Der britische Backpacker Peter Falconio verschwand im Jahr 2001 im australischen Outback. Sein verurteilter Mörder nahm das Versteck der Leiche mit ins Grab. Zum Jahrestag veröffentlichte die Polizei nun bislang unbekannte Bilder aus den Ermittlungsakten.

Am 14. Juli 2001 fuhren der 28-jährige Brite Peter Falconio und seine Freundin Joanne Lees in einem orangefarbenen VW-Kombi den Stuart Highway entlang, als ein Unbekannter in einem Toyota Land Cruiser ihnen ein Stoppzeichen gab. Der Mann behauptete, Funken würden aus dem Auspuff des Fahrzeugs sprühen. In dem Moment, als Falconio die Tür öffnete, schoss der Fremde jedoch auf ihn. Lees fesselte der Mann mit Kabelbindern, doch der jungen Frau gelang letztlich die Flucht. Stundenlang verbarg sie sich in der Wildnis, bis sie schließlich einen vorüberfahrenden Lastwagenfahrer stoppte, der sie in Sicherheit brachte.

Erst zwei Jahre später wurde der Drogendealer Bradley John Murdoch verhaftet. Ein Haargummi von Lees, das an seinem Waffengurt steckte, sowie Blutspuren auf ihrem Hemd brachten ihn zu Fall. 2005 wurde er wegen Mordes und versuchter Entführung zu lebenslanger Haft verurteilt. Falconios sterbliche Überreste wurden nie gefunden – die Vermutung ist, dass Murdoch die Leiche irgendwo im Buschland auf dem Weg nach Broome verscharrt hat.

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Australien: Falconios Familie hofft auch 25 Jahre nach Mord auf Antworten

Damit konnten weder Lees noch Falconios Familie jemals einen Abschluss finden. Von ihrer Hoffnung zeugt bis heute ein unscheinbares Erinnerungsstück. Im Barrow Creek Hotel, einem abgelegenen Outback-Pub im Zentrum Australiens, prangt zwischen Zeitungsausschnitten und Fotos bis heute ein unauffälliger Fünf-Dollar-Geldschein. „PETER + PAUL FALCONIO“ ist mit schwarzem Marker daraufgeschrieben. Falconios Bruder Paul hatte den Schein dort befestigt, unmittelbar nachdem Peter im Juli 2001 verschwunden war – mit dem Gedanken, sein Bruder könnte eines Tages aus der Wildnis zurückkehren und sich damit ein Bier kaufen. Eingelöst wurde er nie.

Murdoch verstarb 2025 im Alter von 67 Jahren an Kehlkopfkrebs auf der Palliativstation des Alice Springs Hospital. In seinen letzten Lebenstagen unternahm die Polizei noch Anstrengungen, ihn zu einem Geständnis zu bewegen – ohne Erfolg. „Ich weiß von nichts. Das wiederhole ich bereits seit 22 Jahren“, hört man ihn in Aufnahmen der Polizei immer wieder sagen.

Fotos NT Police zum Mordfall Peter Falconio
Joanne Lees, Peter Falconios Freundin, wurde vom Täter Bradley Murdoch gefesselt, dennoch gelang ihr die Flucht. Das Foto zeigt sie weniger als 24 Stunden nach der versuchten Entführung.© NT Police | Nt Police

Mord an britischem Backpacker: Polizei gibt geheime Fotos frei

Zum 25. Jahrestag hat die Polizeibehörde des Northern Territory nun bislang geheime Fotografien aus ihren Ermittlungsunterlagen freigegeben. Darunter befinden sich unter anderem Aufnahmen einer kurz nach der Tat sichtlich verstörten Joanne Lees, ihre durch Fesseln verletzten Handgelenke, das orangefarbene Fahrzeug sowie eine mit Markierungen versehene Stelle an der Straße mit einem dunklen Fleck auf dem Belag. Auch ein Bild von Murdochs Festnahme 2003 in Adelaide ist dabei.

Polizeichef Martin Dole betonte zum Jahrestag, dass die Ermittlungen nur dann beendet werden könnten, wenn Falconios sterbliche Überreste aufgefunden würden und von seiner Familie bestattet werden könnten. Murdochs „feige Weigerung“, Informationen preiszugeben, habe der Familie den ihr zustehenden Abschluss vorenthalten. 25 Jahre seien „ein bedeutender Meilenstein“, betonte der Polizeichef. „Für viele Ermittler hat dieser Fall Jahrzehnte ihrer Polizeikarriere umfasst. Ihr Engagement, Peter zu finden und seiner Familie Antworten zu liefern, hat nie nachgelassen.“ Das Kopfgeld für sachdienliche Informationen, die zum Auffinden der Überreste führen, wurde bereits 2025 von 250.000 auf 500.000 Australische Dollar (etwa 304.000 Euro) erhöht.

Der Mord zählt zu den bekanntesten Kriminalfällen des Kontinents und inspirierte neben anderen Verbrechen den Film „Wolf Creek“. In der Zeit direkt nach der Tat geriet paradoxerweise Lees selbst ins Fadenkreuz der Ermittlungen, da ihre eher stille Art in der Medienöffentlichkeit falsch gedeutet wurde – eine Erfahrung, die ihr nachträglich großes Leid zufügte.

Fotos NT Police zum Mordfall Peter Falconio
Ein Foto des orangefarbenen Bullis, mit dem Peter Falconio und Joanne Lees unterwegs waren.© NT Police | Nt Police

„Viele Fragen offen“: Britischer Autor geht Ungereimtheiten zum Mord nach

Der britische Autor und Journalist Roger Maynard, der die Gerichtsverhandlung gegen Murdoch mitverfolgte und im Anschluss ein Buch über den Fall herausbrachte, erklärt die anhaltende Auseinandersetzung mit dem Fall folgendermaßen: Während bei den sogenannten Backpacker-Morden an Australiens Ostküste in den 1980er- und 1990er-Jahren die Schuldfrage nie offen war, fehlten im Fall Falconio sowohl die sterblichen Überreste als auch ein klares Tatmotiv – dies habe „viele Fragen offen gelassen – etwa, was mit der Leiche geschah und wie Lees im Outback überlebte“. Maynard traf während des Prozesses auch mit Falconios Familie zusammen. Die Angehörigen seien „am Boden zerstört“ gewesen, berichtete er im Interview. Vor allem lehnten sie Gerüchte ab, Peter habe seinen eigenen Tod vorgetäuscht – eine Hypothese, die vereinzelt bis heute vertreten wird, obwohl sie sich nie nachweisen ließ.

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Für Falconios Familie und für Joanne Lees, die seit dem Verbrechen immer wieder ins Northern Territory reiste, um dort Suchaktionen zu unterstützen, bleibt derzeit allein die Aussicht, dass sich doch noch jemand zu Wort meldet, dem Murdoch in den Jahren nach der Tat etwas anvertraut hat. „Keine Information ist zu klein; was unbedeutend erscheinen mag, könnte sich als entscheidend erweisen, um den Ermittlern zu helfen, diesen Fall endlich zu lösen“, sagte Polizeichef Dole. Der Fünf-Dollar-Schein im Barrow Creek Hotel verharrt derweil weiterhin an seinem Platz, ein Vierteljahrhundert nach dem Verschwinden des jungen Engländers.