Es waren schon mehr als 30 Anklagepunkte, da legte die Staatsanwaltschaft kurz vor Prozessbeginn noch einmal nach. Das mutmaßliche Übertreten des Besuchsverbots gegenüber einer Ex-Freundin und ein angebliches Drogendelikt werden Marius Borg Høiby (29) nun zusätzlich zur Last gelegt, wie norwegische Medien berichten. Ab dem 3. Februar muss sich der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit vor Gericht verantworten, unter anderem wegen Vergewaltigungsvorwürfen.

Angesichts der 3,5 Kilo Cannabis, die Marius im Jahr 2020 von einer Person zu einer anderen gebracht habe, gab sich seine Anwältin betont ungerührt. Das sei ein einmaliger, alter Vorfall, den er eingeräumt habe, und er habe nicht eine Krone damit verdient, sagte Ellen Holager Andenæs dem norwegischen Rundfunk NRK. Erst die Woche davor war berichtet worden, dass gegen ihren Mandanten auch wegen neuer Gewaltvorwürfe ermittelt wird – ob es in diesen Fällen zur Anklage kommt, ist demnach noch nicht bekannt.

Auch interessant

Norwegens Royals: Vorwürfe gegen Marius Borg Høiby wiegen schwer

Was aber sicher ist: Seit August 2024, als der erste Vorwurf von häuslicher Gewalt gegen eine Ex-Freundin Norwegen schockierte, hörten die Nachrichten über mutmaßliche Vergehen des sogenannten „Bonus-Prinzen“ nicht auf. Ein Jahr später wurde Anklage gegen ihn erhoben – mit vier Fällen von vorgeworfener Vergewaltigung im Schlaf ganz oben auf der Liste der Anklagepunkte. Überdies ist Marius 28 weiterer Straftaten angeklagt, bei denen es vor allem um Vorwürfe der Misshandlung ehemaliger Partnerinnen geht. Insgesamt gelten sieben Frauen als Opfer. Weitere Vorwürfe sind unter anderem Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Die ihm vorgeworfenen Sexualstraftaten bestreitet Høiby. Anders sieht es in dem Fall aus, der alles ins Rollen brachte. Høiby war am 4. August 2024 in Oslo wegen mutmaßlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung in der Wohnung seiner damaligen Freundin festgenommen worden. Wenige Tage nach seiner Festnahme gestand er, die Frau nach einem Streit „unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain“ körperlich angegriffen und Gegenstände in ihrer Wohnung zerstört zu haben. In der Folge äußerte er sich auch darüber, dass er seit der Kindheit psychische Probleme habe und schon wegen Drogenkonsums in Behandlung war – womit er aber nicht sein Verhalten entschuldigen wolle.

15-08-2024 File Marius Borg Hoiby, the stepson of Norway s Crown Prince Haakon, could easily end up in prison after admi
Stiefater, Sohn und Mutter zeigten sich gern gemeinsam: Kronprinzessin Mette-Marit mit ihrem Erstgeborenen, Marius Borg Høiby.© IMAGO/PPE | IMAGO/PPE

Jene Ex-Freundin, mit der er zusammenlebte, beantragte erst im vergangenen Monat, das Besuchsverbot für ihn aufzuheben. Doch die Polizei lehnte dies ab – zu ihrem Schutz, wie der Sender TV2 berichtete. Im November waren sie und Borg Høiby zusammen in einer Bar gesehen worden. Dass diese Begegnung erneut großes Medienthema wurde, kritisierte die Anwältin der Frau. „Es war ein zufälliges und undramatisches Treffen, sie haben ein bisschen geredet“, sagte Mette Yvonne Larsen dem NRK. Die norwegische Presse reagiere „extrem übertrieben“.

Mette-Marits Krankheit sorgt für große Anteilnahme unter Norwegern

In der Tat herrscht an Berichterstattung über den 29-Jährigen kein Mangel – im Gegenteil. Der Sohn aus einer früheren Beziehung von Mette-Marit, geborene Tjessem Høiby, die 2001 Kronprinz Haakon von Norwegen heiratete und plötzlich Prinzessin wurde, interessierte die Öffentlichkeit von Anfang an. Der damals vierjährige Marius wurde nicht plötzlich Prinz, aber unweigerlich Teil der weithin beliebten und respektierten Königsfamilie. Für seine Rolle gab es keine Vorbilder. Die norwegische Presse begann irgendwann damit, ihn „Bonus-Prinz“ zu nennen, in Anlehnung an eine moderne Bezeichnung für Stiefkinder.

