- In Griechenland landen immer mehr Flüge verspätet
- Vor allem der Flughafen in Athen entwickelt sich zum Engpass
- Die Lage für Urlauber verschärft sich in diesem Jahr noch
Griechenlands Besucherzahlen kennen seit dem Ende der Corona-Pandemie nur eine Richtung: nach oben. In diesem Jahr steuert das Mittelmeerland bereits den vierten Besucherrekord in Folge an. Am Athener Flughafen Eleftherios Venizelos wurden in den ersten sechs Monaten 15,75 Millionen Passagiere gezählt – 4,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch die Flughäfen der Ferieninseln verzeichnen steigende Ankunftszahlen. Nach Angaben des Tourismusforschungsinstituts Insete wurden in den ersten vier Monaten 5,4 Prozent mehr Passagiere registriert als im Vorjahreszeitraum. Besonders kräftig fiel das Wachstum auf Kreta mit den Flughäfen Heraklion und Chania sowie auf Mykonos, Samos und in Kalamata auf der Peloponnes aus.
Doch bevor Urlauber ihr Sonnenziel erreichen, brauchen sie oft Geduld: Immer mehr Flüge landen verspätet. Veraltete, störanfällige Technik bei der Flugsicherung und Personalmangel in den Kontrolltürmen bremsen den Luftverkehr in Griechenland zunehmend aus. Bereits im vergangenen Sommer war Griechenland wegen teils stundenlanger Flugverspätungen in die Schlagzeilen geraten. Vor allem der Athener Flughafen entwickelte sich zu einem der größten Engpässe im europäischen Luftverkehr. In diesem Jahr hat sich die Lage weiter verschärft.
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Flugverkehr in Griechenland: Immer mehr Verspätungen trotz Rekordsaison
Nach Angaben der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol sind die Flugverspätungen in Griechenland gegenüber 2025 um 63 Prozent gestiegen. Die wenigsten davon entstehen durch Verzögerungen bei der Abfertigung am Boden. 80 Prozent der Verspätungen sind laut Eurocontrol auf Flugverkehrsbeschränkungen zurückzuführen.
Das hat Auswirkungen auf den Flugverkehr in ganz Europa. Denn die in Griechenland verspätet gelandeten oder gestarteten Maschinen schleppen diese Verspätungen durch den ganzen Tag zu anderen Zielorten mit. Nach Angaben von Eurocontrol waren in der letzten Juniwoche 13 Prozent aller Verspätungen im europäischen Luftverkehr auf die Probleme in Griechenland zurückzuführen.

Mehr Verspätungen verursachen in Europa nur Frankreich und Spanien – allerdings bei einem deutlich höheren Verkehrsaufkommen. In Griechenland verschlechtert sich die Situation aber massiv: Das Land verzeichnet den stärksten Anstieg der Verzögerungen gegenüber dem Vorjahr. Die Zunahme hängt nach Einschätzung von Experten auch mit der Iran-Krise zusammen. Sie hat dazu geführt, dass der griechische Luftraum durch mehr Überflüge besonders belastet ist.
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Technik am Flughafen Athen auf Stand von 2001
Als Hauptursache gelten aber Kapazitätsengpässe infolge veralteter Technik und zu wenig Personal in den Kontrolltürmen. Das Radarsystem des Athener Flughafens stammt noch aus dem Jahr 2001, als der Flughafen eröffnet wurde. Damals mussten die Fluglotsen rund 160.000 Flugbewegungen pro Jahr bewältigen, heute sind es fast 280.000 – mit nahezu unveränderter Technik. Entsprechend häufen sich die Störungen. Am 24. Juni fiel das Anflugradar in Athen für mehr als zehn Stunden aus. Die Folge waren stundenlange Verspätungen und zahlreiche Flugausfälle.
Bereits im Januar war der Sprechfunkverkehr im Bereich der griechischen Flugsicherung wegen einer Störung komplett zusammengebrochen. Auf allen Frequenzen war nur ein schriller Pfeifton zu hören. Piloten und Fluglotsen konnten nicht mehr miteinander kommunizieren. Der griechische Luftraum musste für fünf Stunden komplett gesperrt werden. Das Chaos wirkte sich mit Verspätungen und Annullierungen in ganz Europa aus.

Urlaub in Griechenland: Keine Besserung bei Verspätungen vor 2029
Anfang Juli fand eine Krisensitzung der griechischen Zivilluftfahrtbehörde mit Vertretern der Athener Flughafengesellschaft, der Fluglotsen und der beiden griechischen Fluggesellschaften Aegean Airlines und Sky Express statt. Das Treffen sei in „guter Atmosphäre“ verlaufen, berichten Teilnehmer. Konkrete Beschlüsse gab es nicht. In einer weiteren Sitzung sollten technische Fragen auf operativer Ebene erörtert werden. Kurzfristige Lösungen zeichnen sich aber bisher nicht ab.
Die technischen Probleme und der Personalmangel bei der griechischen Flugsicherung sind seit Langem bekannt, aber die Regierung blieb über viele Jahre untätig. Notwendige Investitionen wurden immer wieder verschleppt. Erst unter massivem Druck der EU-Kommission brachte die Regierung die Erneuerung der Radartechnik auf den Weg. Die neuen Systeme werden jedoch nicht vor 2029 in Betrieb gehen. Bis dahin müssen Griechenland-Reisende mit noch mehr Verspätungen rechnen.


