Eine Mutter und ihre Tochter haben im australischen Great Barrier Reef die größte bislang dokumentierte Korallenkolonie der Welt entdeckt. Gefunden wurde das außergewöhnliche Gebilde von Sophie Kalkowski-Pope, Koordinatorin für Meeresoperationen bei der Naturschutzorganisation Citizens of the Reef, und ihrer Mutter Jan Pope. Beide tauchen regelmäßig gemeinsam von ihrem Familienboot aus.
„Ich wusste vom ersten Moment an, als wir ins Wasser gingen, dass es etwas Besonderes war“, sagte Sophie Kalkowski-Pope. Ihre Mutter Jan schildert die Begegnung als etwas Einmaliges: Sie habe Korallen noch nie zuvor so wachsen sehen. „Es sah aus wie eine Wiese aus Korallen. Es schien kein Ende zu nehmen.“
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Schutz des Great Barrier Reefs: Es braucht die „Kraft der Menschen“
Erste Messungen zeigen das außergewöhnliche Ausmaß der Entdeckung: Die Korallenkolonie weist eine maximale Länge von rund 111 Metern auf und bedeckt eine Fläche von geschätzten 3973 Quadratmetern – mehr als ein halbes Fußballfeld. Zum Vergleich: Die bislang größten bekannten Einzelkorallen dieser Art messen in der Regel lediglich 30 bis 35 Meter.
Die Entdeckung gelang im Rahmen des Great Reef Census, eines groß angelegten Bürgerwissenschaftsprojekts von Citizens of the Reef. Daran beteiligen sich Tourismusunternehmen, indigene Gemeinschaften, Forschungsteams sowie Tausende Taucherinnen und Taucher. Mehr als 100 Schiffe liefern dabei flächendeckend Daten über den Zustand des Riffs.
Um den Schutz des Great Barrier Reefs im heute erforderlichen Maßstab voranzubringen, brauche es dieses breite Bündnis, sagte Andy Ridley, CEO von Citizens of the Reef. Entscheidend sei, lokale Riffgemeinschaften ebenso einzubeziehen wie führende Wissenschaftler – und die „Kraft der Menschen“. Auch Roger Beeden, leitender Wissenschaftler der Great Barrier Reef Marine Park Authority, warnte, der Schutz solch außergewöhnlicher Orte könne heute „nicht allein bei der Regierung liegen“.

Geheimer Standort: Keine Besucher erwünscht
Nach dem ersten Fund wurde die Koralle mithilfe von Unterwassermessungen, hochauflösenden Aufnahmen von der Wasseroberfläche sowie eines dreidimensionalen Raummodells präzise vermessen. Der genaue Standort wird zum Schutz vor unerwünschten Besuchern vorerst nicht veröffentlicht. Die neue spektakuläre Entdeckung fällt in eine Phase wachsender Sorge um das Great Barrier Reef. Forscherinnen und Forscher betonen deswegen auch ausdrücklich, dass der Fund nicht als Zeichen einer Erholung des Riffs missverstanden werden darf.
Die Daten des Australian Institute of Marine Science zeichnen seit Längerem ein düsteres Bild. Im vergangenen Jahr beispielsweise hat das Great Barrier Reef in gleich mehreren Abschnitten den größten jährlichen Verlust an lebenden Korallen seit Beginn der Langzeitbeobachtungen in den 1980er-Jahren erlitten.
Als Hauptursachen nannte der damalige Bericht eine durch Hitzewellen ausgelöste Massenbleiche im Jahr 2024 sowie Wirbelstürme und Ausbrüche des gefräßigen Dornenkronenseesterns. Im nördlichen Abschnitt sank die Korallenbedeckung um 25 Prozent, im südlichen sogar um 30 Prozent – beides Rekordwerte seit Messbeginn.
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Unerforschte Meerestiefen: „Das Great Barrier Reef birgt noch viele Geheimnisse“
Das Jahr 2024 war Teil eines globalen Massenbleiche-Ereignisses – der fünften großflächigen Korallenbleiche am Great Barrier Reef seit 2016 und der bislang flächenmäßig größten. Eine globale Analyse zeigt, dass mittlerweile über 80 Prozent der weltweiten Korallenriffe Hitzestress ausgesetzt sind. „Mehr als die Hälfte der weltweiten Korallenriffe hat mindestens eine moderate Bleiche erlitten – also zehn bis 100 Prozent der Kolonien sind betroffen“, kommentierte Mark Eakin, Direktor bei der Organisation Corals and Climate, eine neue Studie vom Februar 2026.
Für Sophie Kalkowski-Pope zeigt der jüngste Fund, wie entscheidend langfristige Beobachtung und Forschung für den Schutz des Riffs sind. „Solche Entdeckungen machen deutlich, dass das Great Barrier Reef noch viele Geheimnisse birgt“, sagte sie. „Wir wissen kaum, was wir zu verlieren haben – und genau deshalb sind Initiativen wie der Great Reef Census heute wichtiger denn je.“
Immerhin ist es nicht das erste Mal in jüngerer Zeit, dass das Great Barrier Reef mit einer spektakulären Entdeckung überrascht: Bereits 2020 stießen Wissenschaftler auf ein zuvor unbekanntes, rund 500 Meter hohes, frei stehendes Riff nahe Cape York – höher als das Empire State Building. Dieses wie eine Klinge geformte Korallengebilde reicht bis 40 Meter unter die Wasseroberfläche, ist mit etlichen gesunden Korallen und Schwämmen bestückt und wird von vielen verschiedenen Fischarten bewohnt.





