Die Moderatorin Andrea Plewig verlor zu Silvester ihr linkes Auge durch einen Böller. Ihr Unfall ist kein Einzelfall: In Rostock verlor ein 23-Jähriger seine Hand, und in Berlin soll ein Kind durch eine illegale Kugelbombe schwer verletzt worden sein. Jedes Jahr wird zu Neujahr über solche Unglücke berichtet – neben Hunderten anderen Notfällen. Für Martin Mayerosch von der Berliner Feuerwehr sind solche Einsätze immer vermeidbar. Im Interview erzählt er, welche Feuerwerkskörper besonders gefährlich sind, wie man sich nach einem Böller-Unfall verhalten sollte und was man unbedingt vermeiden muss.
Herr Mayerosch, auch in diesem Jahr war um Neujahr erneut von zahlreichen Unfällen zu lesen. Beobachten Sie heute mehr Verletzungen durch Pyrotechnik als in vergangenen Jahren?
Martin Mayerosch: Die Zahl der Einsätze im Rettungsdienst und in der Brandbekämpfung schwankt von Jahr zu Jahr. Tendenziell nimmt sie allerdings zu. Zwar konnten wir für diesen Jahreswechsel weniger Brandeinsätze als im Vorjahr feststellen, dafür aber einen Anstieg der Rettungsdiensteinsätze. Die Verletzungsmuster haben sich über die Jahre hinweg nicht sonderlich geändert.
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Böller-Unfälle: Diese Verletzungen kommen am häufigsten vor
Welche Verletzungen sind denn besonders häufig und typisch?
Mayerosch: Wir sprechen häufig von Explosions- und Verbrennungsgefahr, die oft durch unsachgemäße Nutzung verursacht wird. Konkret: Augen- oder Handverletzungen. Es kann sogar zur Amputation einzelner Finger oder auch ganzer Teile der Hände kommen. Durch Druck- oder auch Splitterwirkung von Pyrotechnik können die Augen, aber auch das Gehör, nachhaltig geschädigt werden.

Welche Rolle spielt illegale Pyrotechnik?
Mayerosch: Illegale Böller kommen immer häufiger zum Einsatz. Da sie nicht sicherheitsüberprüft sind, sind sie deutlich unberechenbarer. Wir als Berliner Feuerwehr haben festgestellt, dass jedes Jahr ein großer Anteil der Verletzungen durch nicht zertifizierte Pyrotechnik entsteht.
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Im Fall von Andrea Plewig war es eine handelsübliche Batterie aus dem Supermarkt. Welche Feuerwerkskörper sind besonders gefährlich?
Mayerosch: Die Verwendung von Pyrotechnik ist immer mit Risiken verbunden. Aber vor allem Batterien können mit einem erhöhten Verletzungsrisiko verbunden sein – einfach, weil sie mehr pyrotechnisches Material besitzen im Gegensatz zu einer einzelnen Rakete.
Am gefährlichsten sind dennoch die illegalen Böller. Wie lange braucht die Zündung? Wann knallt es? Das weiß man nicht, es gibt keine Norm. Dort geht man ein eigentlich vermeidbares Risiko ein. Unser Fazit ist: Jeder Einsatz wegen Pyrotechnik ist aus unserer Sicht ein vermeidbarer Einsatz.
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Wie verhält man sich, wenn man durch einen Feuerwerkskörper verletzt wird?
Mayerosch: Bei Verbrennungen oder anderen Verletzungen kann die Wunde mit einem möglichst sauberen Tuch abgedeckt werden. Bei oberflächlichen Verbrennungen, also solchen, bei denen nur Rötungen oder erste geschlossene Blasen entstehen, kann die Stelle mit lauwarmem Wasser gekühlt werden. Und dann natürlich unverzüglich den Arzt aufsuchen.
Nach Verletzung: Das sollten Sie „auf keinen Fall“ tun
Und welche Maßnahmen sind bei einem Böller-Unfall unbedingt zu vermeiden?
Mayerosch: Auf gar keinen Fall durch Eigenkreationen – wie irgendwelche Hausmittelchen – versuchen, die Verletzung zu behandeln. Ebenso sollte man davon absehen, irgendwelche Cremes oder Salben zu verwenden.
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Was empfehlen Sie Menschen, die trotz Risiken privat Feuerwerk zünden wollen?
Mayerosch: Sie sollten sich unbedingt mit den Gebrauchsanweisungen des Feuerwerks auseinandersetzen – am besten schon am Silvesternachmittag und ohne Alkoholeinfluss. Und: ausschließlich Feuerwerk mit einer Registrierungsnummer und einem CE-Kennzeichen verwenden.
Und noch zwei kleinere Tipps: Wenn ein Feuerwerkskörper nicht hochgeht, dann zünden Sie ihn nicht erneut an. Er kann jederzeit auch nachträglich explodieren. Außerdem sollten Abschussrampen für Raketen nicht umfallen können. Am besten eignen sich leere Flaschen innerhalb von Getränkekisten. Das sind alles Fehler, die leicht vermeidbar sind und zu einem verletzungsfreien Silvester beitragen.








