Zusammenfassung
- Auf einem Kreuzfahrtschiff sind mehrere Menschen nach einer Hantavirus-Infektion gestorben
- Die Ursache und das genaue Ausmaß des Ausbruchs sind noch unklar
- Eine Infektion gilt als selten – und eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist ungewöhnlich
An Bord des Expeditionskreuzfahrtschiff „MV Hondius“ hat ein Hantavirus-Ausbruch drei Menschen das Leben gekostet. Nun warnt die Weltgesundheitsorganisation: Bei dem Anden-Typ des Virus, der in diesem Fall vermutet wird, sei eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich. „Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt“, sagte die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerhove am Dienstag in Genf.
Der erste auf dem Schiff erkrankte Passagier habe sich vermutlich infiziert, bevor er an Bord gegangen sei. Drei Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „MV Hondius“ waren nach einem Hantavirus-Ausbruch gestorben, darunter ein niederländisches Ehepaar und ein Deutscher. Bei zwei der Todesopfer wurde das Virus inzwischen durch Labortests nachgewiesen, zudem gibt es laut WHO fünf weitere mutmaßliche Hantavirus-Fälle.
Van Kerkhove schloss nicht aus, dass die Infektionen auch von Nagetieren auf afrikanischen Inseln stammen könnten, die im Zuge der Kreuzfahrt angefahren wurden. Laut Schiffsbetreiber seien keine Ratten an Bord, so die WHO-Expertin.
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Kreuzfahrtschiff „Hondius“ steuert Kanaren nach Todesfällen an
Ein schwer kranker Patient wird in Südafrika auf der Intensivstation behandelt, drei weitere haben leichtere Symptome und befinden sich laut WHO weiterhin an Bord des vor der Küste der Kapverden liegenden Schiffs. Die Behörden von Kap Verde weigern sich, die Passagiere an Land zu lassen. Die Stimmung an Bord der „Hondius“ sei „ruhig“ und die knapp 150 Passagiere seien „insgesamt gefasst“, hieß es.
Laut der WHO-Epidemiespezialistin soll das Schiff nun voraussichtlich zu den Kanarischen Inseln fahren. Spanien habe sich bereit erklärt, die „MV Hondius“ anlegen zu lassen, sagte Van Kerkhove. Ziel sei es, den Vorfall zu untersuchen, das Schiff gründlich zu desinfizieren und das Risiko für die verbleibenden Passagiere zu bewerten. Für drei Personen sei eine medizinische Evakuierung über Kap Verde geplant, eine Inselgruppe vor der Westküste Afrikas. Der Transport von zwei Patienten an Bord in die Niederlande werde derzeit vorbereitet, sagte Van Kerkhove. Aktuell liegt das Schiff dort vor dem Hafen von Praia.
Kreuzfahrtschiff „Hondis“: Drei Personen werden medizinisch evakuiert
Das Kreuzfahrtschiff hatte sich vor einigen Wochen auf den Weg von Argentinien nach Kap Verde gemacht. Unterwegs kam es dann zu mehreren Todesfällen. Bislang sind drei Passagiere der „Hondius“ gestorben. Wie die Reederei Oceanwide Expeditions am Montag mitteilte, handelt es sich bei den drei Toten um zwei Menschen aus den Niederlanden und eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit.
Der deutsche Passagier sei am 2. Mai verstorben, die Todesursache noch ungeklärt. Die Reederei spricht von einer „ernsten medizinischen Situation an Bord“. Zwei Besatzungsmitglieder litten derzeit unter akuten Atemwegsbeschwerden, eines mit leichten und eines mit schweren Symptomen. „Beide benötigen dringend medizinische Versorgung.“ Bisher seien keine weiteren Personen mit Symptomen identifiziert worden.
Hantavirus-Ausbruch auf der „MV Hondius“: viele offene Fragen
Trotz der bestätigten Todesfälle ist das Ausmaß des Ausbruchs noch unklar. Auch die genaue Ursache der Infektionen ist Gegenstand laufender Ermittlungen. Hantaviren werden in der Regel durch Nagetiere übertragen. Menschen infizieren sich meist, wenn virusbelastete Partikel aus getrocknetem Urin, Kot oder Speichel von Tieren eingeatmet werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt als äußerst selten.
Experten weisen zudem darauf hin, dass zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit mehrere Wochen liegen können. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass sich weitere Fälle erst in den kommenden Tagen oder Wochen zeigen.
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Seltene, aber schwere Erkrankung
Hantaviren können beim Menschen schwere Krankheitsverläufe auslösen. Dazu zählen vor allem das sogenannte Hantavirus-Lungensyndrom, das mit Atemnot einhergeht, sowie hämorrhagische Fieberformen, die unter anderem die Nieren betreffen können.
Typische Symptome einer Hantavirus-Infektion beginnen oft eher unspezifisch mit Fieber, starker Müdigkeit und Muskelschmerzen. Im weiteren Verlauf kann sich die Krankheit jedoch deutlich verschlimmern und zu Atemproblemen oder Schäden an Organen wie den Nieren führen.
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Weltweit gilt die Erkrankung insgesamt als selten: Jährlich werden etwa 150.000 solcher schweren Verläufe registriert, vor allem in Europa und Asien. Ein Großteil dieser Fälle tritt in China auf. Die Sterblichkeit kann – je nach Krankheitsform – hoch sein. Beim Lungensyndrom liegt sie Schätzungen zufolge bei rund 38 Prozent.
Eine gezielte Therapie gegen das Virus gibt es bislang nicht. Behandelt werden vor allem die Symptome, etwa durch Sauerstoffgabe, intensivmedizinische Betreuung oder in schweren Fällen durch künstliche Beatmung und Dialyse.
Ungewöhnlicher Ort für einen Ausbruch
Fachleute halten einen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff für ungewöhnlich. Da die Krankheit in der Regel nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird, gehen einige Experten davon aus, dass sich die Betroffenen bereits vor Reisebeginn infiziert haben könnten.
Gleichzeitig gelten Kreuzfahrtschiffe durch die enge räumliche Situation grundsätzlich als sensible Orte für Infektionsgeschehen. Ob es in diesem Fall zusätzliche Übertragungswege gab oder gemeinsame Infektionsquellen eine Rolle spielen, ist noch unklar.
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Ermittlungen laufen
Die WHO und nationale Gesundheitsbehörden untersuchen den Vorfall derzeit intensiv. Ziel ist es, mögliche Infektionsketten nachzuvollziehen und weitere Risiken auszuschließen.
Für die übrigen Passagiere und die Besatzung wurde medizinische Betreuung organisiert. Ob und in welchem Umfang weitere Erkrankungen auftreten, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen.
mit Agenturen





