Den Irrwitz des Krieges hat niemand so grandios verkörpert wie Robert Duvall als surfbegeisterter Oberstleutnant Bill Kilgore in „Apocalypse Now“. Erst lässt er seine Feinde im Dschungel Vietnams von Helikoptern mit Richard Wagners „Walkürenritt“ beschallen, um sie zu demoralisieren, während die Bomben fallen. Dann befiehlt er seinen Soldaten, am Dorfstrand zu surfen, obwohl sie mit Granaten attackiert werden. Daher startet der besessene Kilgore den Gegenangriff. Und konstatiert angesichts des bald schon brennenden Dorfes mit stählernem Wahnsinn in den Augen: „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen.“

Duvalls Spruch und sein unvergesslicher Auftritt in Francis Ford Coppolas Meisterwerk schrieben Filmgeschichte. Am 5. Januar feierte der Schauspieler noch seinen 95. Geburtstag im Kreise seiner Liebsten. Nun teilte seine Frau Luciana in den sozialen Medien mit, dass die Hollywood-Ikone am Sonntag mit 95 Jahren gestorben ist. Und sie fügte hinzu: „Seine Leidenschaft für sein Handwerk wurde nur von seiner tiefen Liebe zu Figuren, gutem Essen und geselligen Runden übertroffen. In jeder seiner vielen Rollen gab Bob alles für seine Figuren und für die Wahrheit des menschlichen Geistes, den sie repräsentierten.“

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Robert Duvall prägte Hollywood seit sieben Jahrzehnten

Mit seinen markanten Gesichtszügen war Robert Duvall auf der Leinwand der Inbegriff amerikanischer Männlichkeit. Aber er war auch ein energiegeladener und feinsinniger Schauspieler zugleich. Einer der prägendsten Charakterdarsteller seiner Generation, der jeden Part mit Leidenschaft und Überzeugung spielte und vielen seiner Rollen eine unerschütterliche Entschlossenheit verlieh. Sieben Jahrzehnte lang stand der oscargekrönte Mime in über 130 Produktionen vor allem vor der Kamera, zuweilen aber auch als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent dahinter. Seine Wandlungsfähigkeit war beeindruckend, umfasst sein Schaffen doch vom Klassiker „Wer die Nachtigall stört“ bis zum Blockbuster „Nur noch 60 Sekunden“ eine bemerkenswerte Bandbreite.

Geboren 1931 in Kalifornien, war Duvall Sohn eines Marine-Admirals und einer Amateurschauspielerin. Er ging zunächst selbst zum Militär, stand aber schon während seiner Dienstzeit auf der Theaterbühne. Später studierte er Schauspiel in New York. Und zwar mit den zukünftigen Hollywood-Stars James Caan, Gene Hackman und Dustin Hoffman. Mit den beiden Letzteren teilte sich Duvall sogar eine Wohnung. Nach der Arbeit an verschiedenen Bühnen Ende der 50er drehte er ab den 60ern für Film und Fernsehen.

APOCALYPSE NOW, (aka APOCALYPSE NOW: FINAL CUT), Robert Duvall, 1979. © myCinema / courtesy Everett Collection
„Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen“: Duvall als Kilgore in „Apocalypse Now“.© picture alliance | Everett Collection

„Der Pate“: Robert Duvall brillierte als stiller Consigliere

Neben seiner wohl berühmtesten Rolle als Oberstleutnant Kilgore war noch eine weitere sensationelle, völlig andere Figur prägend für Robert Duvalls Karriere. Wieder einmal in einem Film von Francis Ford Coppola. In „Der Pate“ spielte er Tom Hagen, den stillen, zurückhaltenden Consigliere der Corleone-Familie, mit einer komplexen Beziehung sowohl zum Don selbst, gespielt von Marlon Brando, als auch zu dessen jüngstem Sohn und Erben, dem kaltherzigen Michael, gespielt von Al Pacino. Eine von Duvalls subtilsten Darstellungen. Er verschmolz mit dem ruhigen Berater, dessen Innenleben sich eindrucksvoll in seiner Mimik spiegelte.

Neben sieben Nominierungen für den Oscar, erhielt Duvall den Academy Award schließlich 1984 für das Drama „Comeback der Liebe“ als bester Hauptdarsteller, in dem er den Country-Sänger Mac Sledge spielte. Einen Alkoholiker, der durch seine Sucht Familie und Karriere verloren hat. Ein Film voller melancholischer Einsamkeit und mit einem Protagonisten, den Duvall liebenswert und sanft spielte. Nebenbei trug er mit einer erstaunlich berührenden Gesangsstimme zwei selbst komponierte Lieder vor. Ein Film wie die Country-Musik jener Zeit. Leicht rührselig und mit unausweichlichem Happy End.

Der Country und sein damals konservatives Image passten Robert Duvall früher auch persönlich wie angegossen. Anders als bei vielen Hollywood-Stars üblich vertrat er politisch konservative Ansichten. Außerdem engagierte er sich in mehreren US-Wahlkämpfen für republikanische Präsidentschaftskandidaten. Doch seit 2014 kehrte er der Republikanischen Partei mehr und mehr den Rücken, weil er ihren Zustand als „Chaos“ empfand.

Dreimal geschieden: Sein privates Glück fand Duvall erst spät

Privat fand Robert Duvall übrigens wie in „Comeback der Liebe“ sein Glück erst spät. Nach drei gescheiterten Ehen lebte er ab 1997 mit der 41 Jahre jüngeren argentinischen Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin Luciana Pedraza zusammen, die er ein Jahr zuvor in Buenos Aires während der Dreharbeiten zum Film „Der Mann, der Eichmann jagte“ kennengelernt hatte. Das Paar heiratete 2004 und lebte in Middleburg in Virginia, wo Duvall nun auch starb.

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Mit seiner Frau Luciana Pedraza, 2013. © picture alliance / dpa | Paul Buck

Dass er in Hollywood allseits beliebt und respektiert war, zeigen die Reaktionen vieler Stars, die in den sozialen Medien seinen Tod betrauern. Neben Adam Sandler und Michael Keaton schrieb Oscar-Preisträgerin Viola Davis, die im Thriller „Windows“ an Duvalls Seite spielte: „Du warst ein Gigant, eine Ikone. Größe stirbt nie. Sie bleibt, als Geschenk. Ruhe in Frieden. Dein Name wird weiterleben.“ Auch Robert De Niro, 82, und Al Pacino, 85, seine Kollegen aus „Der Pate“, meldeten sich zu Wort. De Niro hofft, ebenfalls 95 Jahre alt zu werden, und bekundet wie Pacino, dass er Duvall vermissen werde. Als Freund und als großen Schauspieler. Und Jamie Lee Curtis würdigt den Verstorbenen in Anspielung auf seine Rolle als Tom Hagen bei Instagram mit den Worten: „Der größte Consigliere, den die Leinwand je gesehen hat. Bravo, Robert Duvall.“