An der Fundstätte Marathousa 1 im Süden Griechenlands haben Forscher eine Reihe außergewöhnlich gut erhaltener Artefakte entdeckt und detailliert analysiert. Im Mittelpunkt einer aktuellen Studie stehen konservierte Holzstücke, die eindeutig mit frühen Menschen in Verbindung gebracht werden können. Die an ihnen nachgewiesenen, gezielt durch menschliches Handeln verursachten Bearbeitungsspuren legen nahe, dass es sich um die bislang ältesten bekannten Holzwerkzeuge handelt.

Sensationelle Entdeckung: Holzartefakte sind 430.000 Jahre alt

Die Fundstätte Marathousa 1 im Zentrum der Peloponnes hat bereits zahlreiche außergewöhnliche Artefakte hervorgebracht. Dazu zählen Steinsplitter, Tierknochen mit deutlichen Schnittspuren sowie die Überreste eines Elefanten mit geraden Stoßzähnen. Während des mittleren Pleistozäns, also in einem Zeitraum vor etwa 774.000 bis 129.000 Jahren, war die Region von einem See geprägt, der regelmäßig von frühen Menschen und verschiedenen Tierarten aufgesucht wurde.

Neben diesen Funden rückten insbesondere mehrere Dutzend Holzfragmente in den Fokus der Forschung. Die wassergesättigten Sedimente am Fundort schufen sauerstoffarme Bedingungen, die eine außergewöhnlich gute Konservierung des organischen Materials über Jahrtausende hinweg ermöglichten. Unter dem Mikroskop identifizierten die Forscher an drei Holzobjekten gezielte Bearbeitungsspuren.

Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert

Ein aus Erlenholz gefertigtes Stück weist Schnittmarken von Steinwerkzeugen sowie abgerundete Bereiche auf, die auf wiederholten Bodenkontakt hindeuten. Auf dieser Grundlage interpretieren die Autoren der Studie das Objekt als Werkzeug zum Graben, das möglicherweise zum Auflockern des Bodens oder zur Nahrungssuche eingesetzt wurde. Ein weiteres Holzfragment, vermutlich aus Pappel oder Weide, zeigt geschnitzte Kanten und glatte Oberflächen, die auf intensiven Gebrauch schließen lassen. Aufgrund seiner geringen Größe wird es als Handwerkzeug zur Bearbeitung von Steinen gedeutet. Aufgrund ihres Alters von 430.000 Jahren sind diese Artefakte das älteste bekannte Holzwerkzeug.

Geheimnisvolle Tierspuren auf den Holzfragmenten

An einem dritten Holzfragment identifizierten die Wissenschaftler auffällige Bearbeitungsspuren: Tiefe, parallel verlaufende Rillen durchziehen die Oberfläche, während entlang der Kanten zerdrückte Holzfasern erkennbar sind. Die Forscher schließen daraus, dass diese Spuren vermutlich von einem größeren Tier, wahrscheinlich einem Bären, stammen. Dies deutet darauf hin, dass der See während des mittleren Pleistozäns regelmäßig sowohl von Tieren als auch von frühen Menschen genutzt wurde, möglicherweise in einer konkurrierenden Weise um Nahrung.

Auch interessant

Die Autoren der Studie interpretieren die sorgfältige Auswahl des Holzes sowie die gezielt bearbeiteten Holzstücke als Hinweis auf ein ausgeprägtes naturkundliches Wissen der frühen Menschen in dieser Region. Gleichzeitig belegen die Funde, dass sie über bemerkenswerte technische Fertigkeiten verfügten, die eine gezielte Herstellung und Nutzung von Werkzeugen ermöglichten.

Holzwerkzeuge: Bisherige Funde sind jünger

Die Forscher weisen im Rahmen der Studie darauf hin, dass alle bislang als Holzwerkzeuge interpretierten Artefakte aus anderen Fundstätten jünger datiert sind. Vergleichbare Funde aus Afrika, Europa und Asien weisen ein geringeres Alter auf als die in Griechenland entdeckten Holzstücke, die auf etwa 430.000 Jahre datiert werden.

Eine ältere Holzkonstruktion stammt von den Kalambo-Wasserfällen in Sambia und wird auf etwa 476.000 Jahre vor heute geschätzt. Hierbei handelt es sich jedoch um ein Bauteil eines Gebäudes und nicht um ein Werkzeug. Durch die aktuellen Entdeckungen in Marathousa 1 wird die zeitliche Einordnung der ältesten bekannten Holzwerkzeuge somit um rund 40.000 Jahre nach hinten verschoben.