Auch Prominente sind vor den Tricks der „Liebesbetrüger“ nicht gefeit. Vor wenigen Monaten bekannte die Moderatorin und ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers, indirekt Opfer eines sogenannten Romance Scams geworden zu sein. „Ich bekomme Liebesbriefe von Männern, die denken, sie sind mit mir in einer Beziehung – weil irgendwelche Betrüger über Social Media die anschreiben und die denken dann, sie reden mit mir“, sagte Rakers vergangenen Oktober in einer Folge des ARD-Podcasts „Baborie & Rakers“. 

In einem Fall sei ein Mann sogar irrtümlich davon überzeugt gewesen, dass er mit ihr bereits „eine halbe Stunde Sex auf Telegram“ gehabt habe, sagte Rakers. Das sei für sie ein übergriffiger Moment gewesen, der sich „supereklig“ angefühlt habe. Dieser Mann habe an die Betrüger ihres Wissens nach bereits mehr als 10.000 Euro überwiesen. 

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„Liebesbetrüger“ lauern auf Dating-Portalen auf ihre Opfer

Ein bizarrer Fall, in der Tat, aber auch einer, der zeigt, wie raffiniert weltweit operierende Liebesbetrüger mittlerweile vorgehen. Bei der als „Love Scamming“ bekannten Betrugsmasche nutzen Kriminelle eine andere Identität, um Menschen Liebe vorzugaukeln und so an ihr Geld zu kommen. Übliches Einfallstor für die sogenannten Romance Scams seien Dating-Portale, sagt Jason Lane-Sellers, Fachmann für Betrugsbekämpfung beim Cybersicherheitsdienstleister Lexis Nexis Risk Solutions. „Es sind große ‚Geschäftszentren‘, die diese Betrugsmaschen mit Skripten, Datenquellen und Handlungsanweisungen betreiben und dafür viel Zeit und Mühe aufwenden.“ 

Auch in Zeiten von Tiktok und Instagram hat sich an der seit Jahrhunderten bekannten Masche im Grunde wenig geändert: Der Schwindler täuscht Liebe vor, gewinnt Vertrauen und fordert anschließend unter wechselnden Vorwänden Geld – sei es für ein angeblich krankes Kind oder nach einem erfundenen Autounfall. „Die effektivsten Liebesschwindler wählen ihre Opfer gezielt aus“, sagt Lane-Sellers. „Sie lauern auf Dating-Portalen und Apps, es kommt sogar vor, dass die Scammer gezielt individuelle Profile erstellen.“ 

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Die neueste Masche: ein Mix aus Liebesschwindel und Anlagebetrug

In einer neueren Variante verlangen die Täter kein Geld, sondern überreden ihre Opfer zu „Investitionen“ in angeblich todsichere Firmen und Projekte – eine Kombination von Liebesschwindel und Anlagebetrug. „Diese Taten werden aus regelrechten Betrugsfabriken heraus begangen, in denen unzählige Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen gezwungen werden, diese Betrugsindustrie am Leben zu halten“, sagt Thomas Goger, Sprecher der Zentralstelle Cybercrime an der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg. 

Auch die Moderatorin Judith Rakers wurde indirekt bereits Opfer von Love-Scamming.
Auch die Moderatorin Judith Rakers wurde indirekt bereits Opfer von Love-Scamming.© dpa | Sina Schuldt

„Die verwendeten Identitäten werden häufig einfach von anderen Datingseiten oder sozialen Netzwerken kopiert und wirken dadurch authentisch“, sagt ein Sprecher des Hamburger Dating-Portals Lemonswan. Nach Analyse der Cyberfachleute bei Lexis Nexis Risk Solutions durchforsten viele Täter vor dem ersten Kontakt systematisch das Internet und soziale Medien und tragen Informationen über ihre Opfer zusammen – kriminelle Kundenakquise. 

Viele Scam-Fabriken würden in Myanmar und auf den Philippinen betrieben, aber es gebe sie auch in Dubai, Südafrika, Nigeria, Ghana und Lateinamerika, sagt Lane-Sellers. Die Gesamtschäden sind unbekannt. Nach Schätzung der US-Handelsbehörde FTC aus dem Jahr 2024 betrogen Liebesschwindler ihre Opfer allein in den USA um 1,1 Milliarden Dollar. Die wahren Summen sind ungleich höher, denn Cyberfachleute und Strafverfolger gehen davon aus, dass die große Mehrheit der Betrogenen aus Scham nicht zur Polizei geht. 

Schwindel-Fabriken müssen kaum Strafverfolgung fürchten

Für Strafverfolger international ist es bislang kaum möglich, gegen die Schwindel-Fabriken vorzugehen, die deutsche Justiz inbegriffen. „Es ist außerordentlich schwierig, die zahlreichen deutschen Fälle konkreten ausländischen Akteuren zuzuordnen“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt bei der Bamberger Zentralstelle, Goger. 

Erfolgreiche Liebesschwindler richten doppelten Schaden an: Neben leeren Bankkonten hinterlassen sie gebrochene Herzen. Doch ein großes Problem sind die Betrüger auch für die Dating-Portale. Mittlerweile üblich sind mehrstufige Sicherheitssysteme. Diese würden fortlaufend trainiert, um auch Veränderungen in Methoden und Strategien von Scammern schnell erfassen zu können, sagt eine Sprecherin der Partnervermittlung Parship. 

tok/dpa