Zusammenfassung
- Der Bericht der WMO über den Zustand des globalen Klimas stellt fest, dass die Jahre 2015–2025 die heißesten elf Jahre in der Geschichte waren.
- Die Hitze in den Meeren erreicht inzwischen Rekordwerte, die Ozeane absorbieren jedes Jahr etwa 18-mal mehr Energie als die jährliche Energie-Nutzung der Menschheit. Die Versauerung schreitet voran.
- Das Meereis in Arktis und Antarktis hat Rekordtiefstände erreicht, die Gletscher verlieren weltweit massiv an Masse. Der Meeresspiegel ist seit 1993 um etwa elf Zentimeter gestiegen.
- Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Überschwemmungen oder Dürren betreffen Millionen von Menschen und verursachen Kosten in Milliardenhöhe.
Das Klimasystem der Erde ist laut neuen Forschungsdaten stärker aus dem Gleichgewicht geraten als jemals zuvor in der beobachteten Geschichte. In ihrem Bericht zum Zustand des globalen Klimas spricht die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) von nie zuvor beobachteten Veränderungen: Die Konzentration von Treibhausgasen treibe die Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane sowie das Schmelzen von Eis immer weiter voran. „Jeder wichtige Klimaindikator zeigt Alarmzeichen“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres. Die Veränderungen hätten sich innerhalb weniger Jahrzehnte ereignet, „sie werden jedoch schädliche Auswirkungen für Hunderte – und möglicherweise Tausende – von Jahren haben“, heißt es in dem Bericht.
In ihrem Report fasst die WMO, das führende UN-Gremium für die wissenschaftliche Überwachung von Wetter, Klima und Wasser, den Forschungsstand zusammen. Demnach waren die Jahre von 2015 bis 2025 weltweit die heißesten elf Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Meeresspiegel sei seit 1993 um etwa elf Zentimeter gestiegen, seit 2012 beschleunige sich das Tempo, was Küstenschutz, Ökosysteme und Wasserversorgung bedrohe. Die Weltmeere hätten in den letzten zwei Jahrzehnten die meiste Wärme aufgenommen, die globalen Wassertemperaturen erreichten Rekordhöhen: Bei etwa 90 Prozent der Meeresoberfläche sei im Jahr 2025 mindestens eine marine Hitzewelle gemessen worden.
WMO-Bericht: Extremes Wetter verursacht Milliardenschäden
Als Folge der Klimaveränderungen seien Millionen Menschen von extremen Wetterereignissen betroffen, darunter intensive Hitze, starke Regenfälle oder tropische Wirbelstürme. „Sie verursachen Schäden in Milliardenhöhe und verdeutlichen die Verletzlichkeit unserer miteinander verbundenen Wirtschaften und Gesellschaften“, schreiben die Autoren. „Die Menschheit hat gerade die elf heißesten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn durchlebt. Wenn sich die Geschichte elf Mal wiederholt, ist das kein Zufall mehr. Es ist ein Aufruf zum Handeln“, sagte Guterres.

Erstmals beschreibt der WMO-Bericht das Energieungleichgewicht der Erde, das 2025 einen neuen Höhepunkt erreicht habe. Unter einem stabilen Klima sei die einfallende Energie von der Sonne etwa gleich der Menge der ausgehenden Energie. Die steigenden Konzentrationen von Treibhausgasen hätten jedoch dieses Gleichgewicht gestört. Kohlendioxid, Methan und Lachgas seien auf dem höchsten Niveau seit mindestens 800.000 Jahren. „Menschliche Aktivitäten stören zunehmend das natürliche Gleichgewicht“, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo, „und wir werden mit diesen Folgen Hunderte und Tausende von Jahren leben müssen.“
Forscher: Folgen der Hitze in den Meeren unumkehrbar
In ihrem Bericht äußern die Autoren die Befürchtung, dass Ozeane ihre wichtige Funktion als Klimapuffer und Kohlenstoffsenke verlieren könnten, da sie zunehmend Kapazitätsgrenzen erreichten. Bislang hätten die Weltmeere über 90 Prozent der überschüssigen Wärme gespeichert. „Jährlich haben sie etwa das Achtzehnfache des menschlichen Energieverbrauchs absorbiert“, heißt es in dem Bericht. Dabei habe sich die Erwärmungsrate der Meere im Vergleich der Zeiträume 1960 bis 2005 und 2005 bis 2025 mehr als verdoppelt. Weil die Ozeane immer mehr CO2 aufnehmen, würden sie zunehmend versauern – mit weitreichenden Folgen für Artenvielfalt und Fischerei. Die Folgen der Hitzewellen in den Meeren und die Veränderung des pH-Werts der Tiefsee seien über Jahrhunderte bis Jahrtausende irreversibel.
Die Menschheit hat gerade die elf heißesten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn durchlebt. Wenn sich die Geschichte elf Mal wiederholt, ist das kein Zufall mehr. Es ist ein Aufruf zum Handeln.
António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen.
Die WMO warnt vor weiteren Kaskadeneffekten der Erderwärmung. So habe die jährliche Meereisausdehnung in der Arktis 2025 ein Rekordtief erreicht, in der Antarktis sei der drittniedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen festgestellt worden, heißt es in dem Bericht. Dies destabilisiere die Polarregionen. Auch die Gletscher verlieren demnach weiter massiv an Masse, insbesondere in Island und Nordamerika. Die Erwärmung des Ozeans und das Schmelzen des Eises würden den langfristigen Anstieg des globalen Meeresspiegels vorantreiben, der sich seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1993 beschleunigt habe.
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Über ein Drittel der globalen Arbeitskräfte, rund 1,2 Milliarden Menschen, sei jedes Jahr irgendwann einem Hitzerisiko am Arbeitsplatz ausgesetzt, insbesondere in der Landwirtschaft und im Baugewerbe, so der Bericht. „In diesem Zeitalter des Krieges offenbart Klimastress auch eine weitere Wahrheit: Unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen destabilisiert sowohl das Klima als auch die globale Sicherheit“, sagte Guterres. „Der heutige Bericht sollte mit einem Warnhinweis versehen werden: Das Klimachaos beschleunigt sich, und Verzögerungen sind tödlich.“




