Die Entdeckung eines angelsächsischen Doppelgrabes auf einem Friedhof in Cherington, einem Dorf im Südwesten Englands, stellt die Archäologen weiterhin vor offene Fragen. Mithilfe einer DNA-Analyse konnte zwar das Verwandtschaftsverhältnis der beiden gemeinsam bestatteten Kinder geklärt werden, die einander zugewandt beigesetzt wurden, doch bleibt die Ursache ihres Todes bislang ungeklärt. Handelt es sich um eine schwere Infektionskrankheit?

Ungewöhnliches Doppelgrab fasziniert die Archäologen

Die Entdeckung des Grabes übt auf die Forschung eine besondere Faszination aus, wobei vor allem die Haltung der beiden Kinder als außergewöhnlich gilt. Zum einen wurde das Skelett eines etwa sieben bis acht Jahre alten Jungen freigelegt, der ein Eisenschwert in der Hand hielt. Zum anderen fand sich das Skelett eines jugendlichen Mädchens, das mit einer Halskette sowie einer Nähkiste ausgestattet war. Eine durch Jacqueline McKinley, Osteoarchäologin bei Wessex Archaeology, durchgeführte DNA-Analyse ergab, dass es sich bei den beiden Individuen um Geschwister handelt.

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Wie die Wissenschaftlerin im „Time-Team“-Podcast ausführt, wurden beide Kinder zeitgleich bestattet. Die ältere Schwester war ihrem jüngeren Bruder zugewandt und lag auf einem leicht erhöhten Niveau, was darauf hindeutet, dass ihr Körper ursprünglich auf mittlerweile zersetzten Kissen gebettet war. Zudem hielt sie den Jungen im Arm. Aus dieser Befundlage schließen die Forschenden, dass zwischen den beiden eine enge soziale und emotionale Bindung bestand, wobei die Schwester vermutlich eine zentrale Bezugsperson für den Jungen darstellte.

Was war die Todesursache?

Die Todesursache der beiden Kinder bleibt bislang ungeklärt und stellt weiterhin ein zentrales Forschungsproblem dar. Aufgrund des gleichzeitigen Versterbens der Geschwister vermutet Jacqueline McKinley, dass eine rasch verlaufende Infektion für ihren Tod verantwortlich gewesen sein könnte. Sie geht davon aus, dass zunächst der jüngere Bruder erkrankte und sich die ältere Schwester im weiteren Verlauf ansteckte. Zusätzliche DNA-Analysen könnten künftig nähere Hinweise zur Klärung dieser Frage liefern.

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Erschwert wird die Untersuchung durch den Umstand, dass bestimmte Krankheitserreger, die lebensbedrohliche Erkrankungen wie Sepsis oder Meningitis verursachen, unter Umständen keine nachweisbaren genetischen Spuren hinterlassen. Dies minimiert die Möglichkeiten einer eindeutigen Bestimmung der Todesursache erheblich. Gleichwohl eröffnet die Entdeckung neue wissenschaftliche Perspektiven, wie im „Time Team“-Podcast hervorgehoben wird. Insbesondere verweist sie auf die sozialen Dimensionen des Befundes und legt nahe, das familiäre Umfeld der Kinder stärker in die Interpretation einzubeziehen. Der gleichzeitige Verlust zweier Kinder dürfte für die betroffene Gemeinschaft eine erhebliche Belastung dargestellt haben.

Darüber hinaus kommt dem Doppelgrab eine besondere Bedeutung zu, da bei vergleichbaren Befunden, etwa in der Region Wiltshire, bislang kein Verwandtschaftsverhältnis zwischen gemeinsam bestatteten Individuen nachgewiesen werden konnte. Doppelbestattungen bieten somit ein wichtiges Potenzial zur Rekonstruktion historischer Beziehungen und sozialer Strukturen.