So sieht wohl das Paradies aus: Steil ragt Palmarola aus dem Meer empor. Vulkanische Klippen, durchzogen von Meereshöhlen und schmalen Buchten, prägen das Bild der einsamen Insel. Es gibt kleine Wanderwege und einen einzigen Strand. Die Idylle ist perfekt. Doch die winzige Mittelmeerinsel ist nicht für jeden Italien-Urlauber der Garten Eden. Es fehlt nämlich an vielem. Und damit ist nicht irgendein Komfort gemeint, sondern etwas ganz Existenzielles: zum Beispiel fließendes Wasser.
Kein Wasser, kein Strom, kein Handyempfang und auch kein Internet: So etwas klingt eher nach Geisterinsel und Albtraum-Urlaub. Fabiola Amirante allerdings hat sich hier bestens eingerichtet: Die 33-Jährige betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Gavino und ihren Eltern Arturo und Patrizia das einzige Restaurant auf der unter Naturschutz stehenden Insel im Pontinischen Archipel südlich von Rom. Allerdings nur von Juni bis Oktober. Besucht wird das 136 Hektar große Eiland ohnehin nur während der warmen Jahreszeit. Zahlreiche Ausflugsboote ankern dann in den Buchten, Grotten und an den markanten Felsformationen rund um die Insel.
- Sommerurlaub: Hitze – Arzt warnt vor diesen Urlaubszielen und nennt 4 Kriterien
- Urlaubsplanung: „Touristen sind wie Lemminge“ – Wohin Sie nicht reisen sollten
- Fliegen: Flugangst: Piloten verraten, welche Tipps wirklich helfen
- Beliebte Insel: Mallorca als Sauf-Hotspot? Experte: „Ehefrau ist nicht dabei“
- Reisen: Mäuse, Dreck, Verspätung: Wie schlimm ist es im FlixTrain?
Italiens einsame Insel: So lockt ein Restaurant Urlauber an
Sie ist ja auch eine wahre Perle: Die Insel, rund zehn Kilometer westlich der Hauptinsel Ponza gelegen, wird gerühmt für ihre zahlreichen Zwergpalmen, von denen sich auch ihr Name („kleine Palme“) ableitet. Es gibt weder Dörfer noch richtige Straßen – nicht einmal einen Fähranleger. Die meisten Urlauber kommen nur für einen Tagesausflug und lassen sich mit frischen Fischgerichten in Fabiolas Restaurant verwöhnen.
„O‘ Francese“ („Der Franzose“) heißt das Lokal, das in den 1960er-Jahren von Giuseppe Tagliamonte eröffnet wurde. Der gebürtige Ponza-Bewohner hatte vor seiner Rückkehr auf die Insel 32 Jahre in Frankreich gelebt. Während seiner Jagdausflüge auf Palmarola baute er dort ein kleines Restaurant – aus dem Holz alter Schiffe und aus Ziegeln, die er selbst aus Sand, Meerwasser und etwas Zement herstellte.
1966 dann besuchte der Gastronom Angelo Martusciello aus Pozzuoli mit seiner Familie Palmarola. Dort lernte er Giuseppe kennen, woraus eine enge Freundschaft entstand. Angelo kehrte in den folgenden Jahren regelmäßig auf die Insel zurück und half im Restaurant mit. Nach Giuseppes Tod im Jahr 1977 verkaufte dessen Witwe das Gebäude an Angelo, der das Lokal renovierte.

Urlaub auf Italiens Trauminsel: Zimmer in Fischergrotten
Zu Ehren des Gründers trägt das Restaurant bis heute noch den Namen „O‘ Francese“, zu dessen Spezialitäten vor allem die „Spaghetti alla Nonno Angelo“ zählen, benannt nach dem Großvater, der das Restaurant bis zu seinem Tod vor einigen Jahren führte. Das Gericht besteht aus Nudeln mit einer Soße aus Knoblauch, Kapern, Sardellen, Oliven und Semmelbröseln.
Wer trotz der rustikalen Umstände länger bleiben möchte, kann im Sommer in einem der drei einfachen Zimmer für etwa 120 Euro übernachten, die in alte Fischergrotten entlang der Klippen gehauen wurden. „Viele Urlauber fürchten zunächst die Einsamkeit und bleiben nur ein oder zwei Nächte“, erzählt Fabiola. „Doch wer einmal ein paar Tage hier verbracht hat, ist fasziniert und kehrt immer wieder zurück – oft auch für längere Aufenthalte.“ Die klaren Gewässer ziehen Schnorchler, Kanufahrer und Taucher an. Abseits des Strandes lässt sich die Küste Palmarolas mit einem Schlauchboot erkunden. An Land begegnet man meist nur Wildziegen, die zwischen den niedrigen Palmen Schutz suchen.
Leben auf der Geisterinsel: Für Empfang müssen Urlauber aufs Meer rausfahren
Das Leben auf Palmarola ist für Fabiola durchaus anspruchsvoll. Erst 2018 wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die das Restaurant mit Strom versorgt – dennoch muss Energie sparsam genutzt werden. Auch Wasser, das per Tankschiff angeliefert wird, ist ein kostbares Gut. Einkäufe werden auf der benachbarten Insel Ponza erledigt, wo es auch einen Arzt gibt. „Aber wir haben Probleme mit dem Telefonieren. Es gibt auf der Insel ein einziges Festnetztelefon. Das befindet sich in unserem Restaurant. Aber Mobilfunk gibt es nicht, da der Empfang von der Insel Ponza zu schwach ist. Wir müssen ein Stück mit dem Boot hinausfahren, wenn wir mit dem Handy telefonieren wollen“, so Fabiola. Für Touristen sei das sehr störend.
Zusammen mit der Familie wohnt Fabiola über dem Restaurant, das bis zu 60 Plätze bietet. Auch eine Bar gibt es. Nach Ende der Sommersaison kehren sie und ihr Mann zurück nach Pozzuoli nahe Neapel. Fabiola arbeitet als Apothekerin, er bei einer Versicherungsagentur. Sie haben Arbeitsverhältnisse, die es ihnen erlauben, im Sommer frei zu sein.
- Besondere Highlights: Urlaub in Italien – 10 Geheimtipps einer Expertin
- Reisen: Das sind die beliebtesten Regionen für Urlaub in Italien
- Sightseeing: Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Italien
- Wetter & Klima: Urlaub in Italien – Das ist die beste Reisezeit
Schon die Römer nutzten Palmarola als strategischen Beobachtungsposten für ihre Flotte im Tyrrhenischen Meer, ohne die Insel jemals zu besiedeln. Der heutige Besitz geht auf das 18. Jahrhundert zurück, als neapolitanische Familien Palmarola unter sich aufteilten. Einige Höhlen in den Klippen wurden zu schlichten Privatunterkünften für Ferienzwecke umgebaut, teils weiß und blau gestrichen.
Auf einem vorgelagerten Felsen steht eine kleine weiße Kapelle, die dem heiligen Silverius gewidmet ist. Der Papst aus dem 6. Jahrhundert wurde nach Palmarola verbannt und soll der Legende nach auch dort gestorben sein. Jedes Jahr im Juni segeln Fischer von Ponza zur Insel, um ihm zu Ehren eine Prozession abzuhalten. Lokale Legenden berichten von Seeleuten, die in schweren Stürmen zu dem Heiligen beteten – und gerettet wurden. Solche Geschichten erzählt man sich dann gern im „O‘ Francese“ beim Wein.


