„Nicht alle Männer, aber immer ein Mann“ – dieser Satz im Kontext von Gewalt gegen Frauen sitzt. Er tut weh, macht wütend, regt viele auf, löst Abwehr aus. Männer, die sofort sagen: „Ich doch nicht!“, Frauen, die reflexhaft hinzufügen: „Das ist viel zu pauschal.“ Diese Reflexe sind menschlich – aber sie verschieben das Problem. Wir reden über gekränkte Gefühle – statt darüber, dass insbesondere sexualisierte Gewalt statistisch nachweislich primär von Männern ausgeht.

Diese unbequeme Wahrheit machen prominente Fälle wie Ulmen/Fernandes präsent. Klar: Bequemer ist es, sich als „einer von den Guten“ aus der Debatte herauszuhalten. Doch genau dem soll der Satz entgegenwirken. Er will nicht jedem einzelnen Mann persönlich eins überziehen. Er erinnert daran, dass hinter der Statistik ein „System“ steckt.

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Er richtet den Blick weg vom Einzelfall auf das Muster dahinter: patriarchale Strukturen, in denen Männlichkeit mit Macht, Dominanz und Kontrolle verknüpft ist – und in denen Grenzverletzungen verharmlost, entschuldigt oder geschluckt werden. Und viele profitieren von diesem System, auch wenn sie selbst nie zu Tätern werden. Das auszuhalten ist unbequem. Wer nur denkt „Ich fühle mich zu Unrecht beschuldigt“, verpasst den Punkt. Die Frage ist nicht: Ist man „einer von denen“? Sondern: Will man Teil der Lösung sein und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen?

Anne-Kathrin Neuberg-Vural
Anne-Kathrin Neuberg-Vural, Redakteurin Ratgeber & Wissen im Ressort Leben der Funke Zentralredaktion. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Heißt konkret: nicht beleidigt abtauchen, sondern zuhören, nachfragen, widersprechen, wenn Frauen abgewertet werden – im Chat, im Büro, beim Stammtisch. Eingreifen, wenn im Freundeskreis etwa über die „Psycho-Ex“ gelacht wird. Glauben, wenn Frauen von Übergriffen erzählen, statt reflexartig das Opfer zu hinterfragen. Genau da beginnt Veränderung – nicht bei „Nicht alle Männer“.

Anmerkung der Redaktion

Von (häuslicher) Gewalt betroffene Personen können sich an die Telefonseelsorge wenden. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt. Das Opfer-Telefon des Weißen Rings ist unter 116 006 erreichbar. Opfer und Zeugen von häuslichen Gewalttaten können – bei Tag und Nacht – über den Notruf 110 Hilfe holen.

Frauen erhalten zudem Unterstützung beim bundesweiten Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ der Bundesregierung unter der 116 016. Der Anruf ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Über die Internetseite www.hilfetelefon.de können sich Betroffene zudem online per E-Mail oder Chat beraten lassen.

Das Männerhilfetelefon ist unter der bundesweiten Telefonnummer 0800 123 99 00 zu erreichen. Hilfe erhalten Betroffene auch im Internet auf der Seite der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz.