Das Virusdrama auf dem Expeditionskreuzfahrtschiff „MV Hondius“ lässt die Urlauber schier verzweifeln. Die Lage sei extrem unübersichtlich, schildert der amerikanische Reiseblogger Jake Rosmarin auf Instagram.

„Ich bin gerade an Bord der MV Hondius, und was hier gerade passiert, ist für uns alle sehr real“, sagte Rosmarin in einem Video, das er am Montag auf Instagram teilte. „Wir sind nicht nur eine Geschichte, wir sind nicht nur Schlagzeilen. Wir sind Menschen. Menschen mit Familien, mit einem Leben, mit Menschen, die zu Hause auf uns warten.“ „Es gibt viele Unsicherheiten, und das ist das Schwierigste“, fügte Rosmarin hinzu.

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WHO-Experten zu Kreuzfahrtschiff-Passagieren: „Wir wissen, dass ihr Angst habt“

WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove wandte sich an die Menschen auf der „Hondius“, die derzeit in ihren Kabinen bleiben sollten. „Wir wissen, dass ihr Angst habt“, sagte sie. Die WHO setze sich für eine medizinische Versorgung auf der Heinreise ein. Am Mittwoch wurde ein weiterer Krankheitsfall bekannt.. Laut WHO hatten die Schweizer Behörden bei einem früheren Passagier eine Hantavirus-Infektion bestätigt. Damit steigt die Zahl der bekannten Krankheitsfälle im Zusammenhang mit der Reise auf acht. Mittlerweile wurde bekannt, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

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Der erkrankte Schweizer befindet sich nach Angaben des Berner Bundesamts für Gesundheit (BAG) im Zürcher Universitätsspital. Er war zuvor Passagier auf dem Kreuzfahrtschiff. Nach Angaben des BAG war der Mann zusammen mit seiner Ehefrau Ende April von einer Südamerikareise mit der „MV Hondius” in die Schweiz zurückgekehrt. 

Nachdem er Krankheitssymptome bemerkt hatte, begab er sich nach Absprache mit seiner Hausärztin ins Universitätsspital Zürich, wo er umgehend isoliert wurde. Ein Test ergab ein positives Resultat auf das Andesvirus, eine in Südamerika vorkommende Hantavirus-Variante. Die Ehefrau des Mannes zeige bisher keine Symptome und habe sich vorsorglich in Selbstisolation begeben, hieß es weiter. 

Drei erkrankte Personen wurden bereits evakuiert

Am Mittwoch wurden drei Personen vom Kreuzfahrtschiff evakuiert und in Ambulanzflugzeuge verlegt. Anschließend sollte das Schiff von den Kapverden aus Kurs auf Teneriffa nehmen – die Fahrt dauert etwa drei Tage. Bei den Evakuierten handelt es sich zum einen um den schwer erkrankten niederländischen Bordarzt und um eine britische Person mit Krankheitssymptomen – die beiden wurden zur Behandlung in die Niederlande geflogen. Sowie um eine deutsche Person, die mit der am 2. Mai an Bord verstorbenen 78 Jahre alten Deutschen aus Passau in Kontakt stand und nach Deutschland transportiert wurde. Dort soll sie unter Quarantäne gestellt werden.

Am 6. Mai 2026 wurde im Hafen von Praia, der Hauptstadt von Kap Verde, Gesundheitspersonal, das vom Kreuzfahrtschiff MV Hondius zurückkehrte, in eine speziellen Krankenwagen gebracht.
Am 6. Mai 2026 wurde im Hafen von Praia, der Hauptstadt von Kap Verde, Gesundheitspersonal, das vom Kreuzfahrtschiff MV Hondius zurückkehrte, in eine speziellen Krankenwagen gebracht. © AFP | -

Die seit Tagen vor den Kapverden liegende „MV Hondius” soll unterdessen Kurs auf die spanische Kanareninsel Teneriffa nehmen. Spaniens Regierung gab grünes Licht und folgt damit einer Bitte der WHO und der Niederlande, dem Heimatland der Reederei. Auf den Kanaren sorgte diese Entscheidung hingegen für große Unruhe, und die kanarische Regionalregierung protestierte heftig. Wie die niederländische Reederei Oceanwide Expeditions mitteilte, sollen zudem vor der Weiterfahrt des Schiffes Richtung Kanaren zwei Fachärzte für Infektiologie aus den Niederlanden an Bord der „MV Hondius“ gehen. Ein weiterer Arzt befindet sich laut Reederei bereits auf dem Schiff.

Kreuzfahrtschiff: Streit zwischen Kanaren und spanischer Zentralregierung

Die Entscheidung, das Schiff auf die Kanaren fahren zu lassen, ist politisch umstritten. Die spanische Zentralregierung hat dem Kreuzfahrtschiff die Weiterfahrt erlaubt. Die kanarische Regionalregierung lehnt die Aufnahme des Schiffes zwar wegen Sicherheitsbedenken ab, muss sich aber der Entscheidung der nationalen Regierung fügen. Kanarenpräsident Fernando Clavijo sagte, es gebe nicht genügend Informationen, um die Bevölkerung zu beruhigen. „Wir kennen das Ausmaß der Krise nicht, deshalb weiß ich nicht, ob wir vorbereitet sind oder nicht”, erklärte Clavijo.

Ausbruch des Hanta-Virus auf Kreuzfahrtschiff hat drei Todesopfer gefordert

Das spanische Gesundheitsministerium versucht dagegen, die Sorgen zu zerstreuen. Der Virusausbruch sei auf das Schiff begrenzt. Selbst wenn unter den Passagieren weitere Risikokontakte oder symptomatische Fälle festgestellt würden oder kranke Personen in Spanien behandelt werden müssten, sei das Gesundheitssystem darauf vorbereitet. 

Der Ausbruch hat bisher drei Todesfälle gefordert. Neben der Deutschen starb nach Angaben der Reederei am 11. April ein niederländischer Passagier an Bord. Seine Frau, ebenfalls niederländischer Nationalität, erkrankte später und starb nach dem Verlassen des Schiffes auf dem Rückweg.

An Bord befinden sich laut der Reederei Oceanwide Expeditions 149 Personen: 88 Passagiere und 61 Besatzungsmitglieder. Zu den größten Passagiergruppen zählen 19 Briten, 17 US-Amerikaner, 13 Spanier, acht Niederländer und sechs Deutsche. Die Besatzung besteht überwiegend aus philippinischen Crewmitgliedern; außerdem gehören auch Ukrainer, Niederländer, Briten sowie ein Deutscher zur Besatzung.

Die „MV Hondius“ war auf einer Expeditionsreise von Ushuaia in Argentinien über die Antarktis und mehrere abgelegene Inseln im Südatlantik unterwegs. Die Reise sollte ursprünglich am 4. Mai auf den Kapverdischen Inseln enden..