Nach einer Strafanzeige von Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen auf Mallorca gibt die spanische Justiz den Fall an Deutschland ab. Die zuständige Richterin in Palma habe nun diese Entscheidung getroffen, teilte die Justizsprecherin auf der spanischen Mittelmeerinsel der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Damit bestätigte die Sprecherin einen Bericht der „Mallorca Zeitung“.

Die Richterin der Kammer für Gewalt gegen Frauen am erstinstanzlichen Gericht in Palma folgt mit ihrer Entscheidung der Argumentation der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Palma bereits mitgeteilt, dass sie Spanien nicht für zuständig hält. Die Anwälte von Collien Fernandes könnten gegen die Entscheidung jedoch noch vor einer höheren Instanz in Spanien Einspruch einlegen, ließ die Sprecherin wissen.

Fernandes wirft Ulmen vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die „initiale Berichterstattung“ des „Spiegels“ gerichtliche Schritte einzuleiten. Der Fall löste in Deutschland eine breite Debatte über sexualisierte Gewalt und Demonstrationen in mehreren deutschen Städten aus.

„Mutmaßlich auf deutschem Hoheitsgebiet begangen“

Vor ihrem Umzug 2023 nach Mallorca hatten Fernandes und der Schauspieler Christian Ulmen in Potsdam gewohnt. Das Gericht auf Mallorca sieht keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür, dass die mutmaßlichen Taten überwiegend in Spanien begangen wurden.

In einem von der Sprecherin zur Verfügung gestellten Beschlusstext weist die Richterin darauf hin, dass „die wesentlichen Umstände, die zur Einreichung der Anzeige geführt haben, mutmaßlich auf deutschem Hoheitsgebiet begangen wurden oder über digitale Plattformen, die auf Deutsch veröffentlichen“.

Zudem handele es sich sowohl bei der Klägerin als auch beim Angeklagten um deutsche Staatsangehörige, wird hervorgehoben. Auch die benannten Zeugen seien deutsche Staatsangehörige, in Deutschland ansässig und sprächen Deutsch. Sämtliche vorgelegten Gespräche müssten aus dem Deutschen übersetzt werden, da keine der Parteien Spanisch spreche.

Fall geht an die Staatsanwaltschaft Itzehoe

Auch eine mögliche digitale Hetzkampagne mit Auswirkungen auf Mallorca begründe keine Zuständigkeit spanischer Gerichte, da Collien Fernandes in Deutschland deutlich bekannter sei als in Spanien, heißt es. Die deutsche Gerichtsbarkeit sei aus all den genannten Gründen in einer „privilegierten Position, die von ihr bereits eingeleiteten Ermittlungen fortzusetzen“.

Die mallorquinische Richterin ordnete „die vollständige Weiterleitung der Akten an die zuständige deutsche Staatsanwaltschaft“ an, „konkret an die Staatsanwaltschaft Itzehoe“.

Potsdam übernimmt Ermittlungen in einem anderen Fall

In Deutschland will unterdessen die Staatsanwaltschaft Potsdam die Ermittlungen in einer anderen Strafanzeige Fernandes‘ übernehmen. Die Schauspielerin hatte in Itzehoe, Schleswig-Holstein, bereits 2024 Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Potsdam werde übernehmen, weil Fernandes hier ihren Wohnort hatte, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Nun würden die Akten der Staatsanwaltschaft Itzehoe in Schleswig-Holstein in Brandenburg geprüft und geschaut, ob sich ein Anfangsverdacht begründen lasse. „Möglicherweise bedarf es weiterer Unterlagen oder weiterer Auskünfte der Anzeigenstellerin.“

Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow von der Staatsanwaltschaft Itzehoe hatte am Freitag zur Abgabe des Falls nach Potsdam gesagt, durch die Prüfung „bezüglich der vorgeworfenen Handlungen“ hätten sich Hinweise auf mögliche Tatorte im dortigen Bezirk ergeben. Nähere Angaben machte er nicht. 

Ob Potsdam auch die Strafanzeige von Fernandes gegen Ulmen auf Mallorca übernehme, sei noch nicht bekannt, so die Sprecherin. Die spanische Justiz hatte bekanntgegeben, den Fall an Deutschland abzugeben: Die zuständige Richterin in Palma habe diese Entscheidung getroffen, teilte die Justizsprecherin in Spanien mit. Fernandes hatte auch eine breite Debatte über sexualisierte Gewalt und Demonstrationen in mehreren deutschen Städten ausgelöst.

Zur Berichterstattung im Fall Fernandes

Gegen Christian Ulmen stehen schwere Vorwürfe im Raum. Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat Ulmen in Spanien angezeigt, wegen mutmaßlicher Vortäuschung einer Identität, Verletzung von Geheimnissen, Beleidigung mit öffentlicher Verbreitung, fortgesetzter Misshandlung und schwerer Bedrohung. Um die Erstellung von Deepfake-Pornos ging es dabei ausdrücklich nicht. Die spanische Justiz hat die Strafanzeige von Collien Fernandes an Deutschland abgegeben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt derweil wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt gegen Christian Ulmen.

Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Der Schauspieler weist die Vorwürfe zurück. Das Landgericht Hamburg hat Anfang Mai einen Großteil der im März erschienenen „Spiegel“-Berichterstattung für zulässig erklärt. Fernandes hatte darin die Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann öffentlich gemacht. Im Juni urteilte auch das Hanseatische Oberlandesgericht, der „Spiegel“ dürfe weiter über die Gewaltvorwürfe berichten.

pcl/dpa