Auf Teneriffa ist das Hantavirus-Schiff „MV Hondius“ zum Gesprächsthema in Hotellobbys, Strandbars und Flughafenschlangen geworden. Das von den Kapverdischen Inseln kommende Expeditionskreuzfahrtschiff, auf dem es zu einem Ausbruch des Hantavirus mit bisher drei Todesfällen kam, soll am Sonntagmittag die Küste der zu Spanien gehörenden kanarischen Urlaubsinsel erreichen. 

In dem Ferienparadies, das zu dieser Jahreszeit voller Touristen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum und Großbritannien ist, wächst derweil die Unruhe – während Madrid alle Sicherheitsgarantien verspricht. Die spanische Regierung hatte die Aufnahme des Schiffes mit rund 150 Personen an Bord genehmigt, nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Madrid um Hilfe gebeten hatte.

Hantavirus: Kreuzfahrtschiff wird nicht anlegen

Nach den bisherigen Plänen soll die „MV Hondius“ nicht im Hafen von Granadilla de Abona im Süden Teneriffas anlegen, sondern vor der Küste von Granadilla ankern. Die Passagiere und Besatzungsmitglieder sollen anschließend mit kleinen Booten in Gruppen von jeweils fünf Personen an Land gefahren werden. Von Bord gehen soll jeweils nur, wer anschließend direkt zum Flughafen gebracht und in ein bereitstehendes Flugzeug in Richtung Heimat steigen kann.

Die Ausschleusung vom Schiff dürfte damit deutlich länger dauern als bei einem normalen Anlegen im Hafen. Die spanischen Behörden wollen damit aber jeden Kontakt mit der lokalen Bevölkerung vermeiden. Nach der Anlandung sollen die Passagiere mit abgeschirmten Fahrzeugen zum Flughafen Teneriffa Süd transportiert werden. Dort sollen sie in einem abgesperrten Bereich an Bord der bereitstehenden Sonderflugzeuge gehen.

Der Flughafen Teneriffa Süd ist nur rund 13 Kilometer vom Hafen von Granadilla entfernt. Die bekannten Ferienorte Los Cristianos, Playa de las Américas und Costa Adeje liegen etwa 25 bis 30 Kilometer entfernt. Die Transporte der Kreuzfahrtpassagiere über die Straße zum Flughafen sollen jedoch nicht durch diese Touristenzentren führen.

Auf Teneriffa selbst stößt die geplante Evakuierungsoperation auf scharfen Widerstand. Die Inselpräsidentin Rosa Dávila verlangte, die Aktion zu stoppen. Es sei unzulässig, den sozialen Frieden und die Sicherheit der Bevölkerung durch eine Entscheidung zu gefährden, die ohne ausreichende Information und Absprache mit der Inselverwaltung getroffen worden sei. 

Die „MV Hondius“ ist auf dem Weg nach Norden.
Die „MV Hondius“ ist auf dem Weg nach Norden. © AFP | -

Hantavirus: Ministerin verspricht „kein Risiko für Bevölkerung“

Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García verwies hingegen darauf, dass Spanien entsprechend den humanitären Verpflichtungen und den internationalen Gesundheitsregeln helfen müsse. Kap Verde sei nach Darstellung der WHO nicht in der Lage gewesen, die notwendigen medizinischen Untersuchungen sowie die Evakuierung aller Passagiere zu gewährleisten. Die Kanaren seien der nächstgelegene Ort mit den nötigen Kapazitäten.

García versicherte, der Einsatz werde „kein Risiko für die kanarische Bevölkerung“ bedeuten. Nach ihren Angaben sind derzeit nur noch Passagiere und Besatzungsmitglieder ohne Symptome an Bord der „MV Hondius“. Die drei symptomatischen Personen beziehungsweise Verdachtsfälle wurden bereits unter medizinischer Begleitung von Bord geholt. 


Nach der Ankunft des Schiffes an der Küste Teneriffas sollen alle Menschen an Bord medizinisch überprüft werden. Im Bereich von Granadilla wird dafür ein provisorisches Logistik- und Sanitätszentrum für die Einsatzkräfte vorbereitet. Auch das Universitätskrankenhaus auf Teneriffa bereitet sich vorsorglich auf mögliche Patienten vor. Dort soll eine Isoliermöglichkeit bereitstehen, falls bei einzelnen Personen doch noch Symptome auftreten.

Inzwischen laufen Verhandlungen mit allen 22 Herkunftsländern der Passagiere und Besatzungsmitglieder über deren Rückholung. Die Heimatstaaten sollen ihre Staatsbürger mit Sonderflügen abholen. Sollte ein Herkunftsland dies nicht leisten können, sollen letztlich die Niederlande die Verantwortung übernehmen – als Flaggenstaat des Schiffes und Sitzland der Reederei Oceanwide Expeditions.

Evakuierung einer möglicherweise mit dem Hantavirus infizierten Person, am Flughafen von Amsterdam
Evakuierung einer möglicherweise mit dem Hantavirus infizierten Person, am Flughafen von Amsterdam© AFP | LINA SELG

Hantavirus: Sechs Deutsche auf der „MV Hondius“

Aus dem deutschsprachigen Raum geht es noch um die Rückholung von fünf deutschen Passagieren, einem deutschen Besatzungsmitglied sowie des Leichnams der am 2. Mai an Bord verstorbenen 78 Jahre alten Rentnerin aus Passau. Eine weitere deutsche Staatsangehörige, eine 65 jJahre alte Kontaktperson der Verstorbenen, war bereits zuvor ausgeflogen und zur vorsorglichen Abklärung ins Universitätsklinikum Düsseldorf gebracht worden.

Zudem wird ein früherer Schweizer Passagier im Universitätsspital Zürich behandelt; er war bereits mit seiner Ehefrau auf der Atlantikinsel St. Helena von Bord gegangen und wurde nach seiner Rückkehr in die Schweiz positiv auf das Hantavirus getestet.

Die spanischen Staatsbürger an Bord, darunter 13 Passagiere und ein Besatzungsmitglied, sollen mit einem Luftwaffenflugzeug nach Madrid geflogen und anschließend in ein Militärkrankenhaus gebracht werden. Dort ist eine Quarantäne unter medizinischer Aufsicht vorgesehen. Wie lange die Quarantäne dauern wird, ist noch offen. 

Nach Abschluss der Rückholaktion soll das Schiff desinfiziert und anschließend in die Niederlande überführt werden. Noch ist offen, wer die Desinfektion übernimmt und wie genau sie ablaufen soll. Während Spaniens Behörden Einsatzpläne schreiben und Hotels auf Teneriffa ihre Gäste zu beruhigen versuchen, ist von der Abenteuerlust und Reisefreude zu Beginn der Kreuzfahrt nur noch wenig geblieben.

Die „MV Hondius“ war Anfang April zu einer teuren Expeditionsfahrt von Ushuaia in Argentinien über die Antarktis und abgelegene Inseln des Südatlantiks aufgebrochen. Für viele Passagiere sollte es eine Traumreise werden.

Eine Nachbarin der am 2. Mai auf dem Schiff verstorbenen deutschen Rentnerin aus Passau erzählte später der „Passauer Neuen Presse“, die 78-Jährige habe ihr von unterwegs noch Bilder übermittelt. „Über WhatsApp schickte sie mir Fotos. Ihr hat die Reise gefallen. Sie hatte Spaß.“ Von der dramatischen Entwicklung an Bord hatte die Nachbarin nichts gewusst. Die Todesnachricht sei völlig unerwartet gekommen. „Es war ein Schock.“