Selten zuvor waren wohl so viele Menschen auf dem Hof der Alem-i aislam Moschee in Ludwigshafen am Rhein wie an diesem Donnerstagnachmittag. Mehr als 1000 Bürger, darunter Angehörige und Freunde, sind zur Trauerfeier von Serkan C. gekommen, berichtet die „Welt“. Bilder zeigen, wie sie den Sarg des 36-Jährigen durch die Menge tragen. Der verstorbene Zugbegleiter wollte am Montagabend in Landstuhl das Ticket eines Fahrgasts kontrollieren – und wurde daraufhin von dem Schwarzfahrer totgeprügelt. Doch noch immer gibt es viele offene Fragen rund um die Tat.
Gab es mehrere Zeugen im Zug? Wenn ja, warum griffen diese nicht ein, als der Schwarzfahrer unvermindert auf Serkan C. einschlug? Bis heute sind keine Augenzeugenberichte öffentlich geworden. Im Zeitalter der mit Voyeurismus garnierten sozialen Medien verbreiten sich Videos rund um entsetzliche Taten wie diese eigentlich rasant. Doch dazu, wie sich die entsetzliche Tat im Regionalexpress im Detail abgespielt hat, gibt es bisher nur wenige Informationen.
Tödliche Gewalttat an Schaffner: RE 4131 benötigt von Landstuhl nach Homburg nur zehn Minuten
An diesem Montagabend geht Serkan C. routinemäßig durch die Reihen des RE 4131, der gerade vom Bahnhof Landstuhl in Richtung Homburg weitergefahren ist. Der Schaffner kontrolliert Tickets und macht Halt bei einer vierköpfigen Gruppe, wie die „Bild“ berichtet. Unter ihnen befindet sich mindestens ein Reisender ohne Fahrschein, ein 26-jähriger Grieche. Es kommt zum Streit, bei dem sich Serkan C. laut Zeugenaussagen deeskalierend verhält.
Doch der Reisende wird immer aggressiver und bedrängt den Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Daraufhin will Serkan C. den Mann des Zuges verweisen, der daraufhin mit seinen Fäusten auf den Kopf des Schaffners eingeschlagen haben soll. Nach Informationen der Zeitung „Die Rheinpfalz“ soll der 36-Jährige noch im Zug das Bewusstsein verloren haben.

Ein Bundeswehrsoldat soll nach Angaben von Bahn-Chefin Evelyn Palla Erste Hilfe geleistet haben. Wie viele andere Zeugen die Gewalttat in dem Regionalexpress miterlebt haben, ist bislang unklar. Wie die „Welt“ berichtet, warten Bundespolizei und Polizei anschließend bereits in Homburg am Bahnhof und nehmen den Griechen nach der Ankunft des Zuges fest.
Für die Strecke von Landstuhl nach Homburg benötigt der RE 4131, in dem Serkan C. am Montagabend die Fahrkarten der Reisenden kontrollierte, planmäßig nur zehn Minuten. Da der Grieche den Zugbegleiter nach bisherigen Informationen attackiert haben soll, nachdem der Zug bereits losgefahren war, muss sich die Gewalttat schnell abgespielt haben.
Auch interessant
Serkan C. wird schwer verletzt mit dem Rettungswagen in die Uniklinik Homburg (Saar) gebracht. Gegen den mutmaßlichen Täter wird am Dienstag ein Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags erlassen. Währenddessen kämpfen die Ärzte um das Leben von Serkan C. Am Ende vergeblich. Er stirbt laut Obduktionsergebnis an einer Hirnblutung „in Folge erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung“, wie die Staatsanwaltschaft Zweibrücken mitteilt. Seine beiden Kinder sollen nach Angaben des Cousins täglich am Krankenbett ihres Vaters gesessen haben. „Sie sahen ihren eigenen Vater im Sterbebett. Noch schlimmer geht das nicht”, erzählte Serkans Cousin Engin gegenüber RTL.
Bahn-Chefin plant Sicherheitsgipfel
Die Erschütterung über die tödliche Gewalttat ist bundesweit groß. Der tragische Fall wirft die Frage auf, was passieren muss, damit Zugbegleiter besser geschützt werden und nicht mehr mit Angstgefühlen zur Arbeit fahren müssen. Bahn-Chefin Palla hat dazu einen Sicherheitsgipfel einberufen. „Einladen werden wir die Länder, die Aufgabenträger für den Regionalverkehr, Vertreter der Bundespolitik, Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, die Gewerkschaften, die Bundespolizei und natürlich auch andere Vertreter der Bahnbranche“, sagte sie. Es sollen konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit beim Zugpersonal diskutiert werden.
weitere Videos
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) hat bei einer Gedenkveranstaltung für den getöteten Zugbegleiter einen respektvolleren Umgang in der Gesellschaft und mehr Zivilcourage gefordert. „Es ist nicht diese Tat, mit der es angefangen hat“, sagte er beim Totengebet für Serkan C. vor mehr als 1000 Menschen in Ludwigshafen. „Es fängt an mit der Beleidigung.“ Oder auch mit der abschätzigen Formulierung am Arbeitsplatz, gegenüber Rettungs- oder Pflegekräften und Zugbegleitern.
Serkan C. habe nur seine Arbeit gemacht. „Er war ein Freund, er war ein Nachbar, er war ein Kollege, er war ein Ludwigshafener“, sagte Schweitzer. Er sei auch Vater von Kindern gewesen. „Ich stehe vor Ihnen als Landesvater, aber ich bin auch Vater von Kindern. Und niemand kann sich wirklich vorstellen, was uns jetzt in der Familie begegnet an Trauer, an Verständnislosigkeit, auch an Wut.“ Wie die „Bild“ berichtet, wurde der Sarg nach der Trauerfeier in die Türkei geflogen. Dort soll Serkan C. seine letzte Ruhe finden.



