Es hätte kaum einen schlechteren Zeitpunkt geben können. Kurz vor Mitternacht am Mittwoch brach in der Corio-Raffinerie von Viva Energy in Geelong, südwestlich von Melbourne, ein Großbrand aus. Explosionen, Flammen, ein Turm voller Flüssiggas, den die Feuerwehr aus der Ferne kühlen muss, weil die Hitze jeden direkten Einsatz unmöglich macht. 50 Feuerwehrleute standen am Donnerstagmorgen um das Feuer herum – und konnten im Grunde nur zusehen.

Australien steckt seit Wochen in einer Energiekrise. Seit die Straße von Hormus im Februar blockiert wurde, sind die Benzin- und Dieselpreise explodiert, haben Hunderte Tankstellen erste Engpässe gemeldet und sieht sich die Regierung von Premierminister Anthony Albanese mit einem Problem konfrontiert, das das Land jahrzehntelang verdrängt hatte: Es importiert 90 Prozent seines Kraftstoffs – und seine strategischen Reserven reichen gerade für 39 Tage, weit weniger als die von der Internationalen Energieagentur empfohlenen 90.

Die Regierung hatte zuletzt Zeichen gesetzt, dass ihr Krisenmanagement greift. Die Kraftstoffsteuer wurde halbiert, Raffineriesubventionen verlängert, Ölreserven freigegeben. Albanese reiste durch die Region – Singapur, Brunei, Malaysia –, um Lieferversprechen zu sichern und im Gegenzug australische Gasunterstützung anzubieten. Diesel hatte sich in manchen Regionen sogar leicht stabilisiert, doch Fluggesellschaften hatten angesichts steigender Kerosinkosten einige Verbindungen in den vergangenen Tagen eingeschränkt.

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Die Corio-Raffinerie produziert 50 Prozent des Kraftstoffs für den Bundesstaat Victoria und zehn Prozent des nationalen Bedarfs. Energieminister Chris Bowen sprach am Donnerstagmorgen im Fernsehen von einem „denkbar ungünstigen Zeitpunkt“. Eine Untertreibung. Zwei Benzinproduktionseinheiten sind vom Feuer betroffen – jener Kraftstoff also, für den an australischen Tankstellen bereits Schlangen stehen. Diesel und Kerosin hingegen laufen in reduziertem Betrieb weiter; die stellvertretende Kommissarin der Feuerwehr, Michelle Cowling, betonte bei ABC, dass der Brand insofern „die ohnehin angespannte Treibstoffsituation nicht weiter verschärfe“.

Brand in Raffinerie in Australien
Schäden sind in der Raffinerie von Viva Energy Geelong zu sehen.© Jay Kogler/AAP/dpa | Jay Kogler

Rystad-Analyst Gero Farruggio sah das jedoch anders: „Wir befinden uns derzeit in Stufe zwei – das Land am Laufen halten“, sagte er gegenüber dem staatlichen Sender. Aber angesichts einer brennenden Raffinerie sei jede Lieferung entscheidend. „Besonders für Victoria ist Stufe drei wohl unvermeidlich.“ Stufe drei würde bedeuten: Kraftstoff wird priorisiert, kritische Infrastruktur geht vor, der Normalverbraucher muss zurückstecken. Farruggio warnte zudem: Selbst im Falle eines Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran seien noch „einige Monate der Unterbrechung“ zu erwarten.

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Gerätefehler als Brandursache

Wie groß der tatsächliche Schaden für die Versorgung sein wird, ist unter Experten umstritten. Professor Yuan Chen von der Universität Sydney mahnt zur Besonnenheit: Australiens beide verbliebene Raffinerien deckten zusammen ohnehin nur zehn bis 20 Prozent des nationalen Kraftstoffbedarfs. Der Rest komme aus einer diversifizierten Lieferkette – vor allem aus Singapur, Südkorea und Malaysia –, die „eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber kurzfristigen inländischen Versorgungsengpässen“ biete. Eine Störung in einer einzelnen Anlage dürfte daher nur einen begrenzten Teil der gesamten Verfügbarkeit beeinträchtigen.

Langfristig verweist Chen jedoch auf ein strukturelles Problem: Die Raffinerie in Geelong stamme aus den 1950er Jahren. Bei einem Hochtemperaturprozess, bei dem Rohöl auf bis zu 400 Grad erhitzt, verdampft und in verschiedene Fraktionen zerlegt werde, erhöhe Anlagenverschleiß im Laufe der Zeit die Wahrscheinlichkeit von Zwischenfällen – wenn nicht sorgfältige Wartungssysteme gegensteuern. Die Brandursache war laut Feuerwehr dann auch ein „Gerätefehler“.

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Sicherheit hat Vorrang vor Produktion

Für Joy Toose, Klimakampagnenleiterin von Environment Victoria, ist der Brand mehr als ein Einzelfall. Sie macht die veraltete Infrastruktur der fossilen Brennstoffindustrie direkt verantwortlich und fordert eine Beschleunigung des Übergangs zu erneuerbaren Energien: Die Anlage stelle „auch im Jahr 2026 noch inakzeptable Risiken für Arbeiter, lokale Gemeinden, Natur und unser Klima dar“. Angesichts der globalen Treibstoffkrise, so Toose, sei dieser Vorfall ein weiteres deutliches Argument dafür, Victorias bereits weit fortgeschrittenen Umstieg auf erneuerbare Energien zu beschleunigen.

Viva-Energy-Chef Scott Wyatt sagte am Donnerstag, Sicherheit habe jetzt Vorrang vor Produktion. Wann die Raffinerie wieder vollständig hochfährt, ist unklar.