Gut zwei Monate vor der Spanienreise von Papst Leo XIV. laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Vom 6. bis 12. Juni wird das katholische Kirchenoberhaupt Madrid, Barcelona und die Kanaren besuchen. Es ist seine erste große Reise in ein großes EU-Land – sie steht unter dem Motto „Hebt den Blick“. Einer der Höhepunkte soll eine Messe in der weltberühmten Gaudí-Basilika Sagrada Família in Barcelona werden. Dort soll Papst Leo den neuen Jesus-Turm einweihen – das Bauwerk ist mit 172,5 Metern der höchste Kirchturm der Welt. 

Doch bevor der Papst anreist, rückt ein brisantes Thema in den Mittelpunkt: das Geld. Denn Papstbesuche sorgen seit Jahren nicht nur für religiöse Begeisterung, sondern auch für Streit über Kosten, Prunk und die Frage, wer am Ende dafür bezahlt.

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Spanienbesuch von Leo XIV.: „Keine Finanzierung durch den Staat“

Genau deshalb versucht die katholische Kirche in Spanien diesmal, die Finanzierung des Großereignisses von Anfang an anders aufzuziehen. Die spanische Bischofskonferenz setzt demonstrativ auf ein privat getragenes Modell – mit Spenden der Gläubigen und Sponsorengeldern von Firmen. Auf der offiziellen Internetseite zum Besuch heißt es: „Die Reise des Papstes werden wir gemeinsam bezahlen – alle, die sich wünschen, dass Papst Leo XIV. Spanien besucht, denn der Besuch erhält keine Finanzierung durch den Staat.“ Weiter verspricht die Kirche eine „nüchterne und transparente“ Organisation. 

Mit diesem System will die Kirche ihren Kritikern von vornherein den Wind aus den Segeln nehmen. In der Vergangenheit waren gerade die Millionenbeträge für Papstreisen und kirchliche Weltjugendtage immer wieder Zielscheibe von Protesten. Beim Weltjugendtag 2011 in Madrid, zu dem Papst Benedikt XVI. kam, gab es Demonstrationen gegen hohe Kosten und gegen den Eindruck, dass inmitten einer Wirtschaftskrise öffentliche Mittel in ein kirchliches Großereignis flössen.

Auch in Portugal löste der Weltjugendtag 2023 mit Papst Franziskus heftige Debatten aus. Dort wurde vor allem die riesige Papstbühne in Lissabon zum Symbol für übertriebenen Aufwand. Ein Streetart-Künstler legte damals aus Protest demonstrativ einen Teppich aus übergroßen 500-Euro-Scheinen vor dem Altar aus. Beim Besuch von Franziskus in Osttimor 2024 wurden Organisationskosten von rund zwölf Millionen US-Dollar genannt – in einem armen Land in Südostasien, in dem viele Menschen in prekären Verhältnissen leben. Das sorgte für Kritik und zeigte einmal mehr, wie schnell aus einer Pastoralreise eine politische Kostendebatte werden kann.

Papst Leo XIV. winkt vom Papstmobil in die Menge auf dem Petersplatz im Vatikan.
An Ostern jubelten dem Papst in Rom Tausende Gläubige zu. Auch in Spanien wird mit begeistertem Zulauf gerechnet.© AFP | ALBERTO PIZZOLI

Für 500.000 Euro: „Große Gönner“ bekommen persönliches Treffen

In Spanien soll das nun anders laufen. Die Kirche setzt beim kommenden Papstbesuch im Juni auf drei Finanzierungssäulen: Spenden der Gläubigen, Sponsorengelder von Unternehmen und private Sachleistungen. In den Pfarreien wird bereits gesammelt, auf einer eigens eingerichteten Internetseite können Privatleute spenden, und Firmen sind eingeladen, entweder Geld oder konkrete Leistungen beizusteuern – etwa in Sachen Unterbringung, Transport, Technik, Bildschirmen, Absperrungen, Beschilderung oder anderer logistischer Hilfe.

Besonders delikat ist dabei die gestaffelte Sponsorentabelle, mit der die spanischen Bischöfe um Großspender werben, die mit Gegenleistungen gelockt werden. Diese Tabelle reicht von 1000 Euro bis zu einer Million Euro. Ganz oben steht der „große Gönner“ mit Beiträgen zwischen 500.000 und 1.000.000 Euro. Dafür winken reservierte Plätze bei den Papst-Events, die Platzierung des Firmenlogos auf offiziellen Internetseiten und in Publikationen – und vor allem eine persönliche Begegnung mit dem Papst. „Ein Händedruck des Papstes kostet 500.000 Euro”, titelten spanische Medien.

Darunter folgt die Wohltäter-Stufe mit 250.000 bis 500.000 Euro. Hier winkt immerhin noch eine Gruppen-Audienz mit dem Papst. Es folgen in der Tabelle Spender mit 50.000 bis 250.000 Euro. Am unteren Ende der Gönner-Liste stehen schließlich „Freunde“, die bei Spenden ab 1000 Euro mit einem Zertifikat belohnt werden. Zusätzlichen Anreiz schafft die Kirche mit dem Hinweis auf mögliche Steuererleichterungen: Laut spanischem Gesetz können Spender und Sponsoren erhebliche Teile ihrer Zuwendungen steuerlich geltend machen.

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Für die Sicherheit beim Besuch sorgt der Staat

Die Botschaft hinter all dem ist klar: Der Papstbesuch soll nicht als teures Millionenprojekt erscheinen, das aus Steuermitteln oder aus dem Kirchenhaushalt bezahlt wird, sondern als gemeinschaftlich finanzierte Reise der Gläubigen. Nur die üblichen staatlichen Aufgaben rund um Sicherheit und Zivilschutz sollen aus öffentlichen Mitteln getragen werden – also das, was bei jedem Besuch eines ausländischen Staatsoberhaupts anfällt.

Die Kirche appelliert dabei nicht nur an die Solidarität ihrer Schäfchen, sondern verweist auch auf den wirtschaftlichen Ertrag solcher religiöser Großevents. „Papstreisen bringen einen wirtschaftlichen Impuls für die Städte, die den Papst empfangen“, erklärt Spaniens Bischofskonferenz. Hotels, Restaurants, Geschäfte und Verkehrsbetriebe würden profitieren. Beim Weltjugendtag 2023 in Lissabon mit Papst Franziskus war der ökonomische Nutzen auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzt worden.