Der Fall hat Italien jahrelang in Atem gehalten. Was ist mit der 38-jährigen Chinesin Xing Lei Li passiert, die im Februar 2017 von Bord des Kreuzfahrtschiffes „MSC Magnifica“ verschwand, während es im Mittelmeer unterwegs war?

Ihr 47-jähriger Mann, der Brandenburger IT-Experte Daniel B., war 2022 von einem Schwurgericht in Rom wegen Mordes zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Dem Deutschen wurde vorgeworfen, seine Frau, mit der er in Dublin lebte, während der Kreuzfahrt getötet und die Leiche in einem Koffer über Bord geworfen zu haben. Die Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

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Verschwunden vom Kreuzfahrtschiff: Der Fall wird neu aufgerollt

Im Mai 2025 wurde das Urteil jedoch aufgehoben und der Brandenburger wurde freigesprochen. Das Oberste Gericht in Rom hat nun das Urteil der Berufungsinstanz kassiert und den Fall zur erneuten Verhandlung an das Berufungsgericht zurückverwiesen. Der Berufungsprozess in Rom muss neu aufgerollt werden; ein Termin steht noch aus. Die schriftliche Begründung des Obersten Gerichts, der dritten Instanz im italienischen Justizsystem, wird innerhalb von 90 Tagen erwartet.

Der Fall reicht zurück ins Jahr 2017: Das Ehepaar, dessen Beziehung bereits als schwierig galt, ging am 10. Februar in Genua gemeinsam mit seinen beiden Kindern an Bord. Am 17. Februar wurde B. in Civitavecchia nahe Rom beim planmäßigen Verlassen des Schiffs festgenommen, nachdem das Verschwinden seiner Frau bemerkt worden war. Von Beginn an beteuerte er seine Unschuld. Nach mehreren Monaten Untersuchungshaft kam er frei. 2025 wurde er freigesprochen, weil „die Tat nicht besteht“. Bis heute ist unklar, ob die Frau das Schiff freiwillig verließ oder ob sie getötet wurde.

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Xing Lei Li: Wollte sie ein neues Leben beginnen?

B., der mit seiner Frau und den gemeinsamen Söhnen im Alter von sechs und vier Jahren an Bord gegangen war, behauptete stets, sie habe sich während der Kreuzfahrt still und heimlich entfernt, um ein neues Leben mit einem Mann zu beginnen, mit dem sie eine Beziehung hatte. Schon vor Beginn der Reise hatte sie einem Psychologen gegenüber erklärt, sie sei ihrer Kinder und Europas müde. Dennoch brach das Paar mit beiden Kindern zur Kreuzfahrt auf. Am zweiten Tag der Reise wurde sie nach Angaben der römischen Polizei zuletzt an Bord gesehen.

Seine Darstellung: Er habe das Schiff morgens gemeinsam mit den Kindern für einen Ausflug nach Katakolon in Griechenland verlassen. Als er zurückkam, sei der Koffer seiner Frau mit ihrer gesamten Kleidung verschwunden gewesen. Sie sei in Griechenland von Bord gegangen, weil sie der Kreuzfahrt überdrüssig gewesen sei. Das habe ihn nicht beunruhigt, da sie sich schon öfter so verhalten habe. Die Verschwundene sei unberechenbar gewesen; deshalb habe sein Mandant tagelang keine Vermisstenanzeige erstattet, bis er in Rom festgenommen wurde, so der Anwalt.

Auch die Auswertung der Bordkameras der „MSC Magnifica“ lieferte kein brauchbares Material. Nach einer Zeit in U-Haft wurde der Angeklagte freigelassen. Er kehrte nach Dublin zurück, wo er zuvor mit seiner Frau gelebt hatte. Bei ihm wohnt zudem seine chinesische Schwiegermutter, die fest an seine Unschuld glaubt. Nun muss sich B. erneut vor Gericht verantworten – das Schicksal von Xing Lei Li bleibt weiterhin ein Rätsel.