Die Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 41 Todesopfern, darunter sechs italienische Jugendliche, belastet weiterhin die Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien. Auslöser neuer Spannungen ist die Schweizer Forderung, Italien solle für die Krankenhauskosten dreier Opfer aufkommen. In diesem Zusammenhang wurden den Familien der Betroffenen Rechnungskopien mit hohen Beträgen für kurze Krankenhausaufenthalte zugeschickt.

Insgesamt geht es um rund 108.000 Euro für die Versorgung von Jugendlichen in einem Krankenhaus in Sion. Einige Verletzte waren weniger als 15 Stunden in der Schweizer Klinik, bevor sie nach Mailand in das auf Brandverletzungen spezialisierte Niguarda-Krankenhaus verlegt wurden. Zwar war auf den Rechnungen vermerkt, dass die Beträge nicht von den Familien direkt bezahlt werden müssten, dennoch sorgte die kommentarlose Zusendung für breite Empörung.

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Giorgia Meloni nennt Verschicken von Rechnungen „Beleidigung“

Besonders kritisch äußerte sich Umberto Marcucci, dessen Sohn erst drei Monate nach dem Unglück aus einer italienischen Klinik entlassen werden konnte. Er sprach von einem Schock angesichts der unerwarteten Mitteilung mit unkommentierten Zahlen. Auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte empört. Das Verschicken von Rechnungen in Höhe von Zehntausenden Euro sei eine „Beleidigung“, wie sie erklärte, und Ausdruck „unmenschlicher Bürokratie“.

Sie beauftragte den italienischen Botschafter in Bern, Gian Lorenzo Cornado, den Fall mit den Schweizer Behörden zu klären. Dieser traf sich daraufhin mit dem Walliser Regierungspräsidenten Mathias Reynard und sprach anschließend von ausgeräumten Missverständnissen. Die Familien müssten nichts bezahlen, und auch gegenüber dem italienischen Staat würden keine Forderungen erhoben.

Kritik kam zudem vom italienischen Parlamentarier Andrea Pellicini, Mitglied der interparlamentarischen Freundschaftsgruppe Italien-Schweiz. Pellicini bemängelte, die Schweiz habe die Tragweite des Unglücks noch immer nicht erkannt. Es handle sich nicht um ein lokales Ereignis, „sondern um eine europäische Katastrophe“. Die verschickten Rechnungen bezeichnete er als „kalte Bürokratie ohne Würde“.

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Italien zog sogar Botschafter aus der Schweiz zurück

Der Streit um die Abrechnungen ist nicht der erste Konflikt zwischen beiden Ländern im Zusammenhang mit der Katastrophe. Bereits am 24. Januar hatte Italien seinen Botschafter vorübergehend zurückgerufen, um Unmut über die Ermittlungen der Walliser Behörden und insbesondere über die Freilassung des Barbesitzers Jacques Moretti zu äußern, in dessen Lokal das Feuer ausgebrochen war. Mitte Februar vereinbarten italienische und Walliser Fahnder schließlich eine engere Zusammenarbeit zur Aufklärung der Tragödie. Ende März reiste ein italienischer Staatsanwalt mit Ermittlern in die Schweiz, um Einsicht in die Akten zu nehmen. Am 6. April kehrte der italienische Botschafter wieder nach Bern zurück, um die Kooperation vor Ort weiter zu begleiten.

Bei dem Brand in der Silvesternacht in der Bar „Le Constellation“ kamen 41 Menschen ums Leben, 115 weitere wurden teils schwer verletzt. Unter den Opfern befinden sich sechs Tote und zehn Verletzte aus Italien.