Die Holocaust-Überlebende Eva Schloss ist am Samstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Das berichtete die britische Zeitung „Jewish News“ unter Berufung auf die Familie. Die einstige Freundin von Anne Frank wurde später die Stieftochter von deren Vater Otto Frank, der den Holocaust anders als Anne überlebte.

Schloss, die in Österreich geboren wurde, lebte seit vielen Jahren in Großbritannien und setzte sich als Ehrenpräsidentin der Stiftung Anne Frank Trust bis ins hohe Alter für die Erinnerung an den Holocaust und für Toleranz ein. König Charles III. würdigte Schloss in einer Beileidsbekundung.

„Meine Frau und ich sind zutiefst betrübt, von Eva Schloss‘ Tod zu hören“, hieß es in der Mitteilung von König Charles und Königin Camilla. Der Horror, den sie als junge Frau habe erdulden müssen, sei unmöglich zu begreifen. Trotzdem habe sie den Rest ihres Lebens den Bemühungen gewidmet, Hass und Vorurteile zu überwinden. „Wir fühlen uns beide geehrt und sind stolz, sie gekannt zu haben und wir bewundern sie zutiefst“, hieß es weiter. 

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Schloss wurde 1926 als Eva Geiringer in Wien in eine jüdische Familie geboren wurde. Gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder floh sie vor den Nazis in die Niederlande, wo sie sich mit Anne Frank anfreundete. Gegenüber dem britischen „Guardian“ sagte Schloss 2017: „Anne war viel reifer und erwachsener als ich. Sie besuchte eine Montessori-Schule und war ein Schuljahr über mir. Ich ging auf eine normale Schule.“

Beide Familien versteckten sich in Wohnhäusern in Amsterdam, wurden aber entdeckt und in Konzentrationslager verschleppt. Schloss wurde im Mai 1944, an ihrem 15. Geburtstag, verhaftet und anschießend ins Vernichtungslager Auschwitz transportiert. Während der dreitägigen Zugfahrt soll ihr Bruder Heinz ihr von 30 Gemälden erzählt haben, die er und sein Vater Erich im Versteck unter dem Dachboden versteckt hatten. Nach ihrer Ankunft in Auschwitz wurde sie von ihrem Vater und Bruder getrennt. Die Geschichte der Geschwister wurde 2017 im Jüdischen Museum in London ausgestellt.

Anne Frank starb 1945 in Bergen-Belsen. Ihr Vater Otto Frank heiratete später Evas Mutter, nachdem beide ihre Partner im Holocaust verloren hatten. Auch der Bruder von Eva Schloss kam in Auschwitz ums Leben. Schloss ließ sich nach dem Krieg in Großbritannien nieder und heiratete dort. Sie hinterlässt drei Töchter, Enkel und Urenkel. 2021, im Alter von 92 Jahren, nahm Schloss erneut die Staatsbürgerschaft ihres Geburtslandes Österreich an.

dpa/os