Was ist entspannter, als durch die Hofberichte zu lesen und zu erfahren, was die Hochwohlgeborenen gerade so treiben? Auf welchen roten Teppichen sie schweben, auf welcher Gala sie Champagner schlürfen. Eine Überraschung erlebt man, wenn man nach Mafalda von Bulgarien Ausschau hält: Statt Hofberichten findet man ihre Tourdaten. Die 31-jährige Enkelin des letzten bulgarischen Zaren hat sich unter ihrem Künstlernamen Ona Mafalda eine Karriere aufgebaut, abseits von jeglichem Adelsprotokoll.
In Videos sieht man sie, singend, mit wehendem Haar. So verwegen hat man sich eine Prinzessin gar nicht vorgestellt. Doch wer sie im Interview hört, erfährt schnell: Sie hat nichts am Hut mit Adelsgedöns. Sie ist mit ganzem Herzen Popsängerin, geht auf Tour und begeistert ihre Fans mit einer Musik, die mit ihren Vibes direkt auf die Tanzmuskeln zielt. Als Mafalda von Bulgarien war sie eine recht unbekannte Royal. Jetzt aber wird sie von zigtausend Fans verehrt, muss immer wieder Interviews geben, in denen es vor allem immer um eins geht: das absolute Highlight ihres Lebens.
Mehr Artikel über Europas Adel
Prinzessin Mafalda von Bulgarien: Die Trennung verarbeitet sie in ihrem Song
Rückblick ins Jahr 2023. Eine junge Frau in knappem Shirt und mit wehendem Rock steht auf der imposanten Bühne des Olympiastadions im spanischen Barcelona und lässt sich feiern. Denn Ona Mafalda war nichts weniger als der Act im Vorprogramm für die Kultband Coldplay. Coldplay, das war so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg. Schon als 13-Jährige habe sie für diese Musiker geschwärmt. Dank Coldplay hatte sie überhaupt erst den Wunsch, Sängerin zu werden, erzählt sie gern. In Videomitschnitten des Konzerts sieht man, wie sie strahlt. Ihr Leben schien sich in einem Höhenflug zu befinden.
Der herbe Absturz, der folgte, hatte nichts mit der Musik zu tun: Ihre Ehe ging in die Brüche. Die Trennung von ihrem Marc Ende 2024 habe sie stark mitgenommen, berichtete der Adelsspross. In Interviews erzählte sie oft, wie „unglaublich schmerzhaft“ das war. Und wozu ist die Musik da, wenn nicht, um Herzensdinge zu verarbeiten? Ihr Song „Ya no soy esa“ („Ich bin nicht mehr dieselbe“), in dem sie von einer tiefen Identitätskrise singt, klingt jedenfalls nach Herz und Schmerz. Dramatisch, rhythmisch, aber auch voller Energie. Ein Lied, das geeignet scheint, das Tal der Tränen tanzend zu verlassen.
Erst die royale Liebeshochzeit, dann die Karriere
Dabei soll die Hochzeit 2022 auf Mallorca noch ein wunderbares Fest gewesen sein. Es wirkte so, als sei es die ganz große Liebe. Doch dann das jähe Ende. Hatte man sich also schon auseinandergelebt? Beide hatten sich in Mafaldas Heimatstadt London kennengelernt. Dann gingen sie nach Boston, um zu studieren. Nach ihrem Abschluss in Musik wollte sie aber weiter: Mafalda zog nach Madrid. Marc blieb in den USA. Und mit ihrem Album „Ona“ feierte sie 2023 gleich Erfolge.
Madrid ist so richtig ihrs: In einem Video ist zu sehen, wie Mafalda durch die nasse City läuft, ganz beseelt wirkt und vor allem eine Botschaft hat: „I love the rain“, sagt sie in die Kamera, läuft glücklich mit Regenschirm durch die Gassen. Man sieht sie in Coffeeshops, im Plattenladen, gern ungeschminkt mit offenem Blick. Eine Prinzessin, die bodenständig sein will.
Auch interessant
Blaues Blut: Das sind Mafaldas adlige Wurzeln
Dabei ist Mafalda die Enkelin des letzten bulgarischen Zaren Simeon II. (88). Seit 1946 gibt es in Bulgarien zwar keine Monarchie mehr, doch Mafalda darf noch immer den Titel tragen. Geboren wurde sie am 27. Juli 1994 als Prinzessin Mafalda-Cecilia von Sachsen-Coburg und Gotha. Ihre Eltern sind die spanische Aristokratin Rosario Nadal, die früher als Model arbeitete, und Prinz Kyrill (61), der wiederum der Sohn des letzten bulgarischen Zaren ist. Das Zarenamt hat Simeon nie aktiv ausgeübt, denn drei Jahre später war Schluss mit der Monarchie in Bulgarien. Die Familie ging ins Exil, zuerst nach Ägypten, später zog es sie nach Madrid.
Mafalda hat immer deutlich gemacht, dass sie keine Lust hat, sich auf ihren aristokratischen Privilegien auszuruhen. Sie hat sich der Kunst verschrieben. Wie übrigens auch ihre Tante Kalina von Bulgarien (54). Sie, einzige Tochter von Simeon, machte aber nicht mit ihrem Kunstverstand Schlagzeilen: Ihre muskelbepackten Schultern, Arme und Beine zogen die Blicke in aller Welt auf sich. Schnell hatte sie einen Beinamen weg: Kalina, die „Pumper-Prinzessin“.

Tante der royalen Bulgarin sorgte als „Pumper-Prinzessin“ für Furore
Dass man sich so auf ihre Muskeln fokussierte, hatte Kalina wirklich irritiert: „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte sie in einem Interview. Und nachdem das Gerede um ihren Körper kein Ende nehmen wollte, machte sie ihrem Unmut Luft: „Ich trug einfach ein ärmelloses Kleid. Im 21. Jahrhundert sollte die Fitness einer Frau keine Aufmerksamkeit erregen.“ Dass sie schweres Krafttraining mache? Wer ihr das vorwerfe, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt.
Mafalda hingegen zieht ihre Kraft wohl aus dem Gesang, so wirkt es, wenn man sich Videos von ihren Auftritten anschaut. Man sieht, wie sehr sie sich in die Musik hineinbegeben kann. Ona, die sich im Dark Pop verwurzelt sieht und sich Popstars wie Lana Del Rey verbunden fühlt, könne so viel in ihrer Musik verarbeiten, erzählt sie in Interviews. Und wer weiß, vielleicht haben die Jungs von Coldplay sie ja auch auf ihrer Playlist.







