Zu cool für einen Staatschef? Mit seinem Sonnenbrillen-Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sich zwar den Spott von Amtskollege Donald Trump eingehandelt. Viele Zeitungen aber hoben ein Foto von Macron mit Pilotenbrille – die er wegen einer Augenentzündung trug – auf die Titelseite. Und der kleine französische Hersteller der Luxusbrille kann sich vor Anfragen inzwischen kaum noch retten. Der Online-Shop der Marke Henry Jullien war zeitweise überhaupt nicht mehr erreichbar.
Auch am Donnerstagmorgen war der Online-Auftritt der französischen Marke zeitweise überlastet. Der Ansturm scheint für die Serverkapazitäten des kleinen Herstellers schlichtweg zu groß. „Unsere Freunde und Kunden haben angefangen, uns zu fragen, ob das unsere Brille ist, das macht uns wirklich stolz“, sagte Stefano Fulchir, der Chef von iVision Tech, der italienischen Muttergesellschaft der Brillenmarke, dem Sender RTL.

Trump spottet über Macrons „schöne Sonnenbrille“
Hunderte an Mails und Anfragen seien bereits eingegangen. „Im Durchschnitt stellen wir jährlich 100 dieser Pacific-Modelle her, aber angesichts der großen Aufmerksamkeit, die sie erhalten, müssen wir dieses Jahr vielleicht 1000 Stück produzieren. Wir haben bereits Kunden, die nach dem gleichen Modell fragen“, sagte Fulchir. Auf Instagram wirbt die Marke Henry Jullien bereits mit einem Foto, das Macron in Davos mit der Brille zeigt, für das Modell zum Preis von 659 Euro.
„Ich habe ihn gestern mit dieser schönen Sonnenbrille gesehen. Was zum Teufel ist passiert?“, meinte Trump in seiner Rede in Davos zu Macrons Auftritt am Vortag mit der Brille. Macron habe wie Tom Cruise daherkommen wollen, der im Film „Top Gun“ eine ähnliche Brille getragen habe, scherzte so mancher in Frankreich.
Die Zeitung „Le Figaro“, die ausführlich über Macrons Brillenmodell aufklärte, erntete auch kritische Kommentare. „Nein, für wen hält er sich eigentlich? Er wirkt völlig verrückt“, reagierte ein Leser. „Eine Brille macht noch keinen großen Mann“, ätzte ein anderer. „Hofft er, wieder internationale Bedeutung zu erlangen, indem er den Clown spielt?“, fragte ein weiterer Leser. Auch gab es den Vorschlag, Macron hätte besser eine Augenklappe tragen sollen – wie der deutsche Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz.
dpa/rk