La famille royale de Norvège lors du jubilé des 25 ans de règne du roi Harald de Norvège à Trondheim
Marius Borg Høiby neben seinem Stiefvater, Kronprinz Haakon von Norwegen.© IMAGO/Bestimage | IMAGO/Royalportraits Europe/Bernard Rubsamen / Bestimage

Als Teenager begann dieses Stiefkind unter den Augen der neugierigen Öffentlichkeit ein Partyleben, wie es in den besten Königshäusern vorkommt. Aber er kam nicht zur Ruhe, als es Zeit gewesen wäre, ein verantwortungsbewusster Erwachsener zu werden. Seine Mutter soll einmal an der Seite seines Stiefvaters Königin werden – auch im modernen Norwegen eine Rolle von extrem großer Bedeutung. Seit 1991 repräsentieren Prinz Haakons Eltern, König Harald und Königin Sonja, das Land und seine Menschen nach verbreiteter Ansicht auf die richtige Art: sympathisch, gerade passend nahbar und dabei immer würdig.

Wie das jetzige und das künftige Königspaar mit dem Sorgenkind der Familie umgeht, das bewegt die Leute. Dass dessen Mutter schwer an chronischer Lungenfibrose erkrankt ist, sorgt unabhängig von ihm für große Anteilnahme. Erst kurz vor Weihnachten machte der Hof öffentlich, dass Kronprinzessin Mette-Marit früher oder später eine Lungentransplantation benötigen werde. Seitdem verzeichnet man in dem Land einen Anstieg bei den Organspende-Willigen.

Mehr Artikel über Europas Adel

Hof reagiert zurückhaltend: Umgang mit Vorwürfen spaltet

Mit Äußerungen über die immer neuen Vorwürfe gegen ihren Sohn hielt sich die Familie derweil lange zurück. „Nun lassen wir die Polizei ihre Arbeit machen“, war ein mehrfach gehörter Kommentar. Die Zurückhaltung angesichts der gesellschaftlich relevanten Probleme wie Drogenmissbrauch, psychische Gesundheit und Gewalt gegen Frauen wurde in Norwegen auch kritisiert – das Kronprinzenpaar hätte seine Stellung dafür nutzen sollen, die Themen zu beleuchten. Experten bewerten die Strategie jedoch als klug – jedenfalls aus Sicht des Königshauses. „Sowohl das Kronprinzenpaar als Eltern als auch das Königshaus als Institution ist in einer beinahe unmöglichen Situation“, sagte der Soziologe Trond Blindheim der Zeitung VG. „Egal, was sie sagen, es kann nur falsch sein.“ Da sei es besser, den Mund zu halten.

Offen war lange, ob auch Haakon und Mette-Marit zum Prozess erscheinen werden. Nun sagte der Kronprinz dem norwegischen Fernsehen: „Wir haben uns entschieden, im Gerichtssaal nicht anwesend zu sein und uns auch nicht über den Prozess zu äußern.“ Mette-Marit habe eine private Reise. Natürlich würden er und seine Frau die Verhandlung trotzdem mitverfolgen.

„Natürlich denken wir viel an alle Betroffenen in dem Fall“, sagte Kronprinz Haakon dem Sender NRK. „Ich weiß, dass es viele gerade schwer haben.“ Er habe Vertrauen darin, dass die Gerichtsverhandlung „ordentlich und gerecht“ ablaufen werde. „Marius Borg Høiby ist kein Teil des Königshauses, aber er ist ein wichtiger Teil unserer Familie und ein Bürger Norwegens“, so Haakon weiter. „Deshalb hat er dieselbe Verantwortung wie alle anderen, aber auch dieselben Rechte.“ Für den Prozess sind zunächst 24 Verhandlungstage bis zum 13. März vorgesehen. Marius könnten zehn Jahre Haft drohen.