Einst war Königin Noor (74) von Jordanien eine der schillerndsten Figuren am royalen Horizont. Die Scheinwerfer liebten sie – und sie liebte die Scheinwerfer. Dass die Witwe von König Hussein zuletzt erneut Schlagzeilen macht, hat jedoch nicht mit ihr selbst, sondern mit ihrer ständigen Sorge um ihren Sohn Hamzah (45) zu tun. Denn sein Schicksal ist voller Rätsel.
Nur Stunden, nachdem die USA und Israel Ende Februar ihre Bombenangriffe auf den Iran begonnen hatten, meldete sich Königin Noor zu Wort. Ihre Botschaft ging ans Herz: „Es ist an der Zeit, dass Jordaniens Königshaus Prinz Hamzah und alle anderen Unschuldigen aus ihrer sechsjährigen willkürlichen Haft entlässt, um sich während dieses Krieges zu schützen“, schrieb sie auf der Plattform X. Doch ihre Worte schienen kein Echo zu finden. Der Hof, an dem nicht sie, die Alt-Königin, sondern Königin Rania (55) an der Seite von König Abdullah herrschen, schweigt bis jetzt.
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Dramatischer Hintergrund: Hamzah wird Putschversuch vorgeworfen
Die Geschichte um Königin Noors Sohn klingt dramatisch: Hamzah wird ein Putschversuch gegen seinen eigenen Halbbruder, König Abdullah, dem Stiefsohn von Noor, vorgeworfen. Was Hamzah allerdings bestritt und sich als Opfer einer Verschwörung sah. Seit 2021 befindet er sich laut Medienberichten unter Hausarrest. Die Hintergründe sind komplex und intransparent. Und es bleibt die Frage: Wie geht es Hamzah? Wo genau lebt er? Mal ist die Rede von Isolation und sogar von Folter, mal soll er sich gar komfortabel in einem Palast eingerichtet haben. Die Nachrichten über seinen Verbleib sind geprägt von Widersprüchen.
Hamzah selbst brachte etwas Licht ins Dunkel, als er dem britischen Sender BBC 2021 über seinen Anwalt ein Video hat zuspielen lassen, in dem er von Einschüchterung und Drohungen gegen Kritiker des Königs sprach. In dem Video nannte er auch Details, was seine Lebensumstände betrifft. Er und seine Familie seien unter Hausarrest in einen Palast außerhalb von Amman gestellt worden. Seine Kommunikation sei stark eingeschränkt. In Medienberichten ist mal die Rede davon, dass er weder Telefon habe, noch Zugang zum Internet. Dass aber die schulpflichtigen seiner sieben Kinder zur Schule gehen können.
König Abdullah, der Halbbruder von Hamzah, hatte vor etwa zwei Jahren laut Medienberichten in einem offiziellen Statement klargestellt, dass er Hamzah trotz Hausarrests alles geben werde, „was er braucht, um ein angenehmes Leben zu führen“. Allerdings werde er ihm nicht mehr den Raum zubilligen, „den er einst missbrauchte, um die Nation, ihre Institutionen und seine Familie zu beleidigen oder die Stabilität Jordaniens zu untergraben“. Das Tischtuch zwischen Abduallah und Hamzah scheint zerschnitten.

Das Vater-Sohn-Drama: Lange galt Prinz Hamzah als Favorit in der Thronfolge
Zum Leidwesen der Alt-Königin. Noor wurde nie müde, auf das Schicksal ihres ältesten Sohnes hinzuweisen. „Es ist nun das dritte Jahr der willkürlichen, grausamen und illegalen Haft unseres geliebten Sohnes Hamzah in Jordanien“, so schrieb sie schon 2023 auf X. Für Noor war Hamzah immer ein Vorzeigeprinz. Einer, der Bodenständigkeit mit Geisteskraft, aber auch für Familiensinn stand. Der Harvard-Absolvent hat mit seiner zweiten Frau, Prinzessin Basmah (42), noch im Februar 2022 einen kleinen Jungen bekommen.
Noor gerät ins Schwärmen, wenn sie von Hamzah erzählt: Immer schon sei er einer der beliebtesten Royals Jordaniens und zugleich der begehrteste Junggeselle des Landes gewesen. In ihm sah das Volk die Hoffnung auf ein Weiterleben der Monarchie im Sinne seines Vaters König Hussein, ist zu lesen: Er sei seinem Vater so ähnlich, in seinem Auftreten und seiner ganzen Art. Doch diese enge Beziehung hatte den Vater nicht davon abgehalten, eine Entscheidung zu treffen, die bei den Jordaniern Erstaunen auslöste.
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Denn Hussein war es, der seinen Sohn sozusagen vom Thron gestoßen hatte: Mutter Noor hatte ihren Prinzen jahrelang darauf vorbereitet, einmal Herrscher des Landes zu sein. Und auch König Hussein, so schien es, konnte sich keinen Besseren als seinen Nachfolger vorstellen. Hamzah, so ist zu lesen, war immer der Favorit seines Vaters. Dann aber wendete sich das Blatt: Kurz vor seinem Tod 1999 setzte er seinen ältesten Sohn Abdullah II. als Thronerben ein. Hamzah sei zu jung, ihm fehle es an Erfahrung. Allerdings sollte Hamzah noch Kronprinz und damit in der Thronfolge bleiben. Auch das aber sollte nicht mehr lange währen. 2004 entzog König Abdullah II. ihm den Titel. Es hieß, er wolle seine Macht stabilisieren. Kronprinz wurde schon bald sein eigener ältester Sohn Hussein.
Jordaniens Alt-Königin Noor war die zweite Jackie Kennedy
Noor soll vor Wut geglüht haben. Genutzt habe es ihr nichts. Dass Hamzah nach den Putschvorwürfen einer Strafe entging, habe daran gelegen, dass er seinem Halbbruder öffentlich die Treue und Gefolgschaft schwor. Immer wieder ist auch von einer Entschuldigung zu lesen, die Prinz Hamzah im März 2022 in einem Brief an seinen Halbbruder König Abdullah und das jordanische Volk gerichtet haben soll. Sogar auf seinen Prinzentitel habe er dann verzichtet.
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Für seine Mutter Königin Noor, als Lisa Halaby in Washington D.C. geboren und gern als zweite Jackie Kennedy bezeichnet, bleiben die Hoffnung und der Kampf. Dass sie dabei von der aktuellen Königin unterstützt würde, gilt als zweifelhaft. Das Verhältnis zu Rania, der ein Hang zu teuren Designerklamotten und verschwenderischen Partys nachgesagt wird, sei mehr als frostig. Doch Noor, ganz Mutter, werde weiter ihre Stimme erheben, heißt es.










