Eine ungewöhnliche Touristentradition hat in Mailand ihre Spuren hinterlassen – und zwar buchstäblich. In der berühmten Galleria Vittorio Emanuele II, einer prächtigen Einkaufspassage aus dem 19. Jahrhundert nahe des Doms, werden derzeit die Hoden eines Stiermosaiks restauriert. Der Grund: Tausende Besucher haben das Kunstwerk über Jahre hinweg mit Pirouetten beschädigt.

Der Legende nach bringt es Glück, die Ferse auf den Hoden des Stiers zu drehen. Wer das tue, komme garantiert nach Mailand zurück. „Tausende Menschen haben in den letzten beiden Amtszeiten täglich die berühmte Fersendreh-Geste ausgeführt. Der Glücksplatz der Galleria hat sich im Laufe der Zeit abgenutzt“, erklärten die Stadträte Emmanuel Conte und Marco Granelli in einer Pressemitteilung. Die Arbeiten sollen bis Samstag andauern.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Facebook, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Restaurator Galli: „Es ist ein Job, der als Privileg angesehen wird“

„Es ist wohl eine charmante Geste, aber auch ziemlich schädlich für ein Kunstwerk“, so Restaurator Gianluca Galli über die kuriose Tradition im Gespräch mit dem „Guardian“. Wie die Zeitung berichtet, habe Galli die Mosaiksteinchen von Hand zurechtgeschnitten, nachdem er zeitgenössische Entwürfe studiert und Abdrücke der Originalteile genommen hatte. Statt des ursprünglichen Kalks wolle er Epoxidharze verwenden und die Steine mit Sandmörtel verkleben, um sie künftig besser gegen die Absätze der Touristen zu schützen.

Der Restaurator Gianluca Galli bei den Restaurierungsarbeiten in der Galleria Vittorio Emanuele II.
Der Restaurator Gianluca Galli bei den Restaurierungsarbeiten in der Galleria Vittorio Emanuele II.© AFP | Stefano Rellandini

Zuletzt war das Kunstwerk 2017 restauriert worden. Die Mailänder Stadträte betonten, dass die Abnutzung des beliebten Platzes letztlich ein Zeichen seiner Popularität sei. „Die Galerie ist ein lebendiges Kulturerbe, das gerade deshalb Abnutzungserscheinungen zeigen kann, weil es so beliebt und gut besucht ist“, erklärten sie.

Restaurator Galli nutzte die Gelegenheit auch für einen Appell. Er sei laut „Guardian“ stolz auf seine Arbeit und wolle „junge Menschen ermutigen, diesen Beruf zu ergreifen, denn Italien braucht dringend Restauratoren, sowohl Männer als auch Frauen“. Und er fügte hinzu: „Ich weiß, es ist ein anspruchsvoller Job, weil man von Baustelle zu Baustelle reisen muss… aber es ist auch ein Job, der in Italien als Privileg angesehen wird.“