat, mitzumachen.“
Schon bei der dritten Probe war das Interesse an den Goldkehlchen so groß, dass Michel, Pinck und der gefundene Chorleiter Christian „Thunder“ Sondermann einen Aufnahmestopp verhängen mussten. Seitdem gab es regelmäßig Castings für neue Mitglieder, an denen über die Jahre Hunderte Männer teilnahmen. Heute ist der Chor eine bunte, wilde Mischung: Rechtsanwälte sind dabei, ein Polizist, Marketing-Experten, Unternehmer, ein Lokführer, Ärzte, Olympiasieger, das volle Programm, dazu prominente Ehrenmitglieder wie „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni, Revolverheld-Sänger Johannes Strate und Musiklegende Rolf Zuckowski („In der Weihnachtsbäckerei“). Geprobt wird einmal in der Woche, jeweils anderthalb Stunden, und anders als früher braucht der neue Chorleiter Paul Jungeblodt, Spitzname „Youngblood“, keine Trillerpfeife mehr, um die Jungs im Zaum zu halten.

Die Goldkehlchen sind über die Jahre disziplinierter geworden. Während der Proben wird deutlich weniger Bier und Schnaps als in den Anfängen getrunken, und die Textsicherheit hat spürbar zugenommen. Geblieben ist die unglaubliche Energie, die entsteht, wenn mehr als 100 Männer gemeinsam singen, „und der man sich nicht entziehen kann, wenn man sie einmal erlebt hat“, wie Zuckowski sagt. Simon Heeger, der unter anderem den Goldkehlchen-Nummer-eins-Hit „Moin, Moin Hamburg“ produziert hat, ergänzt: „Es geht immer um die Power, die sich von den Musikern auf die Menschen überträgt. Und davon haben die Goldkehlchen so viel wie wenige andere.“
Goldkehlchen spenden für wohltätige Zwecke
Wenn sie wollten, könnten die Jungs, die im vergangenen Jahrzehnt Vorbild für unzählige Chorgründungen in Deutschland waren, wahrscheinlich ewig so weitermachen – aber das wollen sie nicht: Das Konzert im Volksparkstadion, das rund 2,7 Millionen Euro kostet, soll das letzte sein. „Wir wollen aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagt Flemming Pinck. „Wir brauchen diesen Fame nicht, wir wollen eine geile Zeit mit den Jungs haben, darum geht es. So leben Max und ich, seit wir uns kennen. Wir haben immer auf uns geguckt, was die anderen über das gesagt haben, was wir gemacht haben, war uns egal. Gemeinsam zu singen macht einfach glücklich.“

Und zwar nicht nur die Goldkehlchen und ihre (überwiegend) weiblichen Fans, sondern auch Menschen, denen es nicht so gut geht: Mit dem, was im Volksparkstadion zusammenkommt, wird der Chor insgesamt rund eine Million Euro für wohltätige Organisationen gespendet haben, er hat unter anderem eine Kita vor dem Aus gerettet und viele Organisationen und Initiativen unterstützt. Gründungsmitglied Jasper Ramm fasst das Erfolgsgeheimnis der Männer in einem Satz zusammen: „Dieser Chor funktioniert so gut, weil wir gemeinsam etwas gefunden haben, das wir aus tiefstem Herzen gut finden und von dem andere Menschen wirklich etwas haben.“


