Die Allgäuer Alpen sind in Bewegung: Am Hochvogel klafft seit Jahren ein gewaltiger Riss durch den Gipfel. Nun haben Bergsteiger auch an der benachbarten Kesselspitze eine auffällige Spalte entdeckt. Fachleute wollen prüfen, was dahintersteckt und ob sich dort ebenfalls eine größere Veränderung im Gestein entwickelt, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Der Hochvogel, ein 2592 Meter hoher Gipfel an der Grenze zwischen Bayern und Tirol, wird bereits seit Jahren von Forschern überwacht. Der mehrere Meter breite Spalt zieht sich durch den Gipfelbereich und ist inzwischen mehr als zwei Meter breit sowie rund 100 Meter tief. Eine große Felsmasse könnte sich langfristig lösen – nach Einschätzung von Experten geht es dabei um rund 260.000 Kubikmeter Gestein. Wann genau das passiert, lässt sich allerdings nicht vorhersagen.

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Forscher erwarten langfristig einen großen Felsabbruch

Seit 2014 wird der Gipfel mit verschiedenen Verfahren überwacht. Wissenschaftler der Technischen Universität München messen unter anderem Bewegungen im Fels, setzen Sensoren ein und untersuchen die Entwicklung mit weiteren technischen Verfahren. Zuletzt zeigte sich, dass sich der Riss zeitweise um bis zu fünf Millimeter pro Woche vergrößert.

Besonders starke Regenfälle können die Bewegung beschleunigen. Nach Angaben der Forscher erhöht eindringendes Wasser den Druck im Gestein und kann die Stabilität des Berges beeinflussen. Auch steigende Temperaturen und Veränderungen im Hochgebirge spielen eine Rolle, weil gefrorenes Wasser im Gestein – der sogenannte Permafrost – zunehmend zurückgeht.

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Gefahr für Orte im Tal besteht nicht

Trotz der gewaltigen Dimensionen sehen Behörden derzeit keine Gefahr für bewohnte Gebiete. Sollte es zu einem Felssturz kommen, würde die abbrechende Gesteinsmasse nach Einschätzung der Experten nicht in Richtung von Ortschaften stürzen.

Auch für Wanderer rund um den Hochvogel besteht aktuell keine akute Gefahr. Christoph Erd, Hüttenwirt des Prinz-Luitpold-Hauses, bezeichnet die Lage laut BR als aufmerksamkeitswürdig, aber nicht bedrohlich. Die üblichen Anstiege von bayerischer Seite über den Kalten Winkel oder die Kreuzspitze sind weiterhin geöffnet. Gesperrt ist lediglich der Bäumenheimer Weg aus dem Hinterhornbachtal, weil dort Felssturzgefahr besteht.

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Neuer Riss an der Kesselspitze entdeckt

Nun richtet sich der Blick der Geologen auch auf die Kesselspitze. Der Allgäuer Bergsteiger und Autor Kristian Rath bemerkte dort einen markanten Riss im Gipfelbereich. Einen ausgeschilderten Wanderweg gibt es auf den 2284 Meter hohen Gipfel nicht.

Rath stellte fest, dass sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr verändert habe. Der Riss sei deutlich sichtbar und verlaufe durch den gesamten Gipfelbereich. Fotos seiner Beobachtung leitete er an die Geologen der Technischen Universität München weiter.

Michael Krautblatter, Professor für Hangbewegungen, will die Stelle mit seinem Team untersuchen. Die Beobachtung eines erfahrenen Bergsteigers sei wertvoll, sagt der Wissenschaftler. Gleichzeitig müsse man vorsichtig sein: In den Alpen gebe es zahlreiche Risse, die nicht automatisch auf einen bevorstehenden Felssturz hindeuteten.