Vor rund 40 Jahren kartierten zwei Wissenschaftler während einer Expedition des British Antarctic Survey auf der James-Ross-Insel vor der Südostküste der Antarktis verschiedene Gesteinsschichten. Dabei sammelten sie unter anderem ein Fossil, dessen wissenschaftliche Bedeutung damals noch nicht erkannt wurde.
Erst eine erneute eingehende Untersuchung brachte die entscheidende Erkenntnis. Forscher identifizierten das Fundstück als Bestandteil des Skeletts eines Dinosauriers und lieferten damit einen eindeutigen Nachweis für dessen einstige Existenz in dieser Region der Antarktis.
Archäologie: Fossil fand zunächst keine besondere Bedeutung
Als der britische Geologe Michael Thomson und der deutsche Geologe und Paläontologe Reinhard Förster auf der James-Ross-Insel geologische Proben sammelten und dokumentierten, war ihnen die wissenschaftliche Bedeutung eines ihrer Funde noch nicht bewusst. Neben Fossilien wirbelloser Tiere, Pflanzenresten und Schuppen von Knochenfischen bargen sie auch einen versteinerten Knochen, der zunächst keine besondere Beachtung fand. Das Fundstück wurde anschließend über viele Jahre in den Sammlungen des British Antarctic Survey aufbewahrt.
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Erst der Paläontologe Mark Evans, Leiter der geologischen Sammlungen und Labore des British Antarctic Survey, erkannte das wissenschaftliche Potenzial des Fossils. Eine erneute paläontologische Untersuchung bestätigte schließlich, dass es sich um den Knochen eines Dinosauriers handelt. Damit stellt der Fund den ersten eindeutig nachgewiesenen Dinosaurierknochen dar, der bislang auf dem antarktischen Kontinent entdeckt wurde, berichtet Science Alert.
Forscher identifizieren seltenes Exemplar
Die Antarktis zählt bislang nicht zu den bedeutendsten Fundregionen der Dinosaurierforschung. Im Vergleich zu den übrigen ehemaligen Kontinenten des Urkontinents Gondwana ist die Zahl der nachgewiesenen Fossilien dort vergleichsweise gering. Dies ist jedoch weniger auf das tatsächliche Vorkommen von Dinosauriern als vielmehr auf die schwierigen geologischen und klimatischen Bedingungen zurückzuführen.
Große Teile der potenziellen Funde sind heute von mächtigen Eismassen bedeckt, während sie während des Mesozoikums, als Dinosaurier die Erde besiedelten, frei zugänglich gewesen sein dürften. Bislang konnten in der Antarktis lediglich zwölf Dinosaurierarten nachgewiesen werden. Bedeutende Funde gelangen vor allem in eisfreien Gebieten wie am Mount Kirkpatrick und auf der James-Ross-Insel.
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Anhand der charakteristischen inneren Knochenstruktur ordneten Mark Evans und sein Forschungsteam das Fossil der Gruppe der Lithostrotia innerhalb der Titanosaurier zu. Demnach handelt es sich um einen Schwanzwirbel aus dem hinteren Abschnitt des Schwanzes eines Sauropoden. Diese lebte während der späten Kreidezeit auf dem antarktischen Kontinent. Das Fundstück gilt heute als das älteste jemals in der Antarktis geborgene Dinosaurierfossil.
Besonderes Fossil liefert wertvolle Hinweise
Obwohl Titanosaurier zu den größten bekannten Landtieren der Erdgeschichte zählten, gehörte dieses Individuum offenbar nicht zu den größten Vertretern seiner Gruppe. Nach Einschätzung der Forscher handelt es sich entweder um ein noch nicht ausgewachsenes Tier oder um einen kleineren erwachsenen Dinosaurier. Eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Art steht bislang noch aus. Allerdings weist das Fossil auffällige anatomische Gemeinsamkeiten mit dem aus Argentinien bekannten Titanosaurier Muyelensaurus pecheni aus der späten Kreidezeit auf.
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Der Fund liefert darüber hinaus wertvolle Hinweise auf die Entwicklung der Tierwelt auf dem ehemaligen Südkontinent Gondwana. Während der späten Kreidezeit war die Antarktis noch Teil dieser zusammenhängenden Landmasse und lag zwischen den heutigen Kontinenten Australien, Afrika und Südamerika. Das Fossil trägt somit zu einem besseren Verständnis der damaligen Verbreitung und Evolution der Dinosaurier auf der südlichen Erdhalbkugel bei.







