300 Sonnentage im Jahr, blaues Meer und weiße Strände: Vor allem damit warb Griechenland bislang um Urlauber. Nun entdecken die Tourismusstrategen eine neue Attraktion: die dunkle Nacht. Astrotourismus – das Beobachten des Sternenhimmels – gilt als einer der am schnellsten wachsenden Trends in der globalen Reisebranche.

Kefalonia ist die größte der Ionischen Inseln, und der Ainos mit 1628 Metern ihr höchster Berg. Vom Gipfel, den man über eine schmale, kurvenreiche Straße erreicht, eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama: Tief unten glitzert das Meer, der Blick geht hinüber zu den Nachbarinseln Zakynthos und Ithaka bis zum griechischen Festland.

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Urlaub in Griechenland: Erster „Dark Sky Park“ auf Kefalonia

So überraschend es auch klingt: Wenn die Dunkelheit über Kefalonia hereinbricht, reicht die Sicht von hier oben noch viel weiter – bis tief in unsere Galaxis. Der Ainos-Nationalpark ist seit 2023 der erste „Dark Sky Park“ Griechenlands. Diese Auszeichnung wird weltweit von der International Dark Sky Association (IDA) an Orte vergeben, die sich durch eine außergewöhnliche Qualität des Nachthimmels auszeichnen.

Mitarbeiter der staatlichen Umwelt- und Klimaschutzbehörde, Amateurastronomen und Freiwillige aus ganz Griechenland machen Besucher hier mit dem Nachthimmel über Kefalonia vertraut – mit Planeten, Sternbildern und fernen Galaxien. Die kostenlosen sommerlichen Beobachtungsnächte auf dem Ainos haben sich längst zu einer festen Institution mit großer Anziehungskraft entwickelt. Wissbegierige Bürger, Schülergruppen und Studenten, aber auch immer mehr Touristen kommen hierher, um ferne Himmelskörper zu bestaunen.

Der Berg Ainos im Mount Ainos National Park auf der Insel Kefalonia.
Ainos ist der höchste Berg auf der griechischen Insel Kefalonia. Auch nachts kann man vom Gipfel eine tolle Aussicht genießen.© Paolo Trovò / Alamy | mauritius images

Viele beschreiben das Erlebnis inmitten dunkler Tannenwälder, begleitet von den Geräuschen nachtaktiver Vögel, als geradezu magisch. Besonders reizvoll ist, dass sich astronomische Phänomene wie die Milchstraße, Sternschnuppen oder Planeten hier mit bloßem Auge beobachten lassen – ein Anblick, der in dicht besiedelten Gebieten aufgrund der Lichtverschmutzung kaum noch möglich ist.

Neue Strategie: Griechenland setzt auf Astro-Tourismus

Die griechische Regierung hat den globalen Trend zum Astro-Tourismus erkannt. Bis 2030 sollen im ganzen Land zehn zertifizierte „Dark Sky Parks“ entstehen – unterstützt durch Fördermittel der Europäischen Union. Auch wenn der Ainos bislang der einzige „Dark Sky Park“ des Landes ist, bietet Griechenland zahlreiche weitere Orte, die sich dank klarer Luft und geringer Lichtverschmutzung ideal für Astro-Tourismus eignen. Dazu zählen der nördliche Pindos-Nationalpark an der Grenze zu Albanien, die Region Tzoumerka im Süden des Pindos-Gebirges, Agrafa – eine dünn besiedelte Bergregion im mittelgriechischen Thessalien – sowie das Parnon-Gebirge auf der Peloponnes.

Auf dem Berg Helmos oberhalb von Kalavryta auf der Halbinsel Peloponnes befindet sich in 2340 Meter Höhe das „Aristarchos“-Teleskop – eines der größten optischen Fernrohre Kontinentaleuropas. Benannt ist es nach Aristarchos von Samos, einem der bedeutendsten Astronomen der Antike. Die Griechen legten einst das Fundament für die moderne Astronomie, indem sie den Übergang von mythologischen Deutungen zu systematischer Beobachtung vollzogen und die Astronomie als Naturwissenschaft etablierten.

Aristarchos war der erste bekannte Gelehrte, der die Hypothese formulierte, dass die Sonne im Zentrum des Universums steht und die Erde sowie andere Planeten sie umkreisen. Damit gilt er als „Kopernikus der Antike“. Seine Ideen wurden damals jedoch weitgehend abgelehnt und erst fast 2000 Jahre später von Nikolaus Kopernikus wieder aufgegriffen.

„Stargazing“ in Griechenland: Auf diesen Inseln ist es möglich

Wer sich für den griechischen Sternenhimmel begeistert, muss dafür jedoch nicht zwingend abgelegene Bergregionen aufsuchen. Astrotourismus lässt sich hervorragend mit einem klassischen Badeurlaub verbinden – nicht nur auf Kefalonia, das für seine traumhaften Strände bekannt ist. Auch auf den Kykladen-Inseln Santorini, Paros und Naxos gibt es inzwischen spezialisierte Angebote zur Himmelsbeobachtung. Einige Hotels verfügen über eigene „Stargazing“-Terrassen, andere stellen Teleskope zur Verfügung. Doch oft genügt schon ein Fernglas, um einen Himmel zu erleben, wie man ihn aus Großstädten kaum noch kennt.

Auf der Insel Rhodos befindet sich nahe der Ortschaft Faliraki das „Rhodes Observatory“ – ein privates Projekt, das Astronomie mithilfe professioneller Teleskope für jedermann zugänglich macht. Geführte Programme ermöglichen es Besuchern, Sternhaufen und Galaxien zu beobachten. Eine Besonderheit: Neben nächtlichen Himmelsbeobachtungen werden auch Sonnenbeobachtungen am Tag angeboten. Mithilfe spezieller Filter lassen sich Sonnenflecken und Protuberanzen sichtbar machen. Kein Wunder, denn Rhodos gilt mit über 3000 Sonnenstunden pro Jahr als die sonnenreichste Insel Griechenlands.