In etwas mehr als drei Monaten soll in Mexiko-Stadt das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen werden. Gespielt wird neben der Hauptstadt auch in Guadalajara und Monterrey. Doch nur 108 Tage vor dem Turnier erschüttert eine Welle der Gewalt mehrere Regionen des Landes – ausgelöst durch den Tod eines der mächtigsten Drogenbosse Mexikos.
Nach einer Militäraktion wurde der Anführer des Cártel Jalisco Nueva Generación, Nemesio Oseguera Cervantes, tödlich verletzt. Das Kartell gilt als eine der brutalsten kriminellen Organisationen Lateinamerikas. Ihm werden unter anderem Drohnenangriffe, Anschläge auf Sicherheitskräfte und der Abschuss eines Militärhubschraubers zugeschrieben.
Auch interessant
Tötung von Drogenboss „El Mencho“: Brennende Barrikaden und gesperrte Straßen
Seit Bekanntwerden seines Todes kommt es in mehreren Bundesstaaten zu schweren Ausschreitungen. Busse und Lastwagen werden angezündet, Straßen mit brennenden Fahrzeugen blockiert, Geschäfte und Tankstellen attackiert. Besonders betroffen sind nach Behördenangaben die westlichen und zentralen Regionen – darunter Jalisco, Michoacán, Guanajuato und Tamaulipas. In Guadalajara wurden zeitweise Flüge gestrichen, der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt, Schulen blieben geschlossen.
Auch interessant
Der Gouverneur von Jalisco rief die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben. Präsidentin Claudia Sheinbaum ruft die Bevölkerung zur Ruhe auf. „Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren“, schrieb sie auf der Plattform X. Auch in sozialen Netzwerken kursierten Videos von Rauchwolken über Städten und brennenden Barrikaden.
Lesen Sie auch
Was sagt das Auswärtige Amt?
Das US-Außenministerium forderte seine Staatsbürger in betroffenen Regionen auf, Schutz zu suchen und Unterkünfte vorerst nicht zu verlassen. Auch das Auswärtige Amt reagierte mit einem aktualisierten Sicherheitshinweis. Von Reisen in mehrere besonders betroffene Bundesstaaten wird abgeraten, teils gilt eine ausdrückliche Warnung vor nicht notwendigen Reisen. Reisenden wird empfohlen, aktuelle Entwicklungen genau zu verfolgen, Unterkünfte vorerst nicht zu verlassen, größere Menschenansammlungen zu meiden und den Anweisungen der lokalen Sicherheitsbehörden unbedingt Folge zu leisten.
Der Deutsche Reiseverband beobachtet die Lage ebenfalls aufmerksam. „Die Sicherheit von Gästen und Mitarbeitenden hat immer oberste Priorität. Sollte es notwendig sein, ergreifen die Veranstalter geeignete Maßnahmen, um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten“, sagt Pressesprecher Torsten Schäfer unserer Redaktion. Bei Fragen sollten sich Reisende daher direkt an ihren Reiseveranstalter wenden. „In der von Ausschreitungen betroffenen Region Puerto Vallerta halten sich unserer Kenntnis nach keine deutschen Veranstaltergäste auf“, erklärt Schäfer. Ob Reisende ohne Veranstalter aus Deutschland in betroffenen Gebieten unterwegs sind, sei nicht bekannt.
Auch interessant
Wird die WM in Mexiko zum Sicherheitsproblem?
Die drei vorgesehenen WM-Spielorte liegen in unterschiedlichen Regionen des Landes. Guadalajara, Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco, liegt im Einflussgebiet des getöteten Kartellchefs und ist unmittelbar von den Unruhen betroffen. Dort sind mehrere WM-Partien geplant, darunter hochkarätige Begegnungen wie Uruguay gegen Spanien.
Offiziell wird bisher noch an den Vorbereitungen festgehalten. Internationale Turniere wurden in Mexiko bereits mehrfach ausgerichtet, trotz Gewalt durch Kartelle. Dennoch zeigt die aktuelle Eskalation, wie schnell sich die Lage verändern kann.
mit dpa/afp









