Gäbe es eine Ausschreibung für den Job, sie fiele wohl wenig attraktiv für potenzielle Interessenten aus. Der künftige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) verfügt nicht wirklich über Macht, er ist vielmehr „Primus inter Pares“, also Erster unter Gleichen. Er vertritt die deutschen Bischöfe nach außen, in seiner Amtsführung ist er aber an deren Beschlüsse gebunden.
Hinzu kommt: Die Bischofskonferenz, in der die Oberhirten der 27 deutschen Diözesen versammelt sind, ist derzeit gespalten. Die Reformer sind zwar in der Mehrheit, aber die konservative Fraktion der Bewahrer hält stramm dagegen. Der Dialog mit dem Vatikan glich zudem in den letzten Jahren oft einem verbalen Drahtseilakt. Und die Basis der Gläubigen im Land bricht immer mehr weg. Ein Traumjob sieht anders aus.
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Kein Wunder also, dass der Limburger Bischof Georg Bätzing genug hatte von dem undankbaren Amt und Mitte Januar mitteilen ließ, dass er nach „sechs intensiven Jahren“ nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehe. Damit folgt er seinen beiden direkten Vorgängern Reinhard Marx und Robert Zollitsch, die ebenfalls jeweils nach einer Amtszeit nicht mehr antreten wollten.

Chef der deutschen Bischöfe: Offenes Rennen ohne klaren Favoriten
Vom 23. bis 26. Februar tagen die Bischöfe in Würzburg bei ihrer Vollversammlung – und müssen dann einen Nachfolger für Bätzing finden. Das Rennen scheint offen, ein klarer Favorit zeichnet sich nicht ab. Doch hört man sich im Umfeld der Bischofskonferenz um, fallen immer wieder zwei Namen: Udo Bentz, Erzbischof aus Paderborn, und Franz-Josef Overbeck, Bischof im Ruhrbistum Essen.
Udo Bentz ist mit 58 Jahren einer der eher Jüngeren in der Bischofsriege und zudem erst seit zwei Jahren im Amt. In dieser Zeit profilierte er sich jedoch mehrfach mit pointierten Aussagen, auch in Richtung Politik. Als etwa die christdemokratische Bundestagspräsidentin Julia Klöckner forderte, die Kirchen sollten sich aus tagespolitischen Themen heraushalten, konterte Bentz: „Ich lasse mir von niemandem einen Maulkorb verpassen, egal zu welchem Thema.“ Beim Besuch einer internationalen Bischofsgruppe in Israel und den besetzten Gebieten bewies Bentz kürzlich diplomatisches Geschick auf schwierigem Terrain.
Ich lasse mir von niemandem einen Maulkorb verpassen, egal zu welchem Thema.
Udo Bentz, Erzbischof von Paderborn
Das Erzbistum Paderborn, das sich von Minden im Norden bis nach Siegen im Süden und von Höxter im Osten bis nach Herne im westlichen Ruhrgebiet erstreckt, zählt knapp 1,3 Millionen Katholiken. Mit Finanzanlagen in Höhe von rund 3,6 Milliarden Euro zählt Paderborn zudem zu den reichsten Diözesen im Land – und zu den einflussreichsten.
Vom konservativen Hardliner zum offensiven Reformbefürworter
Der zweite potenzielle Kandidat für die Bätzing-Nachfolge aus NRW ist Franz-Josef Overbeck (61). Als er 2009 das Bischofsamt im Ruhrbistum Essen übernahm, war er mit 45 Jahren der damals jüngste Bischof Deutschlands. Overbeck, der aus Münster ins Ruhrgebiet wechselte, hat seitdem einen bemerkenswerten Wandel vollzogen: vom konservativen Hardliner zu einem der offensivsten Reformbefürworter im Kreis der Bischöfe. Nach dem Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare durch Rom beispielsweise erklärte Overbeck, die kirchliche Lehre verlange „dringend eine erweiterte Sichtweise auf die menschliche Sexualität“. Dabei brauche es „eine ernsthafte und zutiefst wertschätzende Neubewertung der Homosexualität“.
Im Skandal um sexuellen Missbrauch in der Kirche sprach Overbeck 2020 als erster deutscher Bischof von persönlicher Schuld. Es ging um sein „Versagen“ im Fall eines Priesters, der viele Jahre in der Seelsorge des Essener Bistums wirkte. „Ich habe Schuld auf mich geladen“, sagte Overbeck. „Ich habe die Verantwortung am Anfang meiner Zeit als Bischof nicht richtig wahrgenommen.“ Das brachte ihm Respekt ein. Auch seine Tätigkeit als Militärbischof nutzte Overbeck zur Schärfung seines Profils. Das 1958 gegründete Bistum Essen ist bei gut 800.000 Katholiken flächenmäßig das kleinste Bistum Deutschlands.
Ich habe Schuld auf mich geladen. Ich habe die Verantwortung am Anfang meiner Zeit als Bischof nicht richtig wahrgenommen.
Franz-Josef Overbeck, Ruhrbischof
Ist das Amt eine „Mission impossible“?
Wie die Chancen von Bentz und Overbeck stehen, wenn Ende Februar der neue Chef-Bischof gewählt wird, ist schwer abzuschätzen. Beide halten sich bislang bedeckt, was ihre Ambitionen angeht. Der Job ist nicht ohne Risiko. Bätzing und seine Vorgänger Marx und Zollitsch hatten schnell nach Amtsantritt erkennen müssen, dass ihre Macht begrenzt ist und dass ein Ausgleich zwischen Reformern und Bewahrern in der Bischofsversammlung einer „Mission impossible“ gleichkommt. Gleichzeitig werden auch andere Namen gehandelt: Die Bischöfe Stephan Ackermann (62) aus Trier, Michael Gerber (56) aus Fulda, der Würzburger Franz Jung (59) sowie Bertram Meier (65) aus Augsburg gelten als Anwärter mit Chancen.
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Rechtlich ist die Wahl im Artikel 28 des Statuts der Bischofskonferenz geregelt. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, danach genügt die einfache Mehrheit. Der Vorsitzende wird von der Vollversammlung gewählt – dazu gehören neben den Ortsbischöfen auch die Weihbischöfe. Deshalb spricht man auch von der „Stunde der Weihbischöfe“, die sonst eher eine Nebenrolle spielen. Auch das macht Prognosen so schwierig. Die Stimmung dieser „Hilfs-Bischöfe“ aus allen 27 Bistümern lässt sich nur schwer abschätzen. Gut die Hälfte der aktuell rund 60 Wahlberechtigten sind Weihbischöfe.







