Schneechaos in den Alpen mit Schneeverwehungen, gesperrten Straßen und geräumten Hotels: Im Alpenraum hat anhaltender Starkschneefall erste Evakuierungen ausgelöst. Während sich die Olympischen Spielen in Mailand und Cortina dem Ende zuneigen, mussten Besucher in Teilen Norditaliens und der Schweiz ihre Unterkünfte verlassen. Der Grund ist drohende Lawinengefahr. Zudem sind weitere Schneefälle angekündigt.
Besonders betroffen ist das norditalienische Aostatal. 250 Touristen, die im Tal von Rhêmes festsaßen, wurden evakuiert, nachdem eine große Lawine auf die Regionalstraße niedergegangen war. Um die eingeschlossenen Urlauber in Sicherheit zu bringen, war in der Nacht auf Mittwoch der Einsatz eines Hubschraubers erforderlich.
- Besondere Highlights: Urlaub in Italien – 10 Geheimtipps einer Expertin
- Reisen: Das sind die beliebtesten Regionen für Urlaub in Italien
- Sightseeing: Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Italien
- Wetter & Klima: Urlaub in Italien – Das ist die beste Reisezeit
Der Lawinenabgang streifte zudem die Skipiste in der Ortschaft Chanavey in Rhêmes-Notre-Dame. Rund 150 Meter Fahrbahn wurden von Schneemassen bedeckt. Seitdem ist der Verkehr unterbrochen. Nach Kontrollen am Mittwoch wollen die zuständigen Techniker der Region entscheiden, ob die Straße wieder freigegeben werden kann.
Auf einem Video, das gerade in sozialen Netzwerken viral geht, haben Augenzeugen eine riesige Schneewolke aufgenommen, die auf Skifahrer zuraste.
Italiens Behörden geben dringende Empfehlungen für Skifahrer heraus
„Wir dachten, es seien weniger Menschen betroffen, aber am Ende sind es über 250“, sagte der Bürgermeister von Rhêmes-Notre-Dame, Firmino Thérisod laut Medienangaben. Die Einsätze seien kompliziert gewesen, da sie mit dem Hubschrauber durchgeführt wurden. Zudem fand die Evakuierung nachts statt.
Mehrere Lawinen wurden zuletzt im italienischen Aostatal gemeldet – zum Glück ohne Opfer. Die Behörden warnen Skitourengeher vor der drohenden Gefahr. Skifahrer sollten unbedingt nur auf gesicherten Pisten fahren. Durch Neuschneemengen von bis zu 40 Zentimetern steigt die Lawinengefahr massiv: Im gesamten Alpenraum gilt die zweithöchste Warnstufe.

Wegen der hohen Lawinengefahr hat die Bürgermeisterin der Bergortschaft Bardonecchia im Piemont, Chiara Rossetti, eine Verordnung unterzeichnet, die die sofortige Evakuierung des Ortsteils Rochemolles vorsieht. Der Zugang zum Ort ist untersagt. Von der Maßnahme sind Anwohner des Ortsteils sowie rund 30 Touristen betroffen. Erst, wenn sich die Gefahr durch Lawinen entschärft, sei eine Rückkehr möglich, hieß es weiter. Damit rechne die Verwaltung allerdings nicht vor Mittwoch.
Starker Schneefall erschwert derweil die Suche nach einem 56-Jährigen aus Rozzano nahe Mailand, der am Sonntag in dem lombardischen Berggebiet oberhalb der Skiortschaft Madesimo verschwunden war. Der Mann wurde von einer Lawine verschüttet, während er mit einem Motorschlitten unterwegs war. Die Hoffnung, den Vermissten noch lebend zu finden, schwindet. Die drei Freunde, die sich mit ihm befanden, überlebten hingegen unversehrt.
Auch interessant
Massive Verkehrsprobleme im italienischen Skiort Livigno
In der Skiortschaft Livigno fällt weiterhin starker Schnee. Die Kleinstadt stand am Dienstag unter einem regelrechten Schneesturm. So kam es zu verschneiten Straßen, bedeckten Autos, eingeschränkter Sicht und Verkehrsprobleme, wodurch einige Busse ausfielen. Dies belastete die Organisatoren der Olympia-Wettkämpfe, die in Livigno stattfinden.
Auch im Trentino, wo ebenfalls die Olympischen Winterspiele im Gange sind, verschlechtern sich die Wetterbedingungen. Am Donnerstag wird ein Atlantiktief über das gesamte Gebiet ziehen. Gerechnet wird mit Schnee über 500 Meter. Heftige Schneefälle betreffen auch Österreich und die Schweiz. Im westlichen Karwendelgebirge gilt – wie in großen Teilen des Bundeslandes Tirol – Lawinenwarnstufe 4 auf der fünfteiligen Skala. Neuschnee, Wind und eine instabile Schneedecke bergen hohe Risiken, warnten die Behörden. Die Lawinen- und Wettersituation sorgt auch im Schweizer Kanton Wallis für eine angespannte Verkehrslage auf Schienen und Straßen.



