Ganz Italien hatte mitgefiebert und um ihn gebangt: Der zweijährige Domenico aus Nola bei Neapel, der seit einer misslungenen Herztransplantation im Dezember im Koma gelegen hatte, ist am Samstag gestorben. Wie das Krankenhaus „Monaldi“ in Neapel am Samstag mitteilte, starb der nicht einmal zweieinhalb Jahre alte Domenico „infolge einer plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands“ auf der Intensivstation. Der Fall sorgt in Italien seit Wochen für Schlagzeilen – auch, weil zuvor offensichtlich Fehler bei einem Eingriff gemacht wurden.

Der Tod des kleinen Domenico wurde vom Anwalt seiner Familie, Francesco Petruzzi, gegenüber Medien bestätigt. Kurz vor seinem Tod hatte der Bub vom Erzbischof von Neapel, Kardinal Mimmo Battaglia, die letzte Ölung erhalten. Der Kardinal hatte bis zum Schluss an der Seite der Mutter im Krankenhaus für das Kind gebetet. In den letzten Tagen hatte sich Domenicos Gesundheitszustand rapide verschlechtert.

Die Ärzte hatten im Einklang mit der Familie beschlossen, auf „nicht mehr nützliche“ Therapien zu verzichten. Eine zweite Herztransplantation kam wegen des schlechten Zustands des Kindes nicht mehr infrage, obwohl ein kompatibles Spenderherz gefunden worden war. Domenico litt seit seiner Geburt an einem schweren Herzfehler und wurde nur noch von einer ECMO-Maschine (Extrakorporale Membranoxygenierung) am Leben gehalten.

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„Man hat mich heute Nacht gegen vier Uhr angerufen und mir gesagt, dass sich die Situation verschlechtert. Ich bin bis zum Schluss geblieben, bis die Maschine abgeschaltet werden musste – und dann war es vorbei“, wurde die Mutter des Kindes von italienischen Medien zitiert.

„Am Montag werde ich beim Notar unterschreiben, um eine Stiftung im Namen von Domenico zu gründen. Mein Anwalt wird sich darum kümmern. Ich möchte das tun, damit Domenico nicht vergessen wird und um anderen Kindern zu helfen“, fügte die Mutter hinzu. Nachdem sich die Nachricht von Domenicos Tod verbreitete, brachten Menschen Blumen zum Krankenhaus.

Der Bürgermeister von Neapel, Gaetano Manfredi, kondolierte der Familie des kleinen Domenico. „Man muss der Familie in diesem Drama, das sie durchlebt hat, einfach nahe sein und dann genau untersuchen, was geschehen ist“, so Manfredi. Auch die italienische Regierung verfolgte den Fall. Das Gesundheitsministerium in Rom entsandte Inspektoren nach Neapel, um möglichen Fehlern bei der Herztransplantation nachzugehen. „Die Mutter von Domenico, die bis zum Schluss an der Seite ihres Kindes geblieben ist, lehrt uns, wie man in der Liebe, im Schmerz und in der Ungerechtigkeit eines so grausamen Schicksals die Kraft finden kann, zu kämpfen und zu reagieren“, so die Ministerin für Menschen mit Behinderung Alessandra Locatelli in einem Beitrag auf Facebook. Auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drückte der Familie des Kindes ihre Nähe aus.

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Domenicos Tod wirft Fragen zur Kette möglicher Fehler und Verantwortlichkeiten in Zusammenhang mit der Herztransplantation auf, der Domenico unterzogen worden war. Die Staatsanwaltschaft Neapel ermittelt wegen des Verdachts auf schwerste fahrlässige Körperverletzung gegen sechs Personen, die dem Transplantationsteam angehörten.

Am 22. Dezember – nach monatelangem Warten – hatten die Ärzte ein Spenderherz gefunden. In Südtirol war ein vierjähriger Bub mit derselben Blutgruppe in einem Schwimmbad ertrunken. Ein Ärzteteam machte sich daraufhin auf den Weg ins rund 800 Kilometer entfernte Bozen, um das Organ zu übernehmen. Beim Rücktransport kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu einem folgenschweren Fehler. Das Herz wurde offenbar nicht – wie üblich – in normalem Eis bei etwa plus vier Grad gelagert, sondern geriet in Kontakt mit deutlich kälterem Trockeneis von rund minus 80 Grad. Dadurch sei das Organ „buchstäblich erfroren“, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Trotz der massiven Schäden wurde das Herz transplantiert. Die Ärzte in Neapel hatten dem Kind sein eigenes Herz bereits entnommen. Da er ohne funktionierendes Organ nicht lebensfähig war, wurde er an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Den Eltern teilte man lediglich mit, die Transplantation sei fehlgeschlagen – weitere Details erhielten sie zunächst nicht.