Die US-Regierung hat neue Empfehlungen für die Ernährung veröffentlicht und dabei die bisherige Ernährungspyramide deutlich überarbeitet. Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch und Milchprodukte stehen nun im Mittelpunkt für die Amerikaner, während Zucker, Alkohol und stark verarbeitete Lebensmittel möglichst gemieden werden sollen. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. erklärte bei einer Pressekonferenz: „Meine Botschaft ist klar: Esst echtes Essen.“

Die Leitlinien empfehlen eine drastische Erhöhung der Proteinaufnahme: Erwachsene sollen jetzt 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen – doppelt so viel wie bisher empfohlen. Zudem wird zu vollfetten Milchprodukten geraten, darunter Vollmilch und Butter. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Weißbrot und Tortillas sollen dagegen stark eingeschränkt werden.

Ernährung in den USA: Umstrittene neue Relevanz von Fleisch

Die Empfehlungen unterscheiden sich stark von früheren Leitlinien, in denen der Verzehr von rotem Fleisch reduziert werden sollte. Fleisch spielt jetzt eine zentrale Rolle in der Ernährung. Ziel ist es, Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes und Herzerkrankungen zu bekämpfen.

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Das selbstständige Kochen mit frischen Zutaten wird in den neuen Richtlinien betont, während Fertiggerichte und industrielle Produkte klar abgelehnt werden.

Experten sehen Risiken bei tierischem Eiweiß

Ernährungswissenschaftler und Fachgesellschaften begrüßten zwar die Betonung auf weniger Zucker und mehr frische Zutaten, kritisieren jedoch den starken Fokus auf Fleisch und vollfette Milchprodukte. Laut Neal Barnard vom Physicians Committee for Responsible Medicine sind tierische Eiweißquellen mit erhöhten Risiken für chronische Erkrankungen verbunden.

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Auch Marion Nestle, emeritierte Professorin der New York University, bemängelte die neuen Richtlinien als „rückständig“. Zwar sei der Kampf gegen verarbeitete Lebensmittel sinnvoll, doch eine stärkere Betonung pflanzlicher Ernährung und angereicherter Lebensmittel sei natürlicher und nachhaltiger.

USA: Ein Gesundheitsproblem bleibt bestehen

Fakt ist: In den USA sind mehr als 40 Prozent der Erwachsenen von Übergewicht und Adipositas betroffen. Kinder und Jugendliche konsumieren übermäßig viele kalorienreiche Fertigprodukte, was die Situation verschärft. Laut Gesundheitsminister Kennedy sollen die neuen Leitlinien helfen, diese Probleme zu bekämpfen und mehr Bewusstsein für gesunde Ernährung zu schaffen.

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Die neuen Richtlinien der US-Regierung sind rechtlich nicht bindend, haben aber großen Einfluss auf öffentliche Einrichtungen wie Schulen und sogar die Nahrungsversorgung des Militärs. Ob sie tatsächlich zu einem „gesünderen Amerika“ führen, wie Kennedy es verspricht, bleibt angesichts der Kritik aus der Fachwelt fraglich.

mit dpa/afp