Am Donnerstag kündigte die englische Polizei an, Ermittlungen gegen Andrew Tate wieder aufzunehmen. Drei Frauen werfen dem Influencer und selbst ernannten Frauenhasser Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch vor. Die Vorfälle sollen sich zwischen 2013 und 2015 ereignet haben. Die Polizei der Grafschaft Hertfordshire untersuchte die Vorwürfe damals, Tate wurde wiederholt festgenommen – aber 2019 stellte die Polizei ihre Ermittlungen ein.
Der jetzige Entscheid der Polizei von Hertfordshire, den Fall wiederaufzunehmen, folgt auf schwere Vorwürfe gegen sie: Die Beamten stehen im Verdacht, bei ihrer Untersuchung geschlampt zu haben. Am Mittwoch machte die Polizeiaufsichtsbehörde Independent Office for Police Conduct bekannt, dass sie gegen drei ehemalige Polizeibeamte wegen groben Fehlverhaltens ermittelt – die Beamten hätten „den Fall angeblich nicht richtig untersucht“.
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Die drei mutmaßlichen Opfer publizierten am Donnerstag ein gemeinsames Statement. Sie begrüßten den Entscheid, dass die Polizei die Ermittlungen wieder aufnimmt. „Wir haben unsere Suche nach Gerechtigkeit nie aufgegeben“, schreiben sie, „und wir hoffen, dass die Fehler der Vergangenheit wiedergutgemacht werden können.“
Nachdem die Ermittlungen in Hertfordshire eingestellt worden waren, zogen die drei Frauen 2023 vors Hochgericht. Dort brachten sie zusammen mit einer vierten Frau eine zivilrechtliche Klage ein, um Schadensersatz zu fordern. Der Prozess soll in diesem Sommer beginnen. Die Klägerinnen hofften unter anderem, dass das zivilrechtliche Verfahren zu einer Wiederaufnahme strafrechtlicher Ermittlungen führt. Dieses Ziel haben sie nunmehr erreicht.
Die Vorwürfe, die sie erheben, sind schwer. Eine Frau beschuldigt Tate, sie vergewaltigt und gewürgt zu haben. Ein anderes mutmaßliches Opfer hat er angeblich mit einem Gurt geschlagen und ihr wiederholt an die Gurgel gegriffen. Zwei Frauen sagen, er habe sie so oft gewürgt, dass die Blutäderchen in ihren Augen platzten. Einmal habe Tate einer Frau eine Pistole vors Gesicht gehalten und gesagt: „Du machst, was ich sage, oder es kracht.“ Die Frauen waren damals Angestellte in Tates Webcam-Unternehmen, andere führten eine Beziehung mit ihm. Tate wohnte zu jener Zeit in der Stadt Luton, nördlich von London. Er hat die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten.
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Der 39-jährige Tate, britisch-amerikanischer Doppelbürger und ehemaliger Kickboxer, ist in den vergangenen Jahren zum berüchtigtsten Influencer der „Manosphere“ geworden. Seine Auftritte in Podcasts, Videos und Posts in den sozialen Medien, in denen er Frauenhass und toxische Maskulinität predigt, erreichen ein riesiges Publikum. Auf X hat er 11 Millionen Follower. Auch ist er steinreich geworden: Mit seinen Online-Kursen, in denen er jungen Männern beibringen will, wie man Muskeln bekommt und reich wird, hat er Millionen verdient. Tate unterhält auch enge Beziehungen ins rechtsradikale Milieu und hat wiederholt rechte Verschwörungstheorien verbreitet.
Strafverfahren gegen Tate in Rumänien bleibt trotz Entlassung bestehen
Vielen jungen Männern gilt Tate als Vorbild. Vor drei Jahren kam eine Erhebung der antirassistischen Organisation Hope Not Hate zum Schluss, dass 45 Prozent der 16- bis 24-jährigen männlichen Briten eine positive Meinung von Tate haben – bloß 26 Prozent hatten eine ablehnende Haltung.
In den vergangenen Jahren ist der frauenfeindliche Influencer jedoch zunehmend in Konflikt mit dem Gesetz gekommen. Gegen ihn und seinen Bruder und Geschäftspartner Tristan Tate – 37 Jahre alt – laufen zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel, Körperverletzung, Vergewaltigung, und Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen. Ebenso wird er der Geldwäsche und Steuerhinterziehung bezichtigt. Mehrere strafrechtliche Untersuchungen laufen in Großbritannien, in den USA und in Rumänien, wo die Tate-Brüder seit vielen Jahren leben.
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Die rumänischen Behörden nahmen Andrew und Tristan Tate im Dezember 2022 fest. Nach ihrer Entlassung wurden sie unter Hausarrest gestellt. Seit Anfang 2025 sind sie wieder auf freiem Fuß, aber das Strafverfahren in Rumänien läuft noch immer.
2024 erhob die britische Polizei Anklage gegen die Tate-Brüder und stellte ein Auslieferungsgesuch. Die Anklageschrift umfasst 21 Punkte, darunter Menschenhandel, Vergewaltigung und Körperverletzung – es handelt sich um einen separaten Fall zu jenem in Hertfordshire. Allerdings sagt die britische Staatsanwaltschaft, dass „die strafrechtlichen Angelegenheiten in Rumänien zuerst erledigt werden müssen“, bevor die beiden nach Großbritannien ausgeliefert werden können.









