Griechenland steuert in diesem Jahr auf einen neuen Tourismusrekord zu – den vierten in Folge. Das Land ist als Urlaubsziel so beliebt wie nie zuvor, insbesondere bei deutschen Reisenden. Doch ein dramatischer Vorfall hat nun Zweifel an der Flugsicherheit geweckt.

Mehr als fünf Stunden lang ging am vergangenen Sonntag auf den griechischen Flughäfen gar nichts mehr. Wegen einer massiven Störung des Funkverkehrs brach die Kommunikation zwischen Fluglotsen und Piloten vollständig zusammen. Auf allen Frequenzen war nur noch ein schriller Pfeifton zu hören. Der griechische Luftraum musste komplett gesperrt werden. Hunderte Flüge wurden annulliert, bereits ankommende Maschinen mussten umkehren oder auf Flughäfen in anderen Ländern ausweichen. Das Flug-Chaos in Griechenland hatte Auswirkungen auf ganz Europa: Zahlreiche Verbindungen fielen aus oder verspäteten sich.

Flug-Chaos in Griechenland: „Ja, es werden Köpfe rollen“

Verkehrsminister Christos Dimas ordnete umgehend eine Untersuchung an. Einen Cyberangriff schloss die Regierung als Ursache aus. Noch bevor die Ermittlungen richtig begonnen hatten, kündigte Dimas an: „Ja, es werden Köpfe rollen!“

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Mit dieser drastischen Drohung versucht der Minister möglicherweise, von eigenen Versäumnissen und der Verantwortung seiner Amtsvorgänger abzulenken. Seit Jahren weisen die griechischen Fluglotsen auf die veraltete Technik hin, mit der sie eine stetig wachsende Zahl von Flügen sicher abwickeln sollen. Panagiotis Psarros, Vorsitzender der Vereinigung griechischer Fluglotsen, erklärt: „Dieser Vorfall macht einmal mehr die kritischen Schwächen einer veralteten und unterfinanzierten Infrastruktur im Flugverkehrsmanagement deutlich.“ Nur dank der fachlichen Kompetenz der Lotsen habe man die Sicherheit am Sonntag gewährleisten können. „Doch menschliche Leistung kann systemische Mängel nicht dauerhaft kompensieren“, so Psarros.

Griechische Flugsicherung: Veraltete Technik sorgt für Probleme

Die letzte größere Modernisierung der technischen Ausstattung der griechischen Flugsicherung erfolgte im Jahr 2004 anlässlich der Olympischen Spiele. Damals wurden am Athener Flughafen 13,6 Millionen Passagiere abgefertigt. Im vergangenen Jahr waren es bereits 31,6 Millionen. An der Technik hat sich seither kaum etwas geändert. Die Radaranlagen am Flughafen Athen stammen aus dem Jahr 2001, die Kommunikationssysteme sind 20 bis 30 Jahre alt. Bereits am 19. August vergangenen Jahres kam es wegen teilweiser Ausfälle der Radartechnik zu erheblichen Störungen im Athener Flugverkehr – mit europaweiten Folgen.

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Die Europäische Union hat Griechenland wiederholt gemahnt. 2022 leitete sie ein Vertragsverletzungsverfahren ein, weil zentrale Vorgaben des Projekts „Single European Sky“ nicht umgesetzt wurden. Im vergangenen Dezember erhob die EU-Kommission Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, da Griechenland die seit 2018 geltenden Vorschriften für leistungsbasierte Navigationsverfahren (PBN) noch immer nicht umgesetzt hat. PBN soll sichere Landungen auch bei schlechter Sicht gewährleisten. Auch Vorschriften zur Flugzeugidentifikation aus dem Jahr 2017 sind bis heute nicht umgesetzt.

EU erhöht Druck auf griechische Regierung

Unter dem Druck der EU kündigte die griechische Regierung ein Investitionsprogramm für die Jahre 2025 bis 2029 an. Insgesamt 313 Millionen Euro sollen in die Modernisierung der Flugsicherung fließen. Doch bislang bleiben diese Zusagen weitgehend folgenlos. Obwohl bereits ein Jahr vergangen ist, wurden viele zentrale Projekte noch nicht einmal begonnen. Ausschreibungen für neue Technik stecken in einer Kette aus bürokratischen Verzögerungen und Annullierungen fest. Acht geplante neue Radarsysteme sollen frühestens Ende 2028 in Betrieb gehen.

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Bis dahin müssen die Fluglotsen weiterhin mit veralteter und störanfälliger Technik arbeiten. Um die Flugsicherheit zu gewährleisten, begrenzten sie bereits im vergangenen Sommer die Zahl der Starts und Landungen in Athen. Statt 36 Flügen pro Stunde wurden nur noch 28 abgefertigt – eine Reduzierung um 25 Prozent. Die Folge waren Verspätungen von 30 Minuten bis zu mehreren Stunden. Auch im kommenden Sommer müssen sich Reisende auf Verzögerungen bei Flügen nach und von Griechenland einstellen.

Griechische Fluglotsen in Sorge – Plötzlich funktionierte die Technik wieder

Der Totalausfall vom vergangenen Sonntag hat unter den griechischen Fluglotsen große Besorgnis ausgelöst. Rätselhaft ist nicht nur die Ursache der Störung, sondern auch ihr abruptes Ende: Am Nachmittag funktionierten die Funkgeräte plötzlich wieder – ohne Reparaturen, scheinbar von selbst. „Wir wissen nicht, warum und wie es zu Ende ging“, sagte ein Lotse, der anonym bleiben möchte, der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir wollen die genaue Ursache finden, damit sich so etwas nicht wiederholt.“