Unvorstellbares soll sich in Paris an über hundert schulischen Einrichtungen ereignet haben: Im Schulsport sollen Grundschüler vergewaltigt worden sein, in Krippen Kleinkinder sexuell missbraucht. Einzelfälle waren es nicht: 84 Kindergärten, 20 Grundschulen und zehn Horte sind laut der Staatsanwältin Laure Beccuau betroffen. Darunter sind angesehene Adressen, so etwa die Schule Saint-Dominique im schicken 7. Stadtbezirk von Paris.

Gegen insgesamt 87 Betreuer laufen Strafverfahren, in 31 Fällen wegen sexueller Gewalt. Und das ist laut Pariser Medien erst der Anfang, denn unter dem öffentlichen Druck müssen die Behörden nun rasch handeln. Am Mittwoch kamen allein 16 Mitarbeiter eines kleinen Schulverbundes in Gewahrsam. Das wirft die Frage auf, ob einzelne Täter untereinander in einem Netz verbunden waren. Eine Antwort gibt es vorerst nicht.

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Zahllose Eltern rennen den Schuldirektionen deshalb die Tür ein: Sie haben das Gefühl, dass man ihnen die Wahrheit verschweigt. Fast 4000 Anfragen und Beschwerden sind bereits eingegangen. Oft sind wohlhabende Familien betroffen, die nun bekannte Anwälte einspannen.

Sicher ist, dass die Behörden versagt haben. Das zeigt sich in mehreren Fällen. Ein 22-jähriger Betreuer, der nun im 11. Stadtbezirk wegen sexueller Delikte verfolgt wird, war 2024 schon wegen mutmaßlich ähnlicher Vergehen von einer Schule im 10. Arrondissement geflogen. Er wurde aber nicht etwa suspendiert oder strafrechtlich verfolgt, sondern an eine andere Schule versetzt – wo er sich unkontrolliert an weiteren Kindern vergangen haben soll.

Bürgermeister Emmanuel Grégoire entschuldigte sich für das Versagen der Kontrollbehörden. Der im März frisch gewählte Sozialist ist erst seit ein paar Wochen im Amt. Er hatte schon im Wahlkampf restlose Aufklärung versprochen. Unter anderem will er externe Prüfstellen heranziehen, die Kameraüberwachung überwachen und das Vorleben neu eingestellter Betreuer kontrollieren lassen.

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In Paris und darüber hinaus macht sich allerdings der Eindruck breit, dass die neue wie auch die alte Stadtregierung nur oberflächlich reagieren, ohne die Strukturen zu ändern. Der französische Bildungsapparat gilt als unnahbar. Er lässt es in Frankreich seit Langem an Transparenz mangeln; Elternbeschwerden verschwinden oft unbeantwortet in den Schubladen.

Dass Grégoire nun mit einem harten Vorgehen versucht, seinen Kopf zu retten, stößt aber auch nicht überall auf Verständnis. Betreuerinnen und Betreuer berichten über ein Klima des Misstrauens an allen Schulen, Kitas und vor allem den außerschulischen Einrichtungen, in Frankreich „périscolaire“ genannt. Das Personal stehe nun unter einem Generalverdacht, und die Eltern trauten niemandem mehr über den Weg.

Neben der rot-grünen Stadtregierung gerät auch die Staatsführung von Präsident Emmanuel Macron unter Beschuss. Die Kontrolle der öffentlichen und privaten Schulen untersteht dem Bildungsministerium. Dass die Inspektoren auf Warnsignale womöglich nicht reagierten oder gar die Augen verschlossen, dürfte noch personelle und wohl auch politische Folgen haben. Von den psychologischen Traumata der missbrauchten Kinder spricht derzeit noch niemand.