Die in den Anden entdeckten Eismumien der Inka, die bereits vor mehreren Jahrzehnten geborgen wurden, bergen bis heute zahlreiche wissenschaftliche Rätsel. Mithilfe moderner Technik haben Forscher im Rahmen einer aktuellen Studie die konservierten Körper der Kinder erneut analysiert und dabei Erkenntnisse gewonnen, die teilweise im Widerspruch zu überlieferten historischen Quellen stehen.

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Historische makellose Körper offenbaren Krankheiten

Historische Quellen bedürfen grundsätzlich einer kritischen Einordnung, wie eine aktuelle Studie zu den Eismumien der Inka eindrucksvoll zeigt. Vor etwa 500 Jahren wurden Kinder im Rahmen ritueller Handlungen als sogenannte Boten der Götter auf hohen Gipfeln der Anden niedergelegt. Die extrem trockene und kalte Höhenluft begünstigte eine natürliche Mumifizierung der Körper.

Zeitgenössische Berichte beschreiben diese Kinderopfer als gesund und ohne erkennbare Makel, wie Dagmara Socha von der Universität Warschau, Hauptautorin der Studie, gegenüber „Live Science“ erläutert. Moderne technische Verfahren liefern jedoch ein differenzierteres Bild: Computertomographische Untersuchungen offenbarten bei mehreren Opfern Krankheitsbefunde, die den historischen Darstellungen widersprechen.

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So zeigte der Scan eines etwa zehnjährigen Mädchens, das nahe dem Gipfel des peruanischen Vulkans Ampato entdeckt wurde, dass innere Organe entfernt und durch Steine sowie Textilien ersetzt worden waren. Das Kind war in sitzender Haltung mit angezogenen Knien auf einem Plateau niedergelegt worden. Die Forscher interpretieren diesen Befund als Hinweis darauf, dass die Inka gezielte Maßnahmen ergriffen, um eine möglichst langfristige Erhaltung des Körpers zu gewährleisten.

Auch bei weiteren Mumien wurden gesundheitliche Auffälligkeiten festgestellt. Ein etwa achtjähriges Mädchen wies eine deutlich vergrößerte Speiseröhre auf, ein Befund, der mit der Chagas-Krankheit in Verbindung gebracht wird, einer in präkolumbianischer Zeit verbreiteten Infektionskrankheit. Zudem zeigten sich Narbenveränderungen an der Lunge, die auf Tuberkulose hindeuten.

Da solche Erkrankungen in der damaligen Bevölkerung der Inka offenbar weit verbreitet waren und möglicherweise nicht als außergewöhnlich galten, könnten sie in zeitgenössischen Quellen nicht als Makel wahrgenommen worden sein. Moderne medizinische Diagnostik ermöglicht hingegen eine differenzierte Bewertung des Gesundheitszustandes und führt zu einer Neubewertung der historischen Überlieferungen.

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Eismumien werden zu den Boten der Götter

Bei den Eismumien handelt es sich um die sterblichen Überreste von Mädchen und Jungen, die im Rahmen ritueller Handlungen getötet und anschließend auf den Gipfeln verschiedener Andenberge niedergelegt wurden. Die extrem trockene und kalte Höhenluft führte zu einer außergewöhnlich guten natürlichen Konservierung der Leichname.

Nach bisherigem Forschungsstand erfolgte die Tötung häufig durch Strangulation oder Ersticken. Die aktuelle Studie kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Individuen vermutlich durch stumpfe Gewalteinwirkung ums Leben kamen, möglicherweise durch Schläge mit einem Holzknüppel, wie Studienleiterin Socha erläutert.

Historischen Berichten zufolge erfüllten die Opfer die Funktion von Boten der Götter. So schildert der Konquistador Pedro Pizarro, dass Menschen die Mumien aufsuchten, um göttliche Zustimmung etwa für Eheschließungen zu erbitten. Den Ergebnissen der Untersuchung zufolge besaßen die Eismumien auch lange nach ihrem Tod eine zentrale rituelle Bedeutung und galten als Vermittler zwischen der lebenden Gemeinschaft und den göttlichen Apus, den Berggottheiten der Andenregion.